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Der mit dem Wolf tanzt - Kevin Costner
Der mit dem Wolf tanzt - Kevin Costner
© Kinowelt

TV-Tipps für Sonntag (29.8.): Kevin Costner lernt eine neue Welt kennen

Arte zeigt "Der mit dem Wolf tanzt"

Am Sonntagabend ist Arte der Sender für Spielfilm-Fans. Im Hauptprogramm strahlen die Straßburger den Oscar-gekrönten "Der mit dem Wolf tanzt" von und mit Kevin Costner aus und beenden die Woche dann im Nachtprogramm mit dem türkischen Drama "Sibel".

"Der mit dem Wolf tanzt", Arte, 20:15 Uhr
Während des Amerikanischen Bürgerkrieges kommt ein im Grenzgebiet auf sich selbst gestellter Leutnant (Kevin Costner) mit den Lakota-Ureinwohnern in Kontakt, erlernt ihre Sprache und beginnt, ihr Leben zu verstehen und ihre Menschen zu schätzen.

Manchmal wird Mut eben doch belohnt. Von der "Los Angeles Times" bereits als "Kevin's Gate" in Anspielung auf den Giga-Flop "Heaven's Gate", der 1980 mit United Artists ein ganzes Filmstudio in den Abgrund gerissen hatte, verschrien, wurde "Dances with Wolves" - so der Originaltitel - genau zehn Jahre später zu einem Triumph für Kevin Costner, der sich nicht nur künstlerisch, sondern auch finanziell über alle Maßen in den US-Western eingebracht hatte.

Alles begann mit einem Freundschaftsdienst. Der beschäftigungslose Autor Michael Blake konnte Mitte der Achtziger kein Filmstudio für sein Drehbuch "Dances with Wolves" interessieren. Sein Freund Kevin Costner riet ihm, eine Romanversion zu verfassen, da sich mit einer solchen die Studios besser ködern ließe. Nachdem es dann auch schwer genug fiel, für das Buch einen Verlag zu finden, erschien "Dances with Wolves" 1988 endlich zumindest als Taschenbuch. Costner selbst erwarb die Verfilmungsrechte - mit ihm als Hauptdarsteller, der inzwischen zum Hollywood-Star geworden war, schien eine Verfilmung eher möglich. Blake sollte dann das Drehbuch schreiben.

Doch der Schatten von "Heaven's Gate" hing weiter wie eine dunkle Wolke über Hollywood - kein Studio, selbst die kleineren, hatte Interesse an der Produktion, schon gar nicht mit der Aussicht auf eine drei- bis vierstündige Spieldauer und weiten Teilen in Lakota-Originalsprache, die untertitelt werden sollten.

Kevin gründete,seine eigene Produktionsgesellschaft Tig Productions, um zusammen mit seinem Mitproduzenten Jim Wilson das Kapital mühsam einzusammeln. Schließlich gelang es im Verkauf der ausländischen Verleihrechte an diverse Firmen und des heimischen Verleihs an Orion Pictures, das Budget von 19 Millionen Dollar zu stemmen. Auch Costner trug zu dieser Summe bei, indem er quasi auf seine Gage von 3 Millionen Dollar verzichtete und sie in das Projekt investierte. Auch das Honorar für einen Regisseur sparte der damals 34-Jährige ein - er gab sein Regiedebut.

Die Dreharbeiten fanden im US-Bundesstaat South Dakota, wo man mit einer in Privatbesitz befindlichen 3500 Büffel umfassenden Herde drehen konnte, und im US-Bundesstaat Wyoming statt. Die Rollen der Ureinwohner wurden allesamt mit tatsächlich indigenen Schauspielern besetzt und als Komparsen 150 Sioux aus dem Rosebud-Indianerreservat engagiert. Die indianische Sprachlehrerin Doris Leader Charge, die im Film die Nebenrolle der Ehefrau des Häuptlings Zehn Bären spielt, erteilte vor Beginn der Dreharbeiten allen Schauspielern, die im Film Lakota zu sprechen haben, einen dreiwöchigen Sprachschnellkurs.

Costner gelang es nicht, sein Werk innerhalb des angesetzten Kostenrahmes und Drehplans fertig zu stellen. Er brauchte einen Monat länger, und das Budget betrug schlussendlich 22 Millionen Dollar. Um überhaupt durch die Nachproduktion zu kommen, verkauften Tig Productions sogar die für den Film mit Akribie hergestellten Kostüme und Requisiten, um flüssig zu bleiben. Als das bekannt wurde, kam das böse Wort von "Kevin's Gate" in die Presse.

Eine kolossale Fehleinschätzung. Bei seiner Premiere 1990 erhielt der aufwühlende US-Western gute Kritiken. "Dances with Wolves" mag bei allem Bestreben, das Leben der Ureinwohner authentisch und korrekt zu zeigen, die Kultur der Lakota immer noch zu simpel zeichnen, aber der epischen Erhabenheit des gewaltigen Werks kommt die noble Absicht, Klischees des Hollywood-Indianerbilds durch ein menschlicheres Portrait zu ersetzen, gleich.

Weltweit stürmten die Zuschauer die Kinos und bescherten dem Streifen einen Umsatz von 424 Millionen Dollar Umsatz. In Deutschland war er mit 6,8 Millionen Zuschauern der erfolgreichste Film des Jahres 1991.

Kevin Costner's Ehrgeiz, Hartnäckigkeit und Kunstfertigkeit wurden dann noch auf anderer Ebene honoriert. Ein Dutzend Oscar-Nominierungen konnte "Dances with Wolves" auf sich vereinen. Der Goldjunge ging an den Film selbst, an Regisseur Kevin Costner, an Drehbuchautor Michael Blake, an Kameramann Dean Semler, an Komponist John Barry und an Cutter Neil Travis; leer gingen Hauptdarsteller Costner, Nebendarstellerin Mary McDonnell, Nebendarsteller Graham Greene, Kostümbildnerin Elsa Zamparelli und die Bühnenbildner aus.

Bei den Golden Globes gewannen der Film, Regisseur Costner und Drehbuchautor Blake; nominiert waren noch Hauptdarsteller Costner, Nebendarstellerin McDonnell und Komponist Barry. Bei den Britischen Filmen ging der Streifen trotz neun Nominierungen für den Film, Regisseur Costner, Drehbuchautor Blake, Hauptdarsteller Costner, Kameramann Semler, Komponist Barry, Cutter Travis, Maskenbildner Francisco X. Pérez und die Tontechniker leer aus.

2007 nahm die US-Library of Congress den Film als "kulturell, historisch oder ästhetisch bedeutsam" in das National Film Registry auf, um ihn der Nachwelt zu erhalten.

Ein Zuschauer findet: "Wenn man auch schlussendlich den Film kritisieren kann, dass auch er dem Klischee des 'Weißen Retters' nachgibt, bietet er dennoch eine allzu nötige und viel reichere Alternative zu den Geschichten von Kavallerie und Indianern. Dies geht besonders auf das Konto von Kevin Costner und Michael Blake, die sorgfältig recherchiert haben. Wenn nichts sonst, ist ihr Film eine mächtige Zurechtweisung, wie diese Themen normaler Weise im amerikanischen Kino angegangen worden sind. Aber auch aus eigenem Recht ist der Film wundervoll. Die Reise von John Dunbar aus dem Wahnsinn der westlichen Kultur in die Einsamkeit der selbst auferlegten Isolation ist kraftvoll und Herz zerbrechend. Seine Beziehungen zu den Ureinwohnern sind tiefgehend, detailliert und ungekünstelt dargestellt. Man muss den Schauspielern Respekt zollen, dass sie eine so lange Geschichte verankern und immer interessant halten. Denn das Tempo ist niedrig, aber die Langsamkeit ist mit Bedeutung aufgeladen. Als Regisseur treibt Costner seinen Film in einen bemerkenswerten Naturalismus, der perfekt zur Geschichte passt. Die Landschaften sind üppig und bezaubernd, aber Costner filmt sie nicht als Selbstzweck, sondern um zu zeigen, warum Dunbar dort leben will und wofür die Lakota kämpfen."



"Sibel", Arte, 00:25 Uhr
In den Hügeln an der türkischen Schwarzmeerküste wächst eine stumme Frau (Damla Sömnez) wild und vogelfrei auf. Als sie in ihrer Hütte einen verwundeten Deserteur (Erkan Kolçak Köstendil) versteckt, trifft sie und ihre Angehörigen der Zorn der Gemeinschaft.

Die türkische Regisseurin Çağla Zencirci und der französische Regisseur Guillaume Giovanetti bilden seit 2004, als sie mit Dokumentarkurzfilmen begannen, ein Regieduo und sind auch privat ein Paar. Sie leben abwechselnd in Istanbul und Paris und drehen vorzugsweise im Nahen Osten.

In ihrem türkischen Drama, zu dem Zencirci und Giovanetti auch das Drehbuch geschrieben haben, zeigen sie psychologisch stimmig die Mechanismen von Ausgrenzung und das Patriarchat als eineFrauen wie Männer einengende Tradition, die sexuelle Unterdrückung bewirkt. "Sibel" überzeugt auch wegen seiner starken Frauenfigur im Mittelpunkt als feministische Fabel.

Gedreht wurde im Dorf Kusköy in der Nähe des Schwarzen Meeres, das für seine Pfeifsprache bekannt ist, die auch im Film Verwendung findet.

"Sibel" erhielt 2018 gute Kritiken und Hauptdarstellerin Damla Sönmez eine Nominierung bei den Asiatisch-Pazifischen Filmpreisen.

Kritiker Allan Hunter schrieb in "Screen International": "Eine fein differenzierte, befriedigende Geschichte weiblicher Selbstermächtigung mit einer packenden Darstellung von Damla Sönmez."



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