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Margin Call - Junganalyst Peter Sullivan (Zachary Quinto)
Margin Call - Junganalyst Peter Sullivan (Zachary Quinto)
© Koch Media

TV-Tipps für Sonntag (27.6.): Zachary Quinto rechnet nach

ARD zeigt "Der große Crash - Margin Call"

Am Sonntagabend können Nicht-Fußball-Fans im Hauptprogramm auf Pro7 ausweichen, um dort mit "Star Trek Beyond" das dritte und mutmaßlich letzte Abenteuer der Reboot-Crew unter Captain Chris Pine anzuschauen. Die Woche klingt dann mit "Der große Crash" und Zachary Quinto im ARD-Nachtprogramm aus.

"Star Trek Beyond", Pro7, 20:15 Uhr
Die USS Enterprise wird in eine unbekannte Galaxie gelockt, wo sie es mit einem rücksichtslosen neuen Feind zu tun bekommt.

Wenn Gene Roddenberry, dem Erfinder der TV-Serie "Star Trek" ("Raumschiff Enterprise") gesagt worden wäre, dass zum 50. Jubiläum 2016 der 13. Kinofilm erscheinen würde, er hätte es wahrscheinlich nicht geglaubt. Nach dem recht sang- und klanglosen Einstellen wegen schwacher Zuschauerzahlen nach drei Staffeln hätte wohl niemand in der Unterhaltungsindustrie es für möglich gehalten, dass Captain Kirk, Spock & Co. eine solche Langlebigkeit an den Tag legen würden.

Dass die Enterprise im 21. Jahrhundert noch erfolgreich flog, war hauptsächlich J.J. Abrams zu verdanken, der als Produzent und Regisseur "Star Trek" 2009 erfolgreich wieder belebt und mit "Star Trek Into Darkness" 2013 ebenso erfolgreich weiter geführt hatte. Paramount Pictures hatten dementsprechend Interesse an einem dritten Part, für den sie ein Budget in Höhe von satten 185 Millionen Dollar auf den Tisch legten.

Doch Abrams stand zwar weiter als Produzent, aber nicht mehr Regisseur zur Verfügung, da er zur "Star Wars"-Konkurrenz mit deren Reboot "The Force Awakens" gewechselt war. Als Nachfolger setzte sich Justin Lin, der vier der "Fast and Furious"-Streifen inszeniert hatte und aktuell mit seinem fünften auf den Leinwänden ist, auf das Regiestühlchen, während Doug Jung und Nebendarsteller und "Star Trek"-Fan Simon Pegg das Drehbuch schrieben.

Gefilmt wurde im kanadischen Vancouver sowie im südkoreanischen Seoul und in Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Nicht mehr dabei sein konnte Spock-Darsteller Leonard Nimoy, der während der Vorproduktion Anfang 2015 gestorben war und dem die Produktion im Abspann ebenso gewidmet ist wie Chekov-Mime Anton Yelchin, der rund einen Monat vor der Premiere verstarb.

Die hohe Qualität der beiden Vorgänger kann auch dieser US-Science Fiction-Film halten, der beides schafft: Den Geist der Fernsehserie zu bewahren und gleichzeitig epische Blockbuster-Action zu offerieren. Die Kritiken für "Star Trek Beyond" fielen dementsprechend gut aus, und es gab auch Oscar-Weihen mit der Nominierung für die Maskenbildner.

Finanziell rechnete sich das Werk mit einem weltweiten Einspiel von 343 Millionen Dollar ebenfalls, wenn auch die Zahlen der beiden Vorgänger, gerade in den USA, nicht mehr erreicht wurden. Paramount wollten daher für den angedachten vierten Teil weniger Geld zur Verfügung stellen, was dazu führte, dass Kirk-Akteur Chris Pine, der mit seiner Honorarkürzung nicht einverstanden war, sich von dem Projekt zurück zog. Das Filmstudio verkündete daraufhin, dass es - zumindest absehbar - keinen weiteren "Star Trek" geben werde.

Kritiker Colby Bryant schrieb: "Ich gebe dem Film das höchste Lob, das ich vergeben kann: Er fühlte sich an wie eine längere Episode der TV-Serie, die ich noch nie gesehen hatte."



"Der große Crash - Margin Call", ARD, 00:45 Uhr
24 Stunden im Leben von Investment-Bankern kurz vor dem Platzen der Immobilienblase und der folgenden Finanzkrise.

"Margin Call", so der Originaltitel, ist ein Terminus aus der Finanzwelt: Wenn ein Broker einen Margin Call ausruft, dann fordert er auf, weiteres Kapital als Sicherheitsleistung nachzuschießen, weil sich bei einem kreditfinanzierten Handel der Kurs derart negativ entwickelt hat, dass die bisherige Sicherheitsleistung nicht mehr ausreicht. Mit anderen Worten: Der Arsch geht auf Grundeis.

Und nicht viel anders stellt sich das Geschehen in diesem US-Drama aus dem Jahr 2010 dar, das mit der Ausgangslage operiert: Wie sah es eigentlich in einer dieser Investment-Firmen an der Wall Street aus, als sie sich 2007 bewusst wurden, dass das Spiel mit wertlosen Immobilienkrediten kurz vor dem Aus stand? Und damit auch ihr eigenes Haus. Drehbuchautor und Regisseur J.C. Chandor ("Triple Frontier") lieferte mit seinem Regiedebüt hier also so etwas wie den "Film zur Krise", und es gelingt ihm vorzüglich, ein eigentlich sperriges Thema mit viel finanzspezifischen Geblubber zu einem fesselnden und zum Nachdenken anregenden Streifen zu machen.

Intelligent, wie ein Räderwerk ineinander greifend und von einem phantastischen Ensemble rund um Zachary Quinto, der auch mitproduzierte, Paul Bettany und Kevin Spacey getragen, schafft es "Margin Call", in einem Raum sitzende, redende Menschen spannend wirken zu lassen. Dabei vermittelt der Film durch seine "Echtzeit"-Struktur der Erzählung eine Unmittelbarkeit, die den Druck, unter dem alle handelnden Personen stehen, glaubwürdig transportiert. Zur Authentizität trägt sicherlich auch bei, dass die Filmemacher direkt vor Ort im 42. Stock eines Hochhauses in New York City drehen konnten, der gerade von einer Finanzfirma geräumt worden war.

Die Kritiker waren begeistert, und Drehbuchautor J.C. Chandor wurde für einen Academy Award nominiert, allerdings kam die Independent-Produktion in nur wenige Kinos und spielte weltweit lediglich 19 Millionen Dollar ein. Dank des geringen Budgets von lediglich knapp 4 Millionen Dollar schrieb sie keine roten Zahlen. Auf jeden Fall hat sie noch mehr Zuschauer verdient - und sei es heute Nacht vor dem Fernseher.

Kritiker Will Leitch schrieb in "Deadspin": "Der Film bekommt die kleinen Details gut hin - die Art, wie jeder nur noch eine schlechte Woche davon entfernt ist, seine Miete nicht mehr zahlen zu können, die Art, wie man eine Unterhaltung mit seiner Kollegin führen kann und niemand auch nur einen Gedanken an die zwischen ihnen stehende Putzfrau verschwendet."



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