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Systemsprenger - Helena Zengel als Benni
Systemsprenger - Helena Zengel als Benni
© Port au Prince Pictures GmbH / Yunus Roy Imer

TV-Tipp für Montag (17.5.): Helena Zengel fällt auf die Nerven

ZDF zeigt FreeTV-Premiere "Systemsprenger"

"Systemsprenger", ZDF, 20:15 Uhr
Eine Neunjährige (Helena Zengel), die schon mehrere psychiatrische Aufenthalte hinter sich hat, verweigert sich so radikal allen Verhaltensnormen, dass es für ihre Betreuer schwer wird, überhaupt noch Einrichtungen oder Pflegeeltern zu finden.

Was für Jugendamtsmitarbeiter und Sozialarbeiter Arbeitsalltag ist - und laut Regiedebutantin und Drehbuchautorin Nora Fingscheidt "noch viel schlimmer als im Film dargestellt" -, dürfte für viele Zuschauer zur Nervenprobe werden. Das ist aber auch Ausweis der exzellenten Arbeit der aus Niedersachsen stammenden und an der Filmakademie Baden-Württemberg ausgebildeten Filmemacherin und vor allem ihrer außerordentlichen Titeldarstellerin, der damals zehnjährigen Berlinerin Helena Zengel, die schon mit fünf Jahren erstmals vor einer Kamera gestanden hatte.

Fingscheidt recherchierte fünf Jahre über das Thema der "Systemsprenger", also Kindern und Jugendlichen, die durch ihre asozialen und gewalttätigen Verhaltensweisen durch das gesamte Raster der Kinder- und Jugendhilfe zu fallen drohen. Das deutsche Drama will dabei nicht den deutschen Sozialstaat, seine Einrichtungen und Mechanismen anklagen oder beurteilen, sondern den Betrachter brachial in die chaotische Gefühlswelt der Protagonistin stürzen. Nora realisiert dieses Portrait eines kindlichen Traumas und dessen Zorns mit Bedacht und Leidenschaft zugleich.

Die Kineo-Produktion entstand in Berlin, Hamburg und in der Lüneburger Heide.

Schon die Premiere im Wettbewerb der Filmfestspiele von Berlin mit dem Gewinn des Silbernen Bären für Regisseurin Nora Fingscheidt bezeugte 2019 die Qualität von "Systemsprenger", die sich in der Folge in weltweiter Aufmerksamkeit, durchweg positiver Aufnahme bei Kritik und Publikum, Preisen und Nominierungen niederschlug. Mit 647 000 verkauften Karten lief das Werk in Deutschland erfolgreich.

Komponist John Gürtler gewann den Europäischen Filmpreis, für den der Film und Hauptdarstellerin Helena Zengel nominiert waren. Der Deutsche Filmpreis ging an den Film, an Regisseurin Fingscheidt, ihr Drehbuch, Hauptdarstellerin Zengel, Hauptdarsteller Albrecht Schuch, Nebendarstellerin Gabriela Maria Schmeide, die Cutter und die Tontechniker; nominiert waren Nebendarstellerin Lisa Hagmeister und Komponist Gürtler.

Für Nora und Helena war dieser Triumph die Eintrittskarte für den internationalen Markt: Die Darstellerin drehte an der Seite von Tom Hanks den Abenteuerfilm "News of the World", für den sie für den Golden Globe und den Screen Actors Guild Award nominiert worden ist, während die Regisseurin mit Sandra Bullock ein noch titelloses Drama gefilmt hat.

Kritiker Joseph Walsh schrieb in "The Arts Desk": "Nora Fingscheidt vermeidet die typischen 'Rebellisches Kind'-Klischees und schenkt uns statt dessen einen Film über ein Kind, das nach Liebe und Sicherheit hungert, geschildert mit Angst und Ehrlichkeit."



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