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Florian Weghorn bei den Talents Tanks
Florian Weghorn bei den Talents Tanks
© Peter Himsel, Illustration / Sophia Paeslack

Berlinale 2022 Talents: Verantwortung übernehmen und abgeben

Neue Wege für nachhaltigere Kommunikation

Die 20. Jubiläumsausgabe von Berlinale Talents endet mit einem Fest für die Alumna und Bärengewinnerin Carla Simón für ihren "Alcarràs" sowie einem klaren Auftrag für die Zukunft. Der sechstägige Summit mit Talks für Tausende von Online-Zuschauer sowie Workshops und dem neuen täglichen Denklabor Talents Tanks für die 200 eingeladenen Teilnehmenden aus über 70 Ländern bestätigten den Wunsch nach nachhaltigeren Kommunikationswegen.

Die Staatsministerin für Kultur und Medien Claudia Roth besuchte Berlinale Talents und bestärkte die Teilnehmenden: "20 Jahre Talentförderung à la Berlinale - diese Erfolgsgeschichte steht für viele unvergessliche Erlebnisse, Begegnungen und für Filme, die in Berlin ihren Ursprung nahmen. Es ist auch eine Erzählung, die sich mit Euch heute fortsetzt: Eure Generation ist so divers und engagiert, wie keine andere zuvor, sei es für die Meinungsfreiheit oder Antirassismus, in der Vielfalt, mit der ihr Eure Crews zusammenstellt, oder wie Ihr dazu beitragt, Eure Gesellschaften positiv zu verändern."

Auch alle korrespondierenden Talks zum Thema "Labours of Cinema" gaben Talenten und Alumni ihre Stimme in der Öffentlichkeit: Die Soziologinnen Jutta Allmendinger und Lisa Basten diskutierten lebhaft mit einer internationalen Delegation von Talenten zu deren Einkommensverhältnissen in Relation zu Gender und Bildungsstand. Die gleichberechtigte Beteiligung aller Gewerke am künstlerischen Prozess stand zum Beispiel bei der aktuell Oscar-nominierten Alumna und Kamerafrau Ari Wegner im Fokus.

Die Gäste erkannten dabei die Verantwortung der Jungen an; so richtete sich die kurzfristig verhinderte Isabelle Huppert direkt an die Talente: "Die Zusammenarbeit mit aufstrebenden Filmschaffenden hat in meiner Arbeit immer eine wichtige Rolle gespielt und wir können viel lernen, wenn wir offen für neue Perspektiven sind. Deshalb habe ich mich sehr darauf gefreut, mit Euch in den Dialog zu treten und mich in unseren gemeinsamen Visionen für das Kino verbunden zu fühlen. Auch wenn wir uns dieses Mal nicht persönlich treffen konnten, sende ich jedem von Euch, wo auch immer auf der Welt Ihr Euch befindet, meine Dankbarkeit und die herzlichsten Grüße. Ich bin sicher, dass wir uns wiedersehen!"

In den Talents Tanks arbeiteten die 200 Talente aus 13 Filmgewerken erstmalig durch die ganze Woche hindurch methodisch in Kleingruppen zu vier Themen:

  • A Film Industry That Works: fair and sustainable future work models, seen both globally and locally
  • A Film Career with Life Long Learning: future programmes to lower barriers for quality education and qualifying training
  • A Film Environment with a Better Footprint: future solutions to improve ecological resourcefulness on all levels of the production and distribution
  • A Film Community of the Many: future strategies for more diversity of voices, genders, artistic perspectives in films and teams
Die Ergebnisse und weiterführenden Kernfragen wurden täglich in einem Plenum zusammen geführt und live mit den Talents Tanks-Partnern, dem Auswärtigen Amt, Telefilm Canada, Netflix und dem Medienboard Berlin-Brandenburg, diskutiert. Der methodische Ansatz sprach alle Sinne an; ein Höhepunkt war für viele Talente eine Kontinente überspannende Meditations-Session, um eigene Ressourcen zu stärken und den inneren Antrieb für Veränderungen anzustoßen. Es wurde wiederholt der Wunsch geäußert, Methoden wie diese auch in die Arbeit am Drehort und bei der Teamentwicklung zu übernehmen.

Die Struktur und die Ergebnisse der Talents Tanks sind dokumentiert. Für das ebenfalls der Nachhaltigkeit verpflichtete Talents Footprints – Mastercard Enablement Programme wurden drei neue Stipendiatinnen ausgewählt. Auch mit dem Kompagnon Förderpreis, der gemeinsam mit der Berlinale-Sektion Perspektive Deutsches Kino vergeben wird, verbessert Berlinale Talents substantiell die Arbeitsbedingungen von Kreativen.

Der Pilot der Talents Tanks ist gelungen, und die Leiter von Berlinale Talents, Christine Tröstrum und Florian Weghorn, ziehen ein positives Resümee: "Es herrscht derweil große Einigkeit über die Relevanz fairer, diverser und ökologisch rücksichtsvoller Arbeitsweisen in den Crews sowie künstlerischer Freiheit im filmischen Erzählen. Wir erlebten in diesem Festival aber eine neue Dringlichkeit: Die aktuelle Generation von Filmschaffenden hat konkrete Lösungen parat und fordert, auf Augenhöhe mit Streaming-Diensten, Förderern und Institutionen global wie lokal gestalterische Verantwortung übernehmen zu können."

Berlinale Talents wird als Brückenbauer und Türöffner die Community von bald 10 000 Alumni ab sofort ganzjährig über weitere dezentrale und kollektive Dialogformate untereinander und mit der Branche vernetzen.


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