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Blade Runner 2049 - Ryan Gosling und Harrison Ford
Blade Runner 2049 - Ryan Gosling und Harrison Ford
© Sony Pictures

TV-Tipp für Donnerstag (1.10.): Ryan Gosling spürt Harrison Ford auf

Vox zeigt "Blade Runner 2049"

"Blade Runner 2049", Vox, 20:15 Uhr
Ein junger Blade Runner (Ryan Gosling) deckt ein Geheimnis auf, das mit dem seit 30 Jahren untergetauchten Rick Deckard (Harrison Ford) zusammen hängt.

Es ist immer ein Risiko, eine Fortsetzung, eine Neuverfilmung oder einen Neustart zu einem Meisterwerk zu produzieren. Die Gefahr, dass man hinter dem Original zurück bleibt und den dann wenig schmeichelhaften Vergleichen ausgesetzt wird, ist naturgemäß groß.

Doch "Blade Runner 2049" war 2017 ein anderes Kaliber. Es waren nicht 30 Jahre wie im Film seit dem Fast-Ableben des Replikanten Rick Deckard und seiner Erkenntnis - zumindest im Director's Cut -, dass er kein Mensch war, vergangen, sondern sogar 35 Jahre. Die Fortsetzung würde hauptsächlich auf eingeschweißte Fans bauen müssen, denn die aktuelle Kinogängergeneration war mit dem Ridley Scott-Streifen, der 1982 böse gefloppt war, nicht unbedingt vertraut. Wer immer eine neue Geschichte erzählte, musste nicht auf den kleinsten gemeinsamen Nenner des Massengeschmacks gehen, sondern konnte bewusst Motive aus dem Original weiter spinnen. Was allerdings die Gefahr barg, auch keine Zuschauermassen zu erreichen, sondern eher den Konvertierten zu predigen.

Zunächst sah es so aus, als würde Originalregisseur Scott wieder inszenieren und Hauptdarsteller Harrison Ford nicht zurückkehren. Doch dann übergab der Engländer das Projekt in die Hände des kanadischen Regisseurs Denis Villeneuve, der mit dem Originaldrehbuchautor Hampton Fancher und Drehbuchautor Michael Green ("Call of the Wild") zusammen arbeitete.

Villeneuve gelang es, die Handlung des Originals und dessen visuelle Versatzstücke behutsam und folgerichtig zu erweitern, dabei um den Vorgänger zu kreisen, ohne redundant zu werden. Das visuell atemberaubende und erzählerisch befriedigende Sequel ist ein Werk aus eigenem Recht, das inhaltlich wie künstlerisch auf eigenen Beinen steht. Die Ausstattung, die Kameraführung und die Spezialeffekte erzeugen eine lebensunwerte Umgebung, die an das Original anknüpft und es weiterspinnt. Die im letzten viertel Jahrhundert erfolgte digitale Revolution unterstützte die vollkommene Illusion natürlich ebenfalls. Gedreht wurde in den Korda Studios und in den Origo Studios im ungarischen Budapest. Die Casino-Szenen entstanden im alten Budapester Börsengebäude.

"Blade Runner 2049" erhielt hervorragende Kritiken, wurde auch von den Zuschauern positiv beurteilt, aber es kamen einfach zu wenige von ihnen, um die mit 150 Millionen Dollar kostspieliege Columbia Pictures-Produktion profitabel zu machen. Weltweit setzte der US-Science Fiction-Film immerhin 259 Millionen Dollar um, dennoch wurde der Streifen als ein gefühlter Misserfolg aufgenommen. Der Personenkreis, der sich von einer "Blade Runner"-Fortsetzung elektrisieren ließ, war offenkundig zu begrenzt für ein Einspiel von 400 Millionen Dollar, das Columbia benötigt hätten, um nach den zusätzlichen Marketing- und Verleihkosten schwarze Zahlen zu schreiben. Oder vielleicht war das Werk wirklich "eine halbe Stunde zu lang", wie Ridley Scott grummelte...

Bei den Academy Awards wurde Kameramann Roger Deakins ausgezeichnet - in seinem 14. Anlauf! Ebenso gewannen die Visuellen Effekte. Nominiert waren Ausstattung, Tonschnitt und Tonmischung. Bei den Britischen Filmpreisen gewannen ebenfalls Kameramann Deakins und die Visuellen Effekte; nominiert waren Regisseur Denis Villeneuve, die Filmmusik von Benjamin Wallfisch und Hans Zimmer, Cutter Joe Walker, Ausstattung, Maske und Ton.

Kritikerin Marianna Neal schrieb in "Impression Blend": "Das Erstaunlichste an diesem Film ist, dass er es schafft, den Geist und den Stil des Originals einzufangen, zugleich aber komplett neu zu wirken."



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