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TV-Tipp für Freitag (5.6.): Johannes Zeiler stellt sich gegen den Staat

Arte zeigt FreeTV-Premiere "Wackersdorf"

"Wackersdorf", Arte, 20:15 Uhr
Einem bayerischen Landrat (Johannes Zeiler), der sich über eine angekündigte atomare Wiederaufbereitungsanlage mitsamt versprochenen 3000 Arbeitsplätze für seine strukturschwache Region freut, kommen wegen der Proteste von Atomkraftgegnern Zweifel.

Die oberpfälzische Kleinstadt Wackersdorf ist ein Synonym für erfolgreichen Widerstand gegen die Staatsmacht geworden. Der Beschluss der Bayerischen Landesregierung unter Ministerpräsident Franz Josef Strauß im Jahr 1980, mit Steuermitteln der Stromindustrie eine Wiederaufarbeitungsanlage in einer von Arbeitslosigkeit geplagten Gegend und ehemaligen Braunkohleregion zu bauen, in der wiederverwertbare Elemente aus benutzten Brennelementen von Kernreaktoren gewonnen werden sollten, traf sofort auf den Widerstand von Anti-Atom-Gegnern, die bereits 1981 eine Bürgerinitative gründeten. Zwischen den Fronten stand der Landrat des Kreises Schwandorf, Hans Schuierer. Er musste sich in der altbekannten Auseinandersetzung zwischen wirtschaftlichen Interessen und Umwelt- und Gesundheitsgesichtspunkten in einer immer aufgeheizteren und schließlich gewalttätigen Atmosphäre positionieren.

Regisseur und Drehbuchautor Oliver Haffner greift dieses prägende Stück westdeutscher Zeitgeschichte in seinem deutschen Drama fesselnd, ernsthaft und facettenreich auf. Die Figuren sind differenziert gezeichnet, und die Handlung hält sich an die Tatsachen. Dem Filmemacher gelingt es beeindruckend, die bedrückende Atmosphäre jener Zeit spürbar werden zu lassen.

Der von der Münchener If...Productions produzierte Streifen wurde vor Ort im Landkreis Schwandorf, in München und in Regensburg gedreht.

"Wackersdorf" erhielt 2018 sehr gute Kritiken und kam als Programmkinotitel auf gute 135 000 Zuschauer. Bei den Deutschen Filmpreisen gewann die Band Hochzeitskappelle den Preis für ihre Musik.

Kritikerin Elke Eckert schrieb in der "taz": "Oliver Haffner konzentriert sich auf die Gewissensfrage: 'Was hast du denn von 3.000 Arbeitsplätzen, wenn es auf Kosten deiner Gesundheit geht?' Die großen Kämpfe, Menschenketten, prügelnde Polizisten zeigt der Regisseur nur in Rückblenden mit Originalfilmausschnitten. Sein Fokus ist der Alltag; es sind die Ortsgruppenversammlungen und Dorffeste, auf denen der Riss durch die Gesellschaft klar wird."

Arte zeigt "Wackersdorf" heute Abend als FreeTV-Premiere.



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