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Oblivion - Tom Cruise und Morgan Freeman
Oblivion - Tom Cruise und Morgan Freeman
© Universal Pictures Germany

TV-Tipps für Samstag (29.1.): Tom Cruise fällt aus allen Wolken

Vox zeigt "Oblivion"

Am Samstagabend können Spielfilm-Fans erst ihre Action-Akkus mit dem SciFi-Streifen "Oblivion" mit Tom Cruise im Vox-Hauptprogramm aufladen, bevor dann die kleinen grauen Zellen mit dem britischen Gerichtsdrama "Verleugnung" mit Rachel Weisz im 3sat-Spätprogramm stimuliert werden.

"Oblivion", Vox, 20:15 Uhr

Ein Flugzeugmonteur (Tom Cruise), der auf der zerstörten Erde die verbliebenen Ressourcen zu bergen hat, beginnt sich und seine Mission in Frage zu stellen.

Regisseur Joseph Kosinski ("Only the Brave")verkaufte die Rechte an einem nie ganz fertig gestellten Comic, der bewusst als Vorlage für eine Verfilmung gedacht war, 2010 nach einem heftigen Bieterwettbewerb an Walt Disney Studios, für die er gerade "Tron Legacy" inszeniert hatte. Doch das Haus mit der Maus veräußerte die Rechte an Universal Pictures weiter, die Kosinski satte 120 Millionen Dollar für seinen US-Science Fiction-Film zur Verfügung stellten.

Während Tom Cruise schon früh als Hauptdarsteller feststand, dauerte die Suche nach seinen beiden Mitspielerinnen länger: Für den Olga Kurylenko-Part wurden Jessica Chastain, Olivia Wilde, Britt Marling und Noomi Rapace getestet, und Chastain erhielt die Rolle - um sich dann aber für "Zero Dark Thirty" zu entscheiden und wieder aus der Produktion auszusteigen, so dass Kurylenko zum Zug kam. Für die Rolle von Andrea Riseborough sprachen auch Hayley Atwell, Diane Kruger und Kate Beckinsale vor.

Als Drehorte fungierten die US-Bundesstaaten Louisiana, New York und California; für zehn Tage drehte man auch während der Mittsommernachtssonne in Island, um besonders viel von dem als magic hour bekannten weichen und rötlichen Sonnenlicht nutzen zu können, mit dem Kosinski sich bewusst von düsteren Science Fiction-Filmen absetzen wollte.

Technisch arbeitete das Team auf der Höhe der Zeit. Erstmals wurde der Ton mit dem neuen Surround-Verfahren Dolby Atmos abgemischt, und die deutsche Spezialeffektefirma Pixomondo in Stuttgart steuerte 800 visuelle Effekte bei. Der gläserne Sky Tower ist dabei nicht computergeneriert, sondern eine echte Kulisse in Baton Rouge, die nicht von green screen, sondern von Leinwänden umgeben war, auf die Bilder projiziert wurden. Die unter dem Sky Tower ziehenden Wolken hatte das Pixomondo-Team während eines viertägigen Aufenthalts auf dem haiwaiischen Vulkan Haleakalā mit Rundum-Kameras aufgenommen.

Das ausgezeichnete Produktionshandwerk, das "Oblivion" visuell so wirkungsvoll macht, sowie die exzellente Darstellung von Cruise sind die großen Aktivposten, während das dünne Drehbuch wie ein von Kosinski und seinen Drehbuchautoren Karl Gajdusek ("The King's Man") und Michael Arndt ("Star Wars: The Force Awakens") zusammen gerührtes Potpourri anderer Filme wirkt. Die Kritiken waren dann auch nur gemischt, und in den USA war die Zuschauerresonanz lediglich mäßig. Aber ein starkes Auslandsgeschäft machte das Werk mit insgesamt 286 Millionen Dollar Umsatz doch noch zu einem Erfolg.

Kritiker Michael Dequina schrieb im "Movie Report": "Joseph Kosinski's Gesamtvision mag weder besonders originell aussehen oder sich anfühlen, aber nichtsdestotrotz ist sie eindrucksvoll und denkwürdig."



"Verleugnung", 3sat, 23:10 Uhr
Die Historikerin Deborah Lipstadt (Rachel Weisz) muss sich vor Gericht gegen den sie verklagenden englischen Holocaust-Leugner David Irving (Timothy Spall) verteidigen.

Der Name David Irving hat in der deutschen Rechten einen guten Klang. Nach dem Motto "Ja, wenn's sogar ein Engländer sagt..." freuen sich die Holocaust-Leugner über einen ebensolchen Kronzeugen aus dem Ausland und führen ihn gerne immer wieder an.

Gerichtsnotorisch beurkundet ist dagegen, dass der englische Historiker, der rund 30 Sachbücher über den Nationalsozialismus geschrieben hat, ein Geschichtsverdreher ist. Im Jahr 2000 wurde eine Verleumdungsklage Irvings vom High Court in London, dem höchsten englischen Zivilgericht, gegen die US-Historikerin Deborah Lipstadt zurück gewiesen. Lipstadt hatte 1993 in ihrem Buch "Denying the Holocaust" Irving als Geschichtsfälscher bezeichnet. Der High Court bestätigte, dass man den Engländer fortan öffentlich als "Lügner" und "Geschichtsfälscher" bezeichnen dürfe. Die Verfahrenskosten in Höhe von umgerechnet etwa 4 Millionen Euro musste Irving tragen, was ihn finanziell ruinierte. "The Times" fasste die 32 Verhandlungstage, in denen der Autor seine Thesen vom nicht stattgefundenen Massenmord an den Menschen jüdischen Glaubens zu belegen versucht hatte, zusammen: "Geschichte hatte ihren Tag vor Gericht und errang einen überwältigenden Sieg."

Regisseur Mick Jackson beendete seine Kinopause nach 14 Jahren, um zusammen mit Drehbuchautor David Hare ("The White Crow") diese Geschichte als britisches Drama auf die Leinwand zu bringen. Sie legten das Buch "History on Trial" von Lipstadt aus dem Jahr 2005 zugrunde und filmten für umgerechnet 10 Millionen Dollar in London und in Auschwitz-Birkenau. Für die eigentlich vorgesehene Hilary Swank wurde Rachel Weisz besetzt.

"Denial" - so der Originaltitel - wird der unglaublichen Geschichte vielleicht nicht ganz gerecht, überzeugt aber als zufriedenstellender und wirkungsvoller Streifen, der eine weitere starke Darstellung von Weisz zeigt.

Die Kritiken für die BBC Films-Produktion waren 2016 positiv, mit nur 9 Millionen Dollar Umsatz weltweit blieb die Produktion, die eine Nominierung als "Bester britischer Film" bei den Britischen Filmpreisen erhielt, aber unter dem Publikumsradar.

Kritikerin Alexandra MacAaron schrieb in "Women's Voice for Change": "Der Film hält sich eng an Deborah Lipstadt's Memoiren und die Transkripte der Gerichtsverhandlung. Er wird so eher zu einer intellektuellen als einer emotionalen Übung, ist aber nichtsdestotrotz faszinierend."



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