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The Shape of Water - Sally Hawkins
The Shape of Water - Sally Hawkins
© 20th Century Fox

TV-Tipps für Sonntag (8.8.): Sally Hawkins vernimmt das Flüstern des Wassers

Pro7 zeigt "The Shape of Water"

Am Sonntagabend müssen sich Spielfilm-Fans gleich im Hauptprogramm der Privaten entscheiden: RTL zeigt "Spider-Man: Homecoming", das erste Marvel-Solo mit Tom Holland, während Pro7 den Oscar-Sieger "The Shape of Water" mit Sally Hawkins ausstrahlt.

"Spider-Man: Homecoming", RTL, 20:15 Uhr
Peter Parker (Tom Holland) versucht sein Doppelleben als High School-Schüler in Queens und als Superheld Spider-Man unter einen Hut zu bringen und muss einem neuen Bösewicht (Michael Keaton) die Stirn bieten.

Nicht wenige waren skeptisch. Bedurfte es nach fünf "Spider-Man"-Abenteuern in den vergangenen 15 Jahren wirklich einer weiteren Neuauflage? Der bis dahin letzte Teil "The Amazing Spider-Man 2" hatte 2014 in den Augen von Kritikern und Publikum die Ausgereiztheit der Figur und der Reihe belegt. Und keine drei Jahre weiter sollte es schon wieder mit der Comic-Figur weitergehen?

Doch "Spider-Man: Homecoming" hatte eine Ingredienz, die den Vorgängern mit Andrew Garfield in der Titelrolle gefehlt hatte: Marvel Studios. Das Filmstudio, das zusammen mit Walt Disney Studios hinter den "Avengers" steht, tat sich mit Columbia Pictures zusammen, denen die Filmrechte an der Figur Spider-Man weiter gehören. 2015 einigten sich die Produktionsfirmen, den Charakter in das Marvel Cinematic Universe zu integrieren, und Marvel-Chef Kevin Feige stellte öffentlich klar, dass die kreativen Entscheidungen von nun an von Marvel getroffen würden.

Wie im Marvel Cinematic Universe üblich, sollte der neue Spider-Man erst einmal als Randfigur in einem anderen MCU-Streifen auftauchen, in diesem Fall "Captain America: Civil War". Deren Regisseure Anthony und Joe Russo wollten nicht mit Garfield arbeiten, den sie für zu alt für die Rolle eines Teenagers hielten. Der Engländer war bereits bei den Dreharbeiten zum ersten "Amazing Spider-Man" 2011 28 Jahre alt gewesen. Die Filmemacher wollten im Gegensatz zu ihm und Maguire, der auch schon 26 Jahre alt war, als er 2000 als Peter Parker erstmals vor der Kamera gestanden hatte, einen echten Teen.

In die engere Wahl kamen schließlich zwei 19 Jahre alte Engländer: Tom Holland und Charlie Rowe, die beide mit Robert Downey Jr. alias Iron Man und Chris Evans alias Captain America Probeaufnahmen bestritten; Holland machte das Rennen und erfuhr für seinen Auftritt in "Captain America: Civil War" bereits Lob.

Nun wurde Spider-Man im 16. Film des Marvel Cinematic Universe das erste Mal zur Hauptfigur. Wie schon häufiger, überraschte das Studio mit einer ungewöhnlichen Wahl für den Regieposten: Jon Watts, dessen zweites Werk "Cop Car" auf ihn aufmerksam werden ließ, erhielt das Megaphon, obwohl er ein Projekt dieser Kragenweite mit einem Budget von 175 Millionen Dollar bisher auch nicht ansatzweise verantwortet hatte.

Doch der 36-Jährige zeigte sich dem Fantasy-Film gewachsen und inszenierte ein farbenprächtiges, witziges Abenteuer, das sich perfekt in das MCU einfügte, ohne sich selbst im Franchise-Aufbau festzufahren. Das Drehbuchautorenduo John Francis Daley und Jonathan Goldstein ("Vacation") - eine ebenso überraschende Wahl wie die von Watts - war von Marvel ausdrücklich aufgefordert worden, Humor in das Geschehen zu injizieren - ein Konzept, mit dem das MCU gut gefahren ist, sich die Konkurrenz bei Lucasfilm und Disney bei "Star Wars" aber schwer tut, wie unter anderem der Rauswurf von Phil Lord und Chris Miller bei "Solo" gezeigt hat.

Die Dreharbeiten fanden in den Pinewood Studios in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia, in Atlanta selbst, vor Ort in New York City und schließlich auch in Berlin auf dem Dach des Maritim-Hotels in der Friedrichstraße, am Gendarmenmarkt und am Brandenburger Tor statt.

"Spider-Man: Homecoming", von Regisseur Watts als eine "Geschichte des Erwachsenwerdens" im Stil von "Say Anything" oder "Almost Famous" apostrophiert, erhielt glänzende Kritiken und wurde ein Riesenerfolg beim Publikum mit einem Umsatz von 880 Millionen Dollar weltweit. Die unausweichliche Fortsetzung "Spider-Man: Far from Home" kam zwei Jahre später in die Kinos und wurde noch erfolgreicher.

Kritiker Jason Best schrieb in "Movie Talk": "Regisseur Jon Watts eifert eingestandermaßen dem Geist der Teenager-Komödien von John Hughes aus den Achtzigern nach. Dieser Handlungsfaden bestimmt den vergnüglich fröhlichen Tonfall und ermöglicht es Tom Holland und seinem bubenhaftem Charme zu erstrahlen."



"Shape of Water", Pro7, 20:15 Uhr
In einem Geheimlabor der US-Regierung verliebt sich eine einsame Reinigungskraft (Sally Hawkins) in ein Amphibienwesen, das dort gefangen gehalten wird.

Als Kind hatte Regisseur und Drehbuchautor Guillermo del Toro den Horrorfilm "Creature from the Black Lagoon" ("Der Schrecken vom Amazonas") aus dem Jahr 1954 gesehen und bedauert, dass der Kiemenmensch und die Wissenschaftlerin kein Paar geworden waren. Der Mexikaner behielt die Idee im Hinterkopf, seine Version der Geschichte "Die Schöne und das Biest" mit einem Happy Ending zu drehen - nur dass es hier keine Schöne, sondern eine stumme und einsame Reinigungskraft, und kein Biest, sondern ein empathisches Wesen geben sollte. Del Toro schwebte ein "Märchen für unruhige Zeiten" vor - was sowohl für die Spielzeit 1962 als auch unsere Gegenwart galt.

In Anlehnung an "Creature from the Black Lagoon" wollte der Filmemacher sein Werk in Schwarzweiß drehen, wovon Fox Searchlight Pictures natürlich nicht begeistert waren. Das Studio bot Guillermo für die Schwarzweißversion ein um 3 Million Dollar niederiges Budget an, was den Regisseur einknicken ließ - er realisierte seinen US-Fantasy-Film für 20 Millionen Dollar in Farbe. Gedreht wurde in den Filmstudios im kanadischen Toronto und in Hamilton in der Provinz Ontario.

"The Shape of Water" zeigt Guillermo del Toro in visueller Hochform, gepaart mit einer emotional packenden und poetisch angehauchten Geschichte, die von einer phantastischen Sally Hawkins als Krone einer grandiosen Besetzung zum Leben erweckt wird.

Der Streifen feierte seine von den Kritikern gefeierte Premiere 2017 auf den Internationalen Filmfestspielen von Venedig, wo er den Goldenen Löwen erhielt. Das war der Auftakt zu einem weltweiten Kassenerfolg in Höhe von 195 Millionen Dollar und vor allem einer triumphalen Preisverleihungssaison mit rund 100 Auszeichungen und über 300 Nominierungen.

Nicht weniger als 13 Oscar-Nominierungen vereinte das Werk auf sich und konnte vier Goldjungen gewinnen: Als "Bester Film", für Regisseur Guillermo del Toro, für Komponist Alexandre Desplat und für die Bühnenbildner; nominiert waren noch das Drehbuch, Hauptdarstellerin Sally Hawkins, Nebendarstellerin Octavia Spencer, Nebendarsteller Richard Jenkins, Kameramann Dan Laustsen, Cutter Sidney Wolkinski, Kostümbildner Luis Sequeira, der Tonschnitt und die Tonmischung.

Der Golden Globe ging an Regisseur del Toro und Komponist Desplat; nominiert waren der Film, das Drehbuch, Hauptdarstellerin Hawkins, Nebendarstellerin Spencer und Nebendarsteller Jenkins. Britische Filmpreise gingen an Regisseur del Toro, Komponist Desplat und die Bühnenbildner; nominiert waren der Film, das Drehbuch, Hauptdarstellerin Hawkins, Nebendarstellerin Spencer, Kameramann Laustsen, Cutter Wolinski, die Visuellen Effekte und die Tontechniker. Der Gewinn des Directors Guild Award machte für del Toro den "Grand Slam"-Triumph der Preisverleihungssaison perfekt - mehr geht nicht!

Kritikerin Milana Vujkov schrieb in "Lola on Film": "Diese berauschende Explosion von Güte feiert das Verbindende, den Raum dazwischen, das Schweigen darin, ein leises Hören von Herzschlägen und die Art, wie wir innerlich tanzen."



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