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Drei Gesichter
Drei Gesichter
© Weltkino Filmverleih / Jafar Panahi Film Production

TV-Tipps für Sonntag (16.5.): Jafar Panahi fährt in die Provinz

Arte zeigt FreeTV-Premiere "Drei Gesichter"

Am Sonntagabend können Spielfilm-Fans in Ruhe den TATORT schauen, denn die besten Filme kommen erst im Anschluss: Arte zeigt als FreeTV-Premiere das in Cannes prämierte iranische Drama "Drei Gesichter" von und mit Jafar Panahi im Spätprogramm. 3sat lässt die Woche im Nachtprogramm mit dem französischen Krimi "Der Unbestechliche - Mörderisches Marseille" mit Jean Dujardin ausklingen.

"Drei Gesichter", Arte, 22:10 Uhr
Ein junges Mädchen (Marziyeh Rezaei), das gegen den Willen seiner Familie die Schauspielschule besuchen möchte, wendet sich mit einem verstörenden Handy-Video an eine Schauspielerin (Behnaz Jafari). Die reist daraufhin gemeinsam mit einem Regisseur (Jafar Panahi) in die Heimat des Mädchens, um Klarheit über das mysteriöse Video zu erlangen.

Seit 2010 hat Regisseur, Drehbuchautor und Darsteller Jafar Panahi Berufsverbot im Iran. Dass er überhaupt Filme drehen kann - die in seiner Heimat natürlich verboten sind - und dann noch in solcher Qualität, grenzt an ein Wunder. Es elektrisiert natürlich die cineastische Welt immer wieder, wenn der Künstler ein unter Guerilla-Bedingungen entstandenes weiteres Werk veröffentlicht, dokumentiert es doch die Kraft des Kinos und den Behauptungswillen eines Filmemachers.

Für dieses iranische Drama, seine vierte Produktion unter dem Staatsbann, hatte sich Jafar von seiner Tochter aus Frankreich eine Kamera schicken lassen, nutzte aber auch ein Smartphone für die Aufnahmen. Er und die im Iran bekannte Darstellerin Behnaz Jafari spielten sich selbst und reisten in den Nordwesten des Landes, woher Panahi's Familie stammt. Jafar zeigt ländliche Traditionen, religiöse Überzeugungen und soziale Realitäten des heutigen Iran. Vor allem aber vermittelt der zum Nachdenken anregende "Se rokh" - so der Originaltitel - beobachtend, aufschlussreich und vor allem eindringlich die Potentiale des Widerstands durch Frauen in dem Gottesstaat.

Der von der Kritik durchweg gelobte Film feierte 2018 seine Premiere auf den Filmfestspielen von Cannes und erhielt einen Preis für sein Drehbuch.

Kritiker Steven Sheehan schrieb in "The Digital Fix": "Jafar Panahi's üblicher Witz und seine Intelligenz sind vorhanden, der Fokus liegt auf überholten männlichen Einstellungen und den Beschränkungen, denen sie Frauen im Iran unterwerfen, wobei er sich als scharfsinnig wie eh erweist."



"Der Unbestechliche - Mörderisches Marseille", 3sat, 00:00 Uhr
Ein Polizeirichter (Jean Dujardin) versucht über Jahre, in Marseille einen der mächtigsten Drogenringe Frankreichs auszuheben.

1971 erschien in den USA der Kriminalfilm "The French Connection", in dem Gene Hackman in New York City Drogenschmugglern auf der Spur ist, deren Heroin aus Frankreich kommt. Dieser französische Kriminalfilm aus dem Jahr 2014 schildert nun sozusagen die Vorgänge auf der anderen Seite, am Umschlagplatz Marseille, wo das aus der Türkei kommende Heroin weiter in die USA geschmuggelt wird.

"La France" - so der Originaltitel - basiert wie damals "The French Connection" auf wahren Begebenheiten, die von dem in Marseille aufgewachsenen Regisseur und Drehbuchautor Cédric Jimenez ("Die Macht des Bösen") vor Ort für 26 Millionen Euro in der Hafenstadt gedreht wurden, in der weiterhin Bandenkriege tobten. Noch 2013 wurde dort der Gangsterboss Farid Berrhama - Spitzname "Der Röster" - erschossen.

Der unterhaltsame französische Kriminalfilm kam bei den Kritikern gut an, noch besser beim Publikum und wurde mit 1,4 Millionen Zuschauern in Frankreich ein Erfolg. Bei den Französischen Filmpreisen war er für die Ausstattung und die Kostüme nominiert. Dennoch fand sich kein deutscher Kinoverleiher, so dass "La France" seine Premiere hier zu Lande nur auf Disc feierte.

Kritiker Nathan Bartlebaugh schrieb in "Film Stage": "Der Film glänzt darin, mit bekannten Genre-Konventionen und Krimistandards zu spielen, um weltumspannende Ereignisse auf ein strategisches Katz und Maus-Spiel einzudampfen."



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