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Mörder ahoi! - Margaret Rutherford, Joan Benham und...ffries
Mörder ahoi! - Margaret Rutherford, Joan Benham und Lionel Jeffries

TV-Tipps für Neujahr: Margaret Rutherford geht an Bord

Kabel1 zeigt "Mörder ahoi!"

2021 beginnt spannend für Spielfilm-Fans auf den Privaten. Im Hauptprogramm des Neujahrsabends kann man sich dabei zwischen altmodischer Spannung à la Miss Marple in "Mörder ahoi!" auf Kabel1 oder neu aufgebretzelter Action à la Bourne sans Jason in "Das Bourne Vermächtnis" im Spätprogramm auf Vox entscheiden.

"Mörder ahoi!", Kabel1, 20:15 Uhr
Als der Treuhänder eines Ausbildungsschiffs der Handelsmarine ermordet worden ist, begibt sich Miss Marple (Margaret Rutherford) an Bord, um Ermittlungen anzustellen.

Nachdem die drei vorangegangenen britischen Kriminalfilme mit Margaret Rutherford als Amateurdetektivin Miss Jane Marple wenig bis nichts mehr mit den Romanvorlagen von Agatha Christie zu tun hatten, war es vielleicht nur konsequent, dass für den vierten und letzten Streifen dieser Reihe ein Originaldrehbuch verfasst wurde, das auf keinem Roman mehr zu fußen vorgab. Das Autorenduo David Pursall und Jack Seddon, das bereits für "Murder She Said" ("16 Uhr 50 ab Paddington") und "Murder Most Foul" ("Vier Frauen und ein Mord") geschrieben hatte, arbeitete zwar ein Handlungsmotiv aus dem Christie-Krimi "They Do It with Mirrors" ("Fata Morgana") aus dem Jahr 1952 ein, strickte die Handlung aber hauptsächlich kompatibel zu den Vorgängerfilmen.

Auch ansonsten blieb es bei dieser MGM-Produktion, die in deren Studios in Borehamwood in der Grafschaft Hertfortshire, an verschiedenen Orten in der Grafschaft Buckinghamshire und an der Küste in St. Mawes in der Grafschaft Cornwall gedreht wurde, alles bei den Alten: Regie führte wie bei den ersten drei Teilen George Pollock, und in den Rolle von Miss Marple's Freund Mr. Stringer agiert wieder Rutherford's Ehemann Stringer Davis und als Chief Inspector Craddock erneut Charles Tingwell.

Die Szenen auf dem Deck der fiktiven HMS Battledore entstanden auf der Viermastbark Arethusa, die tatsächlich ebenfalls als Schulschiff diente und in der Grafschaft Kent vor Anker lag. Seit September liegt sie nach einer aufwendigen Restaurierung wieder unter dem Originalnamen Peking in ihrem Heimathafen Hamburg und soll im kommenden Jahr als Museumsschiff eröffnet werden.

"Murder Ahoy" ist ein unterhaltsamer Streifen, der allerdings mehr in Sachen Humor als in der Abteilung Spannung überzeugt. Aus dem guten Ensemble ragt Lionel Jeffries als Captain Rhumstone und Widerpart von Miss Marple heraus.

Während die ersten beiden Marples "Murder She Said" 1961 und "Murder at the Gallop" ("Der Wachsblumenstrauß") 1963 gut in Großbritannien gelaufen waren, war "Murder Most Foul" im Folgejahr gefloppt, und MGM ließen daraufhin "Murder Ahoy", der im Ausland bereits teilweise schon 1964 anlief, ein Jahr in den Regalen liegen, um ihn dann 1965 nur als Begleitfilm des Elizabeth Taylor-Dramas "The Sandpiper" ("Die alles begehren") zu veröffentlichen. Ein fünftes Rutherford-Marple-Werk, das diskutiert worden war und auf dem Christie-Roman "The Body in the Library" ("Die Tote in der Bibliothek") von 1942 basieren sollte, kam nicht mehr zustande.

Eine Zuschauerin lobt: "Nicht der beste der Rutherfordschen Marples, aber immer noch ein Juwel. Diese Filme sind das Äquivalent zu einer Tasse heißer Schokolade oder dem Hereinsinken in ein Kuschelkissen - warm und wundervoll."



"Das Bourne Vermächtnis", Vox, 22:40 Uhr
Mit Aaron Cross (Jeremy Renner) hat das US-Militär wie bei Jason Bourne mit Drogen zur Steigerung seiner Kampfleistung experimentiert. Als die CIA alle Spuren dieses illegalen Programms verwischen und die Probanden töten will, muss Cross um sein Leben kämpfen.

Eigentlich hatten Universal Pictures und alle Beteiligten erklärt, mit dem dritten Teil "The Bourne Ultimatum" rund um die von Robert Ludlum erdachte Figur Jason Bourne sei die Reihe beendet. Doch dann klingelten 2007 die Kassen so laut, wurde "The Bourne Ultimatum" mit weltweit 443 Millionen Dollar der erfolgreichste Part und auch von den Kritikern gefeiert, dass es sich das Filmstudio anders überlegte: 2008 kündigte man an, dass es mit "The Bourne Legacy" einen vierten Teil geben werde, der auf dem vierten, gleichnamigen Jason Bourne-Roman von Eric van Lustbader aus dem Jahr 2004 basieren würde.

Doch allen Beteiligten war klar, dass es keinen "Jason Bourne" ohne Matt Damon geben würde, der die Figur in der Trilogie sein Eigen gemacht hatte. Und als der Akteur erklärte, nicht wieder vor die Kamera zu treten, nachdem der englische Regisseur Paul Greengrass, der den zweiten und dritten Part in Szene gesetzt hatte, Ende 2009 bekannt gab, nicht zur Verfügung zu stehen, hatten Universal Pictures ein Problem.

Sie lösten es durch die Beförderung von "Bourne"-Drehbuchautor Tony Gilroy zum Regisseur. Gilroy schrieb zusammen mit seinem Bruder Dan ("Kong: Skull Island") auch das vierte Drehbuch, behielt aber vom Roman nicht viel mehr als den Titel, denn ohne Damon gab es keinen Bourne. Im Film tauchen nur Photos von Jason Bourne auf und er wird häufiger erwähnt, aber grundsätzlich entschieden sich die Drehbuchautoren, den Fokus auf einen anderen Agenten zu legen, dessen Abenteuer sich quasi parallel zu denjenigen von Bourne in "The Bourne Ultimatum" abspielen. Für die Hauptrolle wurde Jeremy Renner ausgewählt, der mit seiner unwiderstehlichen Darstellung zum Gelingen dieses US-Thrillers erheblich beitragen sollte.

Für 125 Millionen Dollar - 15 Millionen Dollar mehr als bei "The Bourne Ultimatum" - drehte Gilroy die in Washington D.C. spielende Geschichte in New York City und einige Szenen auf den Philippinen, in Südkorea, in Pakistan und in Kanada, das für Alaska einstand.

"The Bourne Legacy" ist nicht so packend wie die vorangegangene Trilogie, was sich 2012 auch in den nur gemischten Kritiken niederschlug, aber immer noch rasant und interessant genug - und in seiner Beschreibung einer dank technischer Möglichkeiten, ökonomischer Interessen und moralischer Skrupellosigkeit aus den Rudern laufenden Regierung auf der Höhe der Zeit, ein Jahr vor den US-Geheimdienst-Enthüllungen durch Edward Snowden. Mit weltweit 276 Millionen Dollar Umsatz wurde das Werk ein Erfolg, verzeichnete aber von allen vier "Bourne"-Teilen die wenigsten Besucher. Somit blieb es Renner's einziger Auftritt als Aaron Cross.

Kritiker Jules Brenner schrieb in "Cinema Signals": "Der Film ist eine einzige Verfolgungsjagd und verdient Applaus für das erstklassige Inszenieren einiger Action-Sequenzen sowie gute Noten für das Konzept und das Drehbuch. Aber etwas fehlt. Könnte es Jason Bourne sein?"



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