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Lawrence von Arabien - Peter O'Toole und Zia Mohyeddin
Lawrence von Arabien - Peter O'Toole und Zia Mohyeddin
© Columbia TriStar

TV-Tipps für Sonntag (3.4.): Peter O'Toole zieht es in die Wüste

3sat zeigt Meisterwerk "Lawrence von Arabien"

Am Sonntagabend stehen zwei reale Figuren im Mittelpunkt der besten Spielfilme: Sat1 zeigt im Hauptprogramm Freddy Mercury und seine Band Queen in dem Drama "Bohemian Rhapsody", während 3sat zeitgleich das Oscar-gekrönte Meisterwerk "Lawrence von Arabien" über den Soldaten T.E. Lawrence ausstrahlt.

"Bohemian Rhapsody", Sat1, 20:15 Uhr
Die Geschichte der britischen Rock-Band Queen und ihres charismatischen und innerlich zerrissenen Sängers Freddy Mercury (Rami Malek).

Wenn es noch eines Beleges bedurft hätte, dass Queen und insbesondere deren Sänger Freddy Mercury auch knapp 30 Jahre nach dessen Tod über eine ungeheure Popularität verfügen, dann lieferte sie dieses US-Drama im Jahr 2018. Mit weltweit 903 Millionen Dollar wurde die 55 Millionen Dollar teure 20th Century Fox-Produktion trotz nur gemischter Rezensionen und einigen Kontroversen ein Mega-Hit.

Keine Frage, dass das ganze Unterfangen mit der Qualität des Mercury-Darstellers stand oder fiel - und hier hatten die Produzenten und Regisseur Bryan Singer das Glück und goldene Näschen, mit Rami Malek eine Idealbesetzung gefunden zu haben - obwohl Malek nicht mal Engländer, sondern Amerikaner ist und laut eigenen Angaben zum Zeitpunkt der Anfrage nicht viel Ahnung von Queen und Freddy Mercury besaß. Den Produzenten war er durch seine Rolle in der NBC-Fernsehserie "Mr. Robot" aufgefallen.

Doch Malek, der wie Mercury einen anderen ethnischen Hintergrund als seine Staatsbürgerschaft besitzt - seine Eltern sind Einwanderer aus Ägypten - arbeitete sich an seine Figur heran und verschmolz mit ihr zu einer erstaunlich authentischen Darstellung, die nicht nur Lob von den Queen-Mitgliedern Brian May und Roger Taylor, die als Berater der Produktion fungierten, erhielt, sondern auch einhellig von Presse und Filmindustrie gefeiert wurde. Mit dem "Grand Slam" der Darstellerpreise - Academy Award, Golden Globe, Britischer Filmpreis und Screen Actors Guild Award - erklomm der damals 37-Jährige bereits den beruflichen Olymp.

Nicht mehr über den phänomenalen Erfolg seines Werks freuen konnte und durfte sich Regisseur Singer. Der Filmemacher war während der Dreharbeiten von Fox gefeuert worden, und in der Presse lieferten sich beide Parteien ein Duell über die Deutungshoheit. Während Singer verlauten ließ, dass seine unabgesprochene Abwesenheit von den Dreharbeiten in London während einer US-Reise einer familiären Notlage mit der Erkrankung seiner Mutter geschuldet gewesen sei, verbreitete das Filmstudio, dass dies nur der letzte Tropfen gewesen sei, der das Fass zum Überlaufen gebracht hatte. Bryan habe schon zuvor unzuverlässig gearbeitet und sei vor allem mit Malek und Nebendarsteller Tom Hollander, der sogar mit einem Verlassen der Produktion gedroht habe, aneinander geraten.

Um das letzte Drittel von "Bohemian Rhapsody" zu stemmen, engagierten 20th Century Fox mit Dexter Fletcher ("Rocketman") den englischen Regisseur, der vor Singer eigentlich bereits für diesen Posten vorgesehen gewesen war, die Produktion aber wegen künstlerischer Meinungsverschiedenheiten verlassen hatte - wie zuvor schon der für den Freddy Mercury-Part engagierte Sacha Baron Cohen. Fletcher brachte die Produktion geräuschlos zu Ende, durfte wegen der Richtlinien der US Regisseursgewerkschaft Directors Guild of America aber nicht im Abspann genannt werden. Hier blieb der Name Bryan Singer stehen, der aber nach Bekanntwerden von Vorwürfen sexuellen Missbrauchs insgesamt zur persona non grata ernannt wurde und den nicht mal mehr sein langjähriger Mitarbeiter, der Komponist und Cutter John Ottman, auf der Oscar-Verleihung erwähnte.

Der unterhaltsame und mitreißende "Bohemian Rhapsody" deckt einen Zeitraum von 15 Jahren ab, von der Gründung der Band 1970 bis zum Live Aid-Konzert 1985. Drehbuchautor Anthony McCarten ("The Two Popes") komprimierte viele Ereignisse und Personen, veränderte zeitliche Reihenfolgen und dramatisierte durch Erfindungen - so fiel die Band wegen Mercury's Solo-Alben nicht auseinander und somit war Live Aid auch kein Queen-Comeback, noch erfuhr Freddy vor diesem Konzert von seiner AIDS-Erkrankung. McCarten meinte zu Vorwürfen, er verfälsche die Historie: "Wir drehen hier einen Spielfilm, keinen Dokumentarfilm."

Schärfer wurde indes kritisiert, dass die Filmemacher das komplexe, definitiv nicht jugendfreie Leben Mercurys zu einer "PG-13"-Produktion weichgespült hätten. Der milderen Altersfreigabe wegen verschweige der Streifen die Exzesse und begrenze die Darstellung der Homosexualität und des Drogenkonsums auf das Notwendigste. Der englische Kritiker Olly Richards umschrieb es so: "Ein zahmes, kompetentes, entschieden unskandalöses Biopic. Es behandelt das Leben von Freddy Mercury mit vorsichtiger Gewogenheit und ist bedacht, innerhalb der Regeln zu spielen, während es einen Mann zeigt, der alles andere als das tat."

Bei den Academy Awards ging der Oscar neben Rami Malek an Cutter John Ottman, die Tonmischer und die Ton-Cutter; der Film selbst war nominiert, unterlag aber "Green Book". Golden Globes gingen an Malek und den Film. Über Britische Filmpreise freuten sich Malek und die Tontechniker; nominiert waren der Film, Kameramann Newton Thomas Sigel, Cutter Ottman, Kostümbildner Julian Day und die Maskenbildner.

Kritiker Matthew St. Clair schrieb in "Cinema Sentries": "Dank seiner ästhetisch gefälligen Musikeinlagen und Rami Malek's eindrucksvollen Darstellung, dient der Film als eine angemessene Erinnerung an sowohl das musikalische Genius der Band als auch an Freddy Mercury's einmalige Bühnenpräsenz."



"Lawrence von Arabien", 3sat, 20:15 Uhr
Ein Teil der Lebensgeschichte von T.E. Lawrence (Peter O'Toole), dem brillanten, großspurigen und umstrittenen britischen Offizier, der im Ersten Weltkrieg die arabischen Stämme gegen die Türken vereint.

Eines der ganz großen Meisterwerke der Filmgeschichte, das "Epos aller Epen", wie es auch bezeichnet wird: Dreieinhalb Stunden grandioser Landschaften, brillanter Darstellungen und wunderschöner Photographie. Schon seit den vierziger Jahren hatte es Anläufe gegeben, das Leben von Lawrence, basierend auch auf seiner Autobiographie "Seven Pillars of Wisdom" aus dem Jahr 1926 zu verfilmen, bis es Anfang der Sechziger dann so weit war. Der britische Regisseur David Lean nahm sich des Stoffes an.

Neben den historisch verbürgten Ereignissen schildert das Drehbuch von Robert Bolt und Michael Wilson auch Lawrence's innere Konflikte mit der persönlichen Gewaltausübung, welche die Voraussetzung jeden Krieges ist, und deutet sado-masochistische Tendenzen bei der Titelfigur an -, mit seiner eigenen Identität - auch hier werden Anspielungen auf Homosexualität gemacht - und mit seiner gespalteten Loyalität zwischen seiner Heimat Großbritannien und seinen neu gefundenen Kameraden innerhalb der arabischen Wüstenstämme.

Lean besetzte mit Peter O'Toole und Omar Sharif unbekannte Gesichter in den Hauptrollen, gab dem ebenfalls wenig bekannten französischen Filmkomponisten Maurice Jarre die Gelegenheit, die sehr umfangreiche Filmmusik zu schreiben, und vertraute die Kamera dem renommierten Kameramann Freddie Young an.

Die Dreharbeiten dauerten die ungeheure Länge von Mai 1961 bis Oktober 1962. Lean hatte das Glück, an vielen der Orte, an denen die Handlung in Jordanien spielt, auch drehen zu können. Dazu kamen Aufnahmen in Marokko und Spanien. Dass ein Filmemacher tatsächlich in der Wüste dreht, mit allen logistischen Herausforderungen, die das mit sich bringt, schien gewagt, um nur das Mindeste zu sagen. Aber es machte sich mit Atem beraubenden Bildern und einer authentischen Atmosphäre auf der Leinwand dann mehr als bezahlt. Steven Spielberg nennt diesen britischen Abenteuerfilm von 1962 seinen Lieblingsfilm und das Werk, das seine Liebe zum Kino entflammte.

"Lawrence von Arabien" wurde bereits bei Erschienen als Meisterwerk gefeiert, mit weltweit 70 Millionen Dollar Umsatz zum erfolgreichsten Film des Jahres 1962 und so ein enormer finanzieller Erfolg für Columbia Pictures.

Dazu kamen zahlreiche Auszeichnungen: So gewann der Abenteuerfilm sieben Academy Awards: Als "Bester Film", für Regisseur David Lean, für Kameramann Freddie Young, für Komponist Maurice Jarre, für Cutterin Anne V. Coates, für die Bühnenbildner und für Tontechniker John Cox. Zusätzlich nominiert waren die Drehbuchautoren Robert Bolt und Michael Wilson, Hauptdarsteller Peter O'Toole und Nebendarsteller Omar Sharif. Bei den Golden Globes triumphierten der Film, Regisseur Lean und Nebendarsteller Sharif; nominiert waren die Hauptdarsteller O'Toole und Anthony Quinn sowie Komponist Jarre. Bei den Britischen Filmpreisen gewannen der Film, das Drehbuch, Hauptdarsteller O'Toole; nominiert war zudem Nebendarsteller Quinn.

1991 nahm die US-Library of Congress das Werk als "kulturell, historisch oder ästhetisch bedeutsam" ins National Film Registry auf, um es der Nachwelt zu erhalten.

Ein Zuschauer schwärmt: "Von der allseits bewunderten Photographie von Freddie Young mit der Weitaufname von Omar Sharif's Einritt wie eine Fata Morgana über die Prä-CGI-Schlachten bis zu Peter O'Toole's überbordender und Karriere machender Darstellung, hat dieser Film Standards gesetzt, die finanziell und praktisch heutzutage niemand mehr so wagen würde."



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