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Dämonen und Wunder - Dheepan - Dheepan (Jesuthasan...ehren
Dämonen und Wunder - Dheepan - Dheepan (Jesuthasan Antonythasan) muss sich wehren
© Weltkino Filmverleih / 2015 Why Not Productions Page 114 France 2 Cinéma

TV-Tipps für Samstag (13.3.): Antonythasan Jesuthasan versucht sich zu assimilieren

3sat zeigt "Dämonen und Wunder"

Am Samstagabend treten zwei höchst unterschiedliche Dramen parallel im Spätprogramm gegeneinander um die Gunst der Spielfilm-Fans an. Auf Pro7 läuft der amerikanische "Spiel auf Bewährung" mit Dwayne Johnson, während 3sat den französischen Goldene Palme-Gewinner "Dämonen und Wunder" zeigt.

"Spiel auf Bewährung", Pro7, 23:00 Uhr
Jugendliche Strafgefangene erlangen unter der Anleitung ihres Bewährungshelfers (Dwayne Johnson) ihr Selbstwertgefühl zurück, indem sie zusammen Football spielen.

1993 erschien der TV-Dokumentarfilm "Gridiron Gang", der von der Football-Mannschaft Kilpatrick Mustangs in deren erster Saison 1990 erzählte. Das Besondere an diesem Team: Es bestand aus jugendlichen Strafgefangenen des Camp Kilpatrick nahe dem kalifornischen Los Angeles.

Über ein Jahrzehnt später hielten Columbia Pictures die Zeit gekommen, um diese Geschichte zu dramatisieren, hauptsächlich wohl deshalb, weil ein Hauptdarsteller zur Verfügung stand, dem dier Part des Bewährungshelfers wie angegossen passte: Dwayne Johnson. Der Wrestler befand sich Mitte der Nuller in seinem Übergang von The Rock über Dwayne "The Rock" Johnson zu Dwayne Johnson und verstand die Chance einer Rolle in einem ernsthaften US-Drama, dessen liberaler Geist seinen privaten Ansichten entsprach, zu ergreifen. Seine Darstellung in dem von Phil Joanou solide inszenierten Streifen ist der große Aktivposten inmitten vieler Sportfilm-Klischees.

Joanou drehte für 30 Millionen Dollar vor Ort an den Originalschauplätzen im US-Bundesstaat California, also auch im Jugendstrafgefängnis Camp Kilpatrick selbst.

"Gridiron Gang" - so auch der Originaltitel der Spielfilmversion - erhielt 2006 gemischte Kritiken und erlitt das Schicksal so vieler amerikanischer Football-Filme: Während er auf dem Heimatmarkt mit 38 Millionen Dollar noch solide lief, floppte er im Ausland mit nur 3 Millionen Dollar.

Kritiker Nick Rogers schrieb in "State Journal Register": "Der Film droht ständig, die Filmversion eines Motivationssprüche-Kalenders zu werden. Aber die charismatische Darstellung von The Rock und die unbeirrte Regie von Phil Joanou reißen den Film gegen die auf die Tränendrüsen drückenden Dialoge immer wieder mit Ernst und Realismus heraus."



"Dämonen und Wunder", 3sat, 23:00 Uhr
Ein tamilischer Widerstandkämpfer (Antonythasan Jesuthasan) schließt sich mit einer Frau (Kalieaswari Srinivasan) und einem Waisenmädchen (Claudine Vinasithamby) zusammen, um dem Bürgerkrieg in Sri Lanka nach Frankreich zu entkommen und sich dort als "Familie" zu assimilieren.

Regisseur und Drehbuchautor Jacques Audiard ("The Sisters Brothers") schwebte bei diesem französischen Drama eine Art "Straw Dogs" mit Immigranten vor. Der tamilische Widerstandskämpfer muss feststellen, dass er fern der Heimat in eine andere Art von (Banden)Krieg verwickelt wird und am Schluss von "Dheepan" - so der Originaltitel - seine kämpferischen Fähigkeiten wieder zum Leben erwecken, um eigenhändig mit einer Bande im Pariser Bandelieu aufzuräumen.

Die in Sri Lanka spielenden Szenen drehte Audiard im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu und vor Ort in Paris. Sein Werk hätte im Jahr 2015 nicht zeigemäßer sein können: Parallel zu den in der Realität Europa erschütternden Flüchtlingsströmen nimmt der kraftvoll erzählte Streifen sowohl die Erfahrungen heutiger Einwanderer als auch die von an der Rand gedrängten Gesellschaftsschichten und deren sich in Gewalt und Kriminalität niederschlagenden Frustrationen poetisch und hart zugleich in den Blick.

"Dheepan" erhielt sehr gute Kritiken und zur Premiere gleich die Goldene Palme bei den Filmfestspielen von Cannes. Er wurde zudem für den Britischen Filmpreis als "Bester fremdsprachiger Film" nominiert, dazu kamen neun Nominierungen für den Französischen Filmpreis als "Bester Film", für Regisseur Jacques Audiard, sein Drehbuch, Hauptdarsteller Jesuthasan Antonythasan, Nebendarsteller Vincent Rottiers, Kamerafrau Eponine Momenceau, Cutterin Juliette Welfling, Bühnenbildner Michel Barthélémy und die Tontechniker.

Beim Publikum floppte das Werk indes: In Frankreich lösten nur 634 000 Zuschauer eine Karte; die umgerechnet 8 Millionen Dollar teure Produktion spielte weltweit lediglich 5 Millionen Dollar ein.

Kritiker Patrick Nabarro schrieb: "Der Balanceakt zwischen Sozialkommentar und Genre-Konventionen mit einigen unfassbar packenden und spannenden Szenen wird von Jacques Audiard gut bewältigt."



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