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Persischstunden - Nahuel Pérez Biscayart und Lars Eidinger
Persischstunden - Nahuel Pérez Biscayart und Lars Eidinger
© Alamode Film

TV-Tipp für Freitag (14.1.): Nahuel Pérez Biscayart erfindet eine Sprache

ZDF zeigt Premiere "Persischstunden"

"Persischstunden", ZDF, 23:15 Uhr
Ein jüdischer Belgier (Nahuel Pérez Biscayart) entgeht 1942 in Frankreich der Exekution durch die SS, indem er sich kurzerhand als Perser ausgibt. In einem Konzentrationslager soll er dem Leiter (Lars Eidinger) der Lagerküche Farsi beibringen und sieht sich - der Sprache nicht mächtig - gezwungen, eine Sprache zu erfinden.

Einem Mythos, der dieses russische Drama umwehte, erlag sein eigener Drehbuchautor. Ilja Zofin glaubte, dass der Stoff auf einer wahren Begebenheit beruhte, bevor sich herausstellte, dass die ihm zugetragene Geschichte, die er auf die Leinwand bringen wollte, auf der Erzählung "Erfindung einer Sprache" des deutschen Autoren Wolfgang Kohlhaase aus dem Jahr 2005 basiert.

Zofin schrieb sein Skript auf Russisch, das dann in Englisch und schließlich in Deutsch übersetzt wurde. Das falsche Farsi dachten sich der ukrainische Regisseur Vadim Perelman und ein russischer Linguist aus: Sie ersannen 600 Vokabeln und eine Grammatik. Gedreht wurde auf Deutsch.

"Persian Lessons" - so der Originaltitel - entstand im belarussischen Minsk. Die Bühnenbildner orientierten sich bei ihrem Aufbau des Konzentrationslagers hauptsächlich an den Bildern des KZ Natzweiler-Struthof im Elsass.

Zofin und Perelman gelang ein intelligenter, spannender und bewegender Film, der dem düsteren Kapitel deutscher Geschichte eine menschlich-tragische Facette abgewinnt, ohne den Holocaust zu bagetellisieren. Der Streifen erhielt gute Kritiken, konnte aufgrund der Pandemie 2020 aber nur wenig Zuschauer finden.

Belarus reichte das Werk als Anwärter auf einen Academy Award als "Bester internationaler Film" in Hollywood ein. Die Academy akzeptierte den Streifen aber nicht, weil die Sprache im Film nicht Russisch oder Belarussisch ist und der Co-Produktionsanteil von Belarus als zu gering erachtet wurde.

Kritiker Rich Cline schrieb in "Shadows on the Wall": "Regisseur Vadim Perelmann erschafft einen geschickt schnörkellosen Stil der Zeit und vermeidet Klischees, um sich auf die Figuren zu konzentrieren, die von einer exzellenten Besetzung zum Leben erweckt werden."



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