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Spider-Man: A New Universe - Miles Morales
Spider-Man: A New Universe - Miles Morales
© Sony Pictures

TV-Tipps für Sonntag (22.8.): Spider-Man schwingt als Zeichentrick

Pro7 zeigt FreeTV-Premiere "Spider-Man: A New Universe"

Am Sonntagabend verwöhnt Pro7 mit einem Doppelschlag feinsten Kinos. Im Hauptprogramm servieren die Münchener mit der FreeTV-Premiere von "Spider-Man: A New Universe" ein Meisterwerk, gefolgt von dem starken "X-Men"-Punk Edition "Logan" im Spätprogramm.

"Spider-Man: A New Universe", Pro7, 20:15 Uhr
Ein Teenager (gesprochen von Marco Eßer) wird in seinem Universum zu Spider-Man, muss sich aber mit fünf weiteren Spider-Man aus anderen Dimensionen zusammen schließen, um eine Bedrohung für alle Realitäten aufzuhalten.

Lassen wir zuerst zwei Filmindustriegrößen zu Wort kommen. Chris Pratt: "Ein emotional bewegendes, wegweisendes, fortschrittliches, diverses, witziges, action-reiches, albernes und visuell umwerfendes Meta-Meisterwerk." Und Kevin Smith: "Ich habe Spider-Man schon immer gemocht, aber dieser Film hat mich in Spider-Man verlieben lassen auf einem Batman-gleichen Niveau. Das beweist, dass in den richtigen Händen jede Figur eine bahnbrechendes Erlebnis sein kann."

Welche Hände waren dies bei diesem US-Animationsstreifen? Zunächst mal Phil Lord und Christopher Miller, das Duo hinter "The LEGO Movie". Als 2014 Hacker die Korrespondenz aus dem Hause Sony veröffentlichten, wurden die Pläne der Tochtergesellschaft Columbia Pictures bekannt, die Spider-Man-Figur zu verjüngen und in einem Animationsstreifen einzusetzen, den Lord und Miller produzieren, inszenieren und schreiben sollten.

Letztlich kam es nicht ganz so: Das Duo produzierte zwar, aber Lord schrieb das Skript ohne Miller, sondern mit Rodney Rothman, und Regie führte ein Trio ohne das Duo. Neben den Regiedebuntanten Rothman und Bob Persichetti war Peter Ramsey dabei, der unter anderem "Rise of the Guardians" ("Die Hüter des Lichts") in Szene gesetzt hatte.

Die Teamarbeit führte in Kooperation mit 140 Animationskünstlern zu einem erstaunlichen Werk, das kühnes Geschichtenerzählen mit Atem beraubender Animation - eine Mischung aus computergenerierten Bildern und traditionellen Zeichentrick - zu einem äußerst unterhaltsamen Abenteuer mit Herz, Humor und viel Superhelden-Action verband.

Grundlage der Story sind die seit 2011 erscheinenden Marvel Comics um den neuen Miles Morales, einen farbigen Teenager, der in das Spider-Man-Kostüm des verstorbenen Peter Parkers steigt. Der 90 Millionen Dollar teure Film ist den "Spider-Man"-Erfindern Steve Ditko und Stan Lee gewidmet, die beide 2018 gestorben waren.

"Spider-Man: Into the Spider-Verse" - so der Originaltitel - erhielt 2018 durchweg hymnische Kritiken und gilt als der mit Abstand beste "Spider-Man"-Film überhaupt, gekrönt von Academy Award, Golden Globe und Britischem Filmpreis als "Bester Animationsstreifen". Bei den Britischen Filmpreisen war er sogar als "Bester Film" nominiert. Mit weltweit 395 Millionen Dollar Umsatz war der Streifen auch ein großer Erfolg beim Publikum. Kein Wunder also, dass Columbia für Herbst nächsten Jahres eine Fortsetzung angekündigt haben.

Kritiker Jim Rohner schrieb in "Battleship Pretension": "Ein absolut herrlicher Film und eines der besten Beispiele für die Aufregung und die Beglückung, zu denen das Kino fähig ist."



"Logan", Pro7, 22:35 Uhr
Logan (Hugh Jackman), der sich um den kranken Professor X (Patrick Stewart) kümmert, muss eine junge Mutantin (Dafne Keen) vor einem skrupellosen Wissenschaftler (Richard E. Grant) beschützen.

Es war weniger die Aussicht, dass Hugh Jackman zum siebten und definitiv letzten Mal - und einem Gastauftritt in "X-Men: First Class" - in der Rolle auf die Leinwand kommen würde, die ihn 2000 zum Star gemacht hatte, welche die "X-Men"-Fans elektrisierte, sondern die Ankündigung von 20th Century Fox und Regisseur und Drehbuchautor James Mangold, der bereits 2013 mit Jackman "The Wolverine" ("Wolverine: Weg des Kriegers") gefilmt hatte, dass "Logan" nicht auf die lukrative Altersfreigabe "PG-13", bei der Jugendliche in Erwachsenenbegleitung in die Vorstellung dürfen, sondern auf ein "R" ("Restricted") gefilmt werden würde.

In den Augen der Fans hieß das: Hier kommt der wahre Wolverine, der nicht durch kompromisslerische Entscheidungen in Sachen Gewaltdarstellung und Realismus verwässert werden würde, um einen Fantasy-Film "kinderkompatibel" zu machen.

Und die Filmemacher hielten Wort. Ihr Meisterwerk ist mit den vorangegangenen neun "X-Men"-Produktionen kaum zu vergleichen: Hier treten keine Superhelden in Kostümen an und legen Städte in Schutt und Asche, sondern Mangold erschuf einen eher an einen apokalyptischen Thriller oder revisionistischen Western erinnernden Streifen, dessen Helden, müde und malade geworden, ein "letztes Mal in den Sattel" steigen. Jackman macht dabei das Beste aus seiner Rolle mit einer ungeschminkten und nuancierten Darstellung in dem brutalen, aber auch überraschend nachdenklichen US-Thriller, der Genre-Grenzen überwindet. Gedreht wurde für 97 Millionen Dollar in den US-Bundesstaaten Louisiana, Mississippi und New Mexico.

Mit einem weltweiten Einspiel von 619 Millionen Dollar wurde der mit sehr guten Kritiken bedachte "Logan" 2017 ein riesiger Erfolg - um so beachtlicher wegen der stringenten Altersfreigabe, die sich zum Beispiel in Deutschland auf "Ab 16" belief. Deswegen kann Pro7 den Film ungeschnitten nur im Spätprogramm ausstrahlen.

Das Drehbuch, das auf der Marvel-Comics-Reihe "Old Man Logan" basiert, die seit 2008 erscheint, wurde für den Academy Award nominiert.

Kritiker Zaki Hansen schrieb: "Die Handlung ist zum Glück frei von riesigen Robotern und blauen Strahlen, die in den Himmel abgeschossen werden, sondern zieht ihr Drama aus der unerlässlichen Tragödie eines Mannes, dessen Langlebigkeit ihn dazu verflucht mitanzusehen, wie ständig die Menschen, die er mag, aus seinem Leben gerissen werden."





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