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Fast & Furious 9
Fast & Furious 9
© Universal Pictures International

Deutsche Filmstarts: "F9"-Diesel in den Tank der Kinos

Daniel Brühl wohnt "Nebenan"

Nach zwei Aufholwochen auf der Überholspur geht es mit "F9" zwar temporeich in den deutschen Lichtspielhäusern weiter, aber die Zahl der Premieren ist wieder überschaubarer geworden. Neben zwei US-Fortsetzungen gehen zwei Semi-Programmkinotitel an den Start: Das leise US-Drama "Minari", das aussichtsreich im Oscar-Rennen lag und einen Goldjungen für Nebendarstellerin Yuh-Jung Joun verbuchen konnte, und "Nebenan", das Regiedebut von Daniel Brühl - mit einem Drehbuch von Daniel Kehlmann. Was lohnt den Kinobesuch? Und wann lässt man die Geldbörse besser stecken?

"Fast & Furious 9"
Thriller
USA
143 Minuten
FSK 12

Unsere Empfehlung: Ihr könnt, müsst aber nicht!

Dom (Vin Diesel) und seine Autofamilie werden von einem neuen Feind aus dem Gleichgewicht gebracht: Rivalin Cipher (Charlize Theron) verbündet sich für ihre Rachepläne mit Dom's jüngeren Bruder (John Cena).

20 Jahre nach dem ersten "Fast & Furious" läuft und läuft und läuft die Erfolgsreihe um Action und Autos ungebrochen, hat bereits weltweit wieder über eine halbe Milliarde Dollar eingespielt - was bei Kosten von satten 225 Millionen Dollar auch dringend nötig ist. Viele der "F&F"-Stars sind bei diesem US-Thriller wieder am Start, und auch Regisseur und Drehbuchautor Justin Lin ("Star Trek Beyond") ist ein alter Bekannter: Der Taiwanese hatte schon bei den Teilen drei bis sechs das Megaphon in Händen gehalten. Er passt sich dem Trend der Reihe, immer absurdere Action zu kredenzen, kongenial an, und serviert Atem beraubende Action-Sequenzen, die über den banaleren Rest hinwegtösen müssen. Die Universal Pictures-Produktion hat gemischte Kritiken und ebensolche Zuschauerreaktionen geerntet.

Unser Kritiker Björn Schneider steht im Contra-Lager: "Der neue Teil der Endlos-Reihe präsentiert den gewohnten, mittlerweile stark abgenutzten Mix aus Action, Heist Movie und Street Racings. Die Dialoge sind platt, die Schauspieler in ihren Fähigkeiten begrenzt. Fans kommen aufgrund der rasend schnellen Autos und brachialen Action dennoch auf ihre Kosten."

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"Space Jam: A New Legacy"
Komödie
USA
115 Minuten
FSK 6

Unsere Empfehlung: Spart Euch das Geld!

Bugs Bunny und die Looney Tunes kehren zurück, um Basketballer LeBron James zu helfen, dessen Sohn aus einer digitalen Welt zu befreien.

Wenn ein Basketballer noch mit das Beste an einem Spielfilm ist, sollte das ein Warnsignal sein. Nach dem alarmierend unlustigen Trailer. Ein viertel Jahrhundert nach dem Original "Space Jam", der 1996 erfolgreich gelaufen war, legen Warner Brothers Pictures das Ganze nochmal für das Internet-Zeitalter auf und mischen die Looney Tunes-Animationen wieder mit Realfilm. Regie führte Komödienspezialist Malcolm D. Lee, der den verrückten Meta-Humor nur teilweise in dieser müden Angelegenheit zur Geltung zu bringen weiß. Die Kritiken zur 150 Millionen Dollar teuren US-Komödie sind schwach, die ersten Zuschauerreaktionen ablehnend.

Unser Rezensent Björn Schneider kommt zu einer gemischten Einschätzung: "Dem Film fehlt die Leichtigkeit und der Charme des Originals, außerdem erweist sich der zum Teil arg alberne, infantile Humor als recht anstrengend. Kurzweil und Spaß erzeugt der Film dank der vielen Easter Eggs, überzeugend animierten Figuren sowie der temporeichen Basketball-Szenen dennoch."

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"Minari - Wo wir Wurzeln schlagen"
Drama
USA
116 Minuten
FSK 6

Unsere Empfehlung: Reingehen!

Eine südkoreanische Familie zieht in den achtziger Jahren in den ländlichen US-Bundesstaat Arkansas, um dort ihren Amerikanischen Traum von einer eigenen Farm zu verwirklichen.

Regisseur und Drehbuchautor Lee Isaac Chung erzählt hier eine semi-autobigraphische Geschichte. Der 42-Jährige ist selbst Sohn südkoreanischer US-Immigranten und weiß somit, wovon er berichtet. Und vor allem, wie er es zu erzählen hat: Sein innigliches und Herz zerreißendes Portrait einer Familie und ihres Anpassungsversuchs an das ländliche Amerika ist wunderschön photographiert und verbindet Humor und Pathos in der genau richtigen Dosis. Die gut geschriebenen Charaktere werden von der wundervollen Besetzung zum Leben erweckt. Die Kritiken zum 2 Millionen Dollar teuren US-Drama waren durchweg hervorragend, und zeitweise galt die Prokino-Produktion bei einigen Kritikern sogar als Anwärter für den Oscar als "Bester Film". Immerhin sechs Mal war das Werk nominiert; der Goldjunge ging an die südkoreanische Nebendarstellerin Yuh-Jung Joun, die auch den Britischen Filmpreis und den Screen Actors Guild Award errang. Der Film gewann den Golden Globe als "Bester fremdsprachiger Film", weil im US-Original überwiegend Koreanisch gesprochen wird.

Auch unser Kollege Andreas Köhnemann rät zum Kartenkauf: "Eine feinfühlig erzählte, brillant beobachtete Familiengeschichte mit liebenswerten Figuren, voller Skurrilität und zudem hinreißend gespielt."

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"Nebenan"
Komödie
Deutschland
93 Minuten
FSK 12

Unsere Empfehlung: Reingehen!

Ein kurz vor dem Durchbruch stehender deutscher Schauspieler (Daniel Brühl) legt sich in einer Berliner Kiezkneipe mit einem Stammgast (Peter Kurth) an, der einen Groll gegen die gentrifizierenden Zugezogenen hegt.

Ein doppeltes Debut hinter der Kamera dieser deutschen Komödie: Schauspieler und Wahl-Berliner Daniel Brühl gibt sein Regiedebut, und Schriftsteller Daniel Kehlmann, auf dessen Romanen schon einige Spielfilme beruhen - darunter Brühl's "Ich und Kaminski" aus dem Jahr 2015 - hat erstmals ein Drehbuch geschrieben. Die Premiere ist geglückt. Besonders muss man Daniel Respekt zollen, dass er seinen Part nicht geschönt hat, ganz im Gegenteil - er wird hier zum Meister der Selbstkasteiung auf Meta-Ebene. Der 43-Jährige ist sich der sozialen Dimension seines Stückes offenkundig mehr als bewusst und bringt diese in Form einer schwarzhumorigen Satire zur Geltung. Die Kritiken der Warner Brothers Pictures-Produktion, deren Dreharbeiten vor einem Jahr von der Covid-19-Pandemie ausgebremst wurden, sind gemischt, die ersten Zuschauerreaktionen positiv.

Unsere Kritikerin Bianka Piringer hebt den Daumen: "In diesem satirisch-grimmigen Kammerspiel liefern sich Daniel Brühl und Peter Kurth ein spannendes Duell zweier ungleicher Charaktere in einer von Gentrifizierung betroffenen Stadt und halten der sozial gespaltenen, zum Dialog wenig fähigen Gesellschaft einen Spiegel vor."

Hier geht es zu den kompletten Filmstarts


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