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John Rabe
John Rabe
© Majestic Film Verleih GmbH

TV-Tipp für Donnerstag (19.8.): Ulrich Tukur ist der gute Deutsche von Nanking

ZDF zeigt "John Rabe"

"John Rabe", ZDF, 01:15 Uhr
Ein deutscher Firmenrepräsentant (Ulrich Tukur) versucht 1937 im chinesischen Nanking tausende Zivilisten vor der japanischen Armee zu retten.

Dass Regisseur und Drehbuchautor Florian Gallenberger ("Grüner wird's nicht, sagte der Gärtner und flog davon") sein deutsches Drama vor Ort in China drehen konnte, verdankt sich auch den angespannten Beziehungen zwischen dem Reich der Mitte und Japan im Bezug auf die Vergangenheitspolitik. Im Inselstaat behaupten bis heute Nationalisten, das Massaker von Nanking habe es nie gegeben. Ende 1937 hatten die japanischen Besatzer während des Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieges über 200 000 Zivilisten und Kriegsgefangene ermordet und rund 20 000 Mädchen und Frauen vergewaltigt. Für die Chinesen musste die deutsche Filmproduktion daher eine Genugtuung darstellen - eine dritte Stimme aus Europa demonstriert den Japanern auf der Leinwand, wie es wirklich war. Kein Wunder, dass "John Rabe" in Japan keinen Kinostart hatte.

Die Titelfigur, den von 1882 bis 1950 lebenden John Rabe, hat es wirklich gegeben. Gallenberger nutzte dessen Tagebuchaufzeichnungen für sein Skript und schildert die Vorgänge weitgehend wahrheitsgemäß. Die Parallelen zu Oskar Schindler - ein deutscher Geschäftsmann, der Mitglied der Nationalsozialistischen Partei ist, rettet Zivilisten vor dem sicheren Tod - drängten sich auf und wurden natürlich gezogen. Letztlich schadeten diese Vergleiche der Majestic-Produktion, denn viele Zuschauer schienen kein Interesse zu zeigen, im Grunde die gleiche "Schindler's Liste"-Geschichte noch mal zu sehen, zumal der Trailer die gesamte Filmhandlung vorerzählte.

So floppte das von gemischten Kritiken begleitete Werk 2009 schwer: Bei Kosten von 18 Millionen Euro lösten gerade mal 175 000 Kinogänger eine Karte.

Bedauerlich, denn der packend, aufwendig in Szene gesetzte und gut gespielte Streifen hätte bei aller Vorhersehbarkeit seiner Geschichte - historische Kenntnis vorhanden oder nicht - mehr Besucher verdient gehabt.

Die Produktion gewann vier Deutsche Filmpreise: Als "Bester Film", für Hauptdarsteller Ulrich Tukur, für Bühnenbildner Juhua Tu und für Kostümbildnerin Lisy Christl; nominiert waren noch Regisseur Florian Gallenberger, Nebendarsteller Steve Buscemi und Kameramann Jürgen Jürges.

Kritikerin Nora Lee Mandel schrieb in "Film Forward": "Ein Portrait von Selbstlosigkeit einer rechtschaffenen Gruppe von Ausländern im Angesicht erschütternder Widrigkeiten, bewegend und leidenschaftlich als volle Individuen, nicht als Heiligenfiguren dargestellt."



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