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Sag niemals nie - Sean Connery und Kim Basinger
Sag niemals nie - Sean Connery und Kim Basinger

TV-Tipp für Donnerstag (4.6.): Sean Connery wird rückfällig

Vox zeigt "Sag niemals nie"

"Sag niemals nie", Vox, 22:45 Uhr
James Bond (Sean Connery) muss zwei amerikanische Atomwaffen finden, die ein SPECTRE-Agent (Klaus Maria Brandauer) gestohlen hat.

Der Titel dieses James Bond-Abenteuers sagt es an: Der Dreh- und Angelpunkt dieses US-Thrillers ist Sean Connery, der nach zwölf Jahren Pause wieder seine ungeliebte Paraderolle übernahm. Es war allgemein bekannt, dass der Schotte die Rolle des britischen Geheimagenten zunehmend mehr als Fluch denn als Segen seiner Karriere gesehen hatte und deshalb genervt bereits 1967 erstmals aus der Reihe ausgestiegen war, um dann dank üppiger Gage noch einmal 1971 für "Diamonds Are Forever" zurückzukehren. Das "Never Say Never" beziehungsweise "Sag niemals nie" bezog sich ganz offenkundig auf den Bruch seines eigenen Schwurs, nun aber wirklich nie wieder diesen 007 zu spielen.

Es war in der Tat ein Coup, der Kevin McClory hier gelungen war, den damals 52-Jährigen noch einmal als James Bond vor die Kameras zu holen - und dann auch noch für die Konkurrenz! McClory gehörten die Verfilmungsrechte an genau einem James Bond-Roman, dem 1961 erschienenen "Thunderball", während die Rechte an der Figur und den anderen Büchern des englischen Autoren Ian Fleming bei Albert Broccoli lagen. 1965 hatten sich Broccoli und McClory zusammen getan, um das Buch gemeinsam mit Connery in der Hauptrolle zu produzieren und damit den lange Zeit erfolgreichsten Bond vorgelegt, dessen Zuschauerzahlen erst 2012 von "Skyfall" übertroffen werden sollten. McClory musste sich indes bereit erklären, "Thunderball" zehn Jahre lang nicht auf eigene Rechnung neu zu verfilmen.

Kaum war diese Frist verstrichen, versuchte der Ire, den Stoff erneut auf die Leinwand zu bringen - immer auf einem sehr schmalen juristischen Grat wandelnd, denn da ihm nur die Rechte an diesem einen Roman gehörten, musste er diesen werkgetreu verfilmen und durfte nichts hinzuerfinden. Auch die aus der 007-Reihe bekannten Elemente wie das 007-Musikthema oder das Revolverlogo zu Beginn durfte er nicht verwenden. So eröffnet "Never Say Never" auch untypisch für einen Bond ohne die obligatorische Vorspannsequenz.

Bis die Dreharbeiten starten konnten, gingen noch Jahre ins Land. McClory musste erstmal ein Studio und Produzenten finden, die seine Version auf die Leinwand bringen konnten. Der amerikanische Produzent Jack Schwartzman, Vater von Schauspieler Jason Schwartzman, ging das Projekt mit seiner Taliafilm an. Ihm gelang es auch, Connery für eine Gage von 3 Millionen Dollar - das wären heute etwa 8 Millionen Dollar - und für eine Gewinnbeteiligung zu engagieren.

Ein Problem war das Drehbuch von Lorenzo Semple Jr., mit dem Sean nicht zufrieden war. Der Star brachte das englische Drehbuchautorenduo Dick Clement und Ian La Frenais für eine Überarbeitung ein; aus gewerkschaftlichen Gründen werden sie im Vorspann nicht genannt, obwohl sie das Skript erheblich veränderten.

Die Dreharbeiten begannen schließlich im Herbst 1982 an der französischen Riveria, dann auf den Bahamas und für die Innenaufnahmen in den Elstree-Studios in der englischen Grafschaft Herfortshire. Als Regisseur hatte man Irving Kershner verpflichtet, der gerade einen Riesenerfolg mit "The Empire Strikes Back" gelandet hatte. Sowohl er als auch Connery gerieten mit Produzent Schwartzman aneinander, der definitiv kein zweiter Albert Broccoli war und später zugab, die Produktion unterschätzt zu haben. So ging während den Dreharbeiten das Geld aus, und Sean schimpfte, die Produktion gleiche einer "verdammten Mickey Mouse-Operation".

"Never Say Never Again" kostete letztlich 36 Millionen Dollar. Der zeitgleich gedrehte offizielle 007-Beitrag "Octopussy" mit Roger Moore kam auf 28 Millionen Dollar. Gespannt schaute man darauf, mit welchem der beiden Bonds sich mehr Karten verkaufen ließen. "Octopussy" ging im Juni 1983 an den Start und spielte weltweit 188 Millionen Dollar ein; "Never Say Never Again" folgte im Oktober und kam auf 160 Millionen Dollar - die Runde ging an Moore.

Sean Connery's Comeback war nichtsdestotrotz geglückt, denn auch die Kritiken für den von Warner Brothers Pictures verliehenen Streifen waren positiv. Die Aktivposten sind dabei eindeutig der Hauptdarsteller und auch die Selbstironie, mit der auf Connery's vorgerücktes Alter angespielt wird, obwohl er drei Jahre jünger als sein Nachfolger und Konkurrent Roger war, dessen "Octopussy" entschieden alberner geriet. Die schwunglose Handlung mit den langatmigen Unterwasserszenen, die schon das Original geplagt hatten, konnte aber auch Kershner nicht aufpeppen.

Nebendarstellerin Barbara Carrera wurde für den Golden Globe nominiert.

Ein Zuschauer meint: "Natürlich hält Sean Connery die ganze Sache zusammen. Er ist fit, energiegeladen und amüsiert sich offensichtlich. Seine Darstellung ist gereift, selbstsicher und genau mit der richtigen Prise Humor gewürzt. Der Film selbst ist eine einfallsreiche Überarbeitung von 'Thunderball', bei der die Kulissen und Maschinen nicht die Charaktere und die Handlung überschatten. Die Besetzung ist besser als im Original. Klaus Maria Brandauer bringt seine einmalige Art in die Rolle des Largo ein, ohne sich auf Augenklappe, SPECTRE-Ring oder Uniform verlassen zu müssen. Kim Basinger ist athletisch und hübsch, Barbara Carrera dynamisch, und endlich gibt es einen großartigen Felix Leiter in der Gestalt von Bernie Casey. Die Darstellungen von M und Q sind originell, und der von Rowan Atkinson gespielte tollpatschige Agent ist witzig, ohne albern zu werden. Regisseur Ivan Kershner nutzt seine Drehorte gut und hält ein gutes Tempo."



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