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Bohemian Rhapsody - Rami Malek
Bohemian Rhapsody - Rami Malek
© 20th Century Fox

TV-Tipps für Sonntag (4.10.): Rami Malek rockt uns

Pro7 zeigt FreeTV-Premiere "Bohemian Rhapsody"

Am Sonntagabend wird es im Hauptprogramm hochkarätig musikalisch für Spielfilm-Fans: Pro7 zeigt als FreeTV-Premiere "Bohemian Rhapsody" über Queen und Freddy Mercury, während Arte "Die Legende vom Ozeanpianisten" erzählt.

"Bohemian Rhapsody", Pro7, 20:15 Uhr
Die Geschichte der britischen Rock-Band Queen und ihres charismatischen und innerlich zerrissenen Sängers Freddy Mercury (Rami Malek).

Wenn es noch eines Beleges bedurft hätte, dass Queen und insbesondere deren Sänger Freddy Mercury auch knapp 30 Jahre nach dessen Tod über eine ungeheure Popularität verfügen, dann lieferte sie dieses US-Drama im Jahr 2018. Mit weltweit 903 Millionen Dollar wurde die 55 Millionen Dollar teure 20th Century Fox-Produktion trotz nur gemischter Rezensionen und einigen Kontroversen ein Mega-Hit.

Keine Frage, dass das ganze Unterfangen mit der Qualität des Mercury-Darstellers stand oder fiel - und hier hatten die Produzenten und Regisseur Bryan Singer das Glück und goldene Näschen, mit Rami Malek eine Idealbesetzung gefunden zu haben - obwohl Malek nicht mal Engländer, sondern Amerikaner ist und laut eigenen Angaben zum Zeitpunkt der Anfrage nicht viel Ahnung von Queen und Freddy Mercury besaß. Den Produzenten war er durch seine Rolle in der NBC-Fernsehserie "Mr. Robot" aufgefallen.

Doch Malek, der wie Mercury einen anderen ethnischen Hintergrund als seine Staatsbürgerschaft besitzt - seine Eltern sind Einwanderer aus Ägypten - arbeitete sich an seine Figur heran und verschmolz mit ihr zu einer erstaunlich authentischen Darstellung, die nicht nur Lob von den Queen-Mitgliedern Brian May und Roger Taylor, die als Berater der Produktion fungierten, erhielt, sondern auch einhellig von Presse und Filmindustrie gefeiert wurde. Mit dem "Grand Slam" der Darstellerpreise - Academy Award, Golden Globe, Britischer Filmpreis und Screen Actors Guild Award - erklomm der damals 37-Jährige bereits den beruflichen Olymp.

Nicht mehr über den phänomenalen Erfolg seines Werks freuen konnte und durfte sich Regisseur Singer. Der Filmemacher war während der Dreharbeiten von Fox gefeuert worden, und in der Presse lieferten sich beide Parteien eine Duell über die Deutungshoheit. Während Singer verlauten ließ, dass seine unabgesprochene Abwesenheit von den Dreharbeiten in London während einer US-Reise einer familiären Notlage mit der Erkrankung seiner Mutter geschuldet gewesen sei, verbreitete das Filmstudio, dass dies nur der letzte Tropfen gewesen sei, der das Fass zum Überlaufen gebracht hatte. Bryan habe schon zuvor unzuverlässig gearbeitet und sei vor allem mit Malek und Nebendarsteller Tom Hollander, der sogar mit einem Verlassen der Produktion gedroht habe, aneinander geraten.

Um das letzte Drittel von "Bohemian Rhapsody" zu stemmen, engagierten 20th Century Fox mit Dexter Fletcher ("Rocketman") den englischen Regisseur, der vor Singer eigentlich bereits für diesen Posten vorgesehen gewesen war, die Produktion aber wegen künstlerischer Meinungsverschiedenheiten verlassen hatte - wie zuvor schon der für den Freddy Mercury-Part engagierte Sacha Baron Cohen. Fletcher brachte die Produktion geräuschlos zu Ende, durfte wegen der Richtlinien der US Regisseursgewerkschaft Directors Guild of America aber nicht im Abspann genannt werden. Hier blieb der Name Bryan Singer stehen, der aber nach Bekanntwerden von Vorwürfen sexuellen Missbrauchs insgesamt zur persona non grata ernannt wurde und den nicht mal mehr sein langjähriger Mitarbeiter, der Komponist und Cutter John Ottman, auf der Oscar-Verleihung erwähnte.

Der unterhaltsame und mitreißende "Bohemian Rhapsody" deckt einen Zeitraum von 15 Jahren ab, von der Gründung der Band 1970 bis zum Live Aid-Konzert 1985. Drehbuchautor Anthony McCarten ("The Two Popes") komprimierte viele Ereignisse und Personen, veränderte zeitliche Reihenfolgen und dramatisierte durch Erfindungen - so fiel die Band wegen Mercury's Solo-Alben nicht auseinander und somit war Live Aid auch kein Queen-Comeback, noch erfuhr Freddy vor diesem Konzert von seiner AIDS-Erkrankung. McCarten meinte zu Vorwürfen, er verfälsche die Historie: "Wir drehen hier einen Spielfilm, keinen Dokumentarfilm."

Schärfer wurde indes kritisiert, dass die Filmemacher das komplexe, definitiv nicht jugendfreie Leben Mercurys zu einer "PG-13"-Produktion weichgespült hätten. Der milderen Altersfreigabe wegen verschweige der Streifen die Exzesse, und begrenze die Darstellung der Homosexualität und des Drogenkonsums auf das Notwendigste. Der englische Kritiker Olly Richards umschrieb es so: "Ein zahmes, kompetentes, entschieden unskandalöses Biopic. Es behandelt das Leben von Freddy Mercury mit vorsichtiger Gewogenheit und ist bedacht, innerhalb der Regeln zu spielen, während es einen Mann zeigt, der alles andere als das tat."

Bei den Academy Awards ging der Oscar neben Rami Malek an Cutter John Ottman, die Tonmischer und die Ton-Cutter; der Film selbst war nominiert, unterlag aber "Green Book". Golden Globes gingen an Malek und den Film. Über Britische Filmpreise freuten sich Malek und die Tontechniker; nominiert waren der Film, Kameramann Newton Thomas Sigel, Cutter Ottman, Kostümbildner Julian Day und die Maskenbildner.

Kritiker Matthew St. Clair schrieb in "Cinema Sentries": "Dank seiner ästhetisch gefälligen Musikeinlagen und Rami Malek's eindrucksvollen Darstellung, dient der Film als eine angemessene Erinnerung an sowohl das musikalische Genius der Band als auch an Freddy Mercury's einmalige Bühnenpräsenz."



"Die Legende vom Ozeanpianisten", Arte, 20:15 Uhr
Ein Säugling, der im Jahr 1900 auf einem Ozeandampfer entdeckt wird, entwickelt sich zu einem erstklassigen Pianisten (Tim Roth), der nie das Schiff verlässt.

Die Vorlage dieses italienischen, aber auf Englisch gedrehten Dramas ist der Schauspieler-Monolog "Novecento", den Alessandro Baricco 1994 geschrieben hatte. Regisseur und Drehbuchautor Guiseppe Tornatore ("The Best Offer") machte daraus einen poetischen Streifen, der sich wunderbar mit der großartigen Musik von Ennio Morricone verbindet.

Die für umgerechnet 9 Millionen Dollar in den Cinecittà-Studios in Rom entstandene Medusa-Produktion erhielt 1998 nur gemischte Kritiken, wurde aber ein Erfolg beim Publikum - weltweit flossen für "La leggenda del pianista sull'oceano" - so der Originaltitel - 21 Millionen Dollar in die Kassen.

Zudem gab es Preise und Auszeichnungen: Komponist Ennio Morricone gewann den Golden Globe, und Kameramann Lajos Koltai erhielt den Europäischen Filmpreis. Bei den Italienischen Filmpreisen gab es David de Donatello-Trophäen für Regisseur Guiseppe Tornatore, Kameramann Koltai, Komponist Morricone, Bühnenbildner Francesco Frigeri und Kostümbildner Maurizio Millenotti.

Kritiker Michael Dequina schrieb in "The Movie Report": "Ein in jeglicher Hinsicht wunderschöner Film - wunderbar anzuschauen und vielleicht sogar noch schöner anzuhören, und die Schauspieler sind vorzüglich."



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