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Polizei greift ein - Jean Peters und Richard Widmark
Polizei greift ein - Jean Peters und Richard Widmark

TV-Tipp für Montag (21.9.): Richard Widmark macht lange Finger

Arte zeigt "Polizei greift ein"

"Polizei greift ein", Arte, 22:00 Uhr
Ein Taschendieb (Richard Widmark) stiehlt unwissentlich einen Mikrofilm und wird zum Zielobjekt eines kommunistischen Agentenrings.

Der Kalte Krieg tobte im Entstehungsjahr 1953 dieses US-Kriminalfilms, aber der geniale Schachzug von Regisseur und Drehbuchautor Samuel Fuller ("The Big Red One") war es, seine Geschichte gleichzeitig politisch aufzuladen und zu entpolitisieren. Anregung war für Fuller die zu dieser Zeit in den Medien präsente Geschichte des deutschen Atomspions Klaus Fuchs, der Mikrofilme mit Material über die amerikanische Atombombenforschung an die Sowjetunion geliefert hatte. Aber in "Pickup on South Street" - so der Originaltitel der 20th Century Fox-Produktion - stehen keine Agenten oder Regierungsmitarbeiter im Mittelpunkt, sondern der von Richard Widmark gemimte Kleinkriminelle, die von Jean Peters gespielte Prostituierte und die von Thelma Ritter dargestellte Stadtstreicherin - und alle haben kein großes Interesse am Ringen der Supermächte USA und Sowjetunion, machen sich wie der Taschendieb sogar über Patriotismus lustig.

Fuller filmte für 780 000 Dollar in Los Angeles, das für die Ostküstenmetropole einstand. Der Streifen geriet ihm hart, zynisch, recht brutal, aber vor allem sehr spannend.

"Pickup on South Street" lief mit einem Umsatz von 1,9 Millionen Dollar erfolgreich in den Vereinigten Staaten. Nebendarstellerin Thelma Ritter wurde für den Oscar nominiert, und auf den Internationalen Filmfestspielen von Venedig erhielt der Streifen den Bronzenen Löwen. 2018 nahm die Library of Congress den Film als "kulturell, historisch oder ästhetisch bedeutsames Werk" in das National Film Registry auf, um es der Nachwelt zu erhalten.

In Deutschland bekamen die Zuschauer den Film indes nur gekürzt und inhaltlich verfälscht zu sehen. Die politische Dimension wurde eliminiert, indem auf dem Mikrofilm nun eine Formel für synthetisches Rauschgift geschmuggelt wurde. Der Streifen lief hierzulande auch unter dem Titel "Lange Finger - harte Fäuste".

Ein Zuschauer meint: "Die Story entspringt einem Originaldrehbuch. Aber sie wirkt wie aus einem Groschenroman. Die Handlung ist unglaubwürdig. Die Romanze, wenn man es denn so nennen kann, ebenso. Aber das stört den absoluten Genuss dieses Films kein Stück. Ich bin erstaunt, dass die Szenen und Aufbauten in den Fox-Studios in Hollywood entstanden sind - sie wirken so authentisch, als wären sie vor Ort gedreht. Jean Peters' Darstellung is klasse, und für Richard Widmark gilt das noch mal doppelt. Alle Akteure sind superb. Die Geschichte wird schnell erzählt, und das Finale ist unglaublich aufregend."



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