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Doctor Sleeps Erwachen - Ewan McGregor
Doctor Sleeps Erwachen - Ewan McGregor
© Warner Bros.

TV-Tipps für Sonntag (24.4.): Ewan McGregor schließt mit der Vergangenheit ab

Pro7 zeigt Premiere "Doctor Sleeps Erwachen"

Am Sonntagabend sind es erneut die Privaten, die das Beste in Sachen Spielfilm offerieren. RTL2 zeigt im Hauptprogramm "Operation Walküre" mit Tom Cruise als Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Danach strahlt Pro7 die TV-Premiere "Doctor Sleeps Erwachen" aus, die späte Stephen King-Fortsetzung zu "The Shining".

"Operation Walküre", RTL2, 20:15 Uhr
Eine Gruppe verzweifelter deutscher Offiziere plant ein Attentat auf Adolf Hitler und versucht am 20. Juli 1944 einen Staatsstreich.

2007 wogten die Empörungswellen in den deutschen Medien und Politik hoch: Die Ikone des militärischen Widerstands vom 20. Juli, Claus Schenk Graf von Stauffenberg, sollte von Tom Cruise dargestellt werden? Für viele ein Affront, denn als Mitglied und Werbeikone der Scientology-Sekte steht der Darsteller für viele für ein undemokratisches Handeln und sollte in keinem geschichtsbewussten Film als ein Mann auftreten, der für seine Ideale sein Leben gab.

Auch Angehörige der am Putsch Beteiligten äußerten sich kritisch: "Ich befürchte, dass aus diesem Projekt nur furchtbarer Kitsch herauskommen wird", erklärte zum Beispiel Berthold Maria Schenck Graf von Stauffenberg, ehemaliger Bundeswehr-General und ältester Sohn von Stauffenberg. "Cruise sollte die Hände von meinem Vater lassen." Dass United Artists den Streifen als Thriller, einer Mischung aus "Mission: Impossible" und "The Great Escape", ankündigten, ließ die Kritiker des Unterfangens in der Tat das Schlimmste befürchten.

In der Filmindustrie teilte man die Vorbehalte gegen Cruise nicht, und mit Florian Henckel von Donnersmack, der gerade seinen Oscar für "Das Leben der Anderen" erhalten hatte, Armin Müller-Stahl und Wolfgang Petersen setzten sich Künstler für die Produktion ein.

Einige Politiker versuchten dennoch zu erreichen, dass Berlin der United Artists-Produktion keine Drehgenehmigung erteilte - doch dass zwei Drittel der 75 Millionen Dollar Produktionskosten in Berlin und Brandenburg hängen bleiben sollten, war auch nicht zu verachten. So hieß die deutsche Bundesregierung Produzent und Hauptdarsteller Cruise willkommen, und der Deutsche Filmförderfonds beteiligte sich mit knapp 5 Millionen Euro sogar noch an dem Werk.

Schlussendlich wurde "Valkyrie" fast gänzlich in Berlin und Brandenburg gedreht; lediglich die in der tunesischen Wüste spielende Eröffnungssequenz filmte Regisseur Bryan Singer ("X-Men: Apocalypse") in Kalifornien. Ein Coup gelang den Filmemachern mit der Erlaubnis vom Bundesfinanzministerium, an den Originalschauplätzen des Bendlerblocks in Berlin drehen zu dürfen, in dessen Hof Stauffenberg und einige Mitverschwörer in der Nacht des 21. Juli erschossen worden waren. Das Verteidigungsministerium, das den Bendlerblock, an dem heute die Gedenkstätte Deutscher Widerstand untergebracht ist, nutzt, hatte sich gegen das Ansinnen gestellt, weil es die Würde des Ortes bedroht sah.

Die Kameras liefen außerdem auf dem Tempelhofer Flughafen, an den Messehallen am Funkturm, am Hauptzollamt Berlin und im Filmstudio Babelsberg. Hitler's Führerhauptquartier Wolfsschanze, das eigentlich im ostpreußischen Rastenburg, dem heutigen polnischen Kętrzyn, lag, wurde 60 Kilometer südlich von Berlin im Schenkenländchen nachgebaut. Als Landeplatz der Wolfsschanze stand der ehemalige NVA-Flugplatz bei Klein Köris ein. Der Berghof in den Alpen wurde digital erzeugt - ebenso wie die fehlende Hand und fehlenden Finger von Stauffenberg digital retuschiert wurden.

Dass sich die Amerikaner der dort wenig bekannten Geschichte der Verschwörung vom 20. Juli, die vom deutschen Kino 1955 gleich zweimal und 2004 mit Sebastian Koch im Fernsehen aufgegriffen worden war, widmeten, lag an Drehbuchautor Christopher McQuarrie. Als dieser 2002 in Berlin für ein anderes Filmprojekt recherchierte, stieß er auf den Bendlerblock und die Gedenkstätte. Er war von der Geschichte fasziniert und sah auch das Potential für einen Spielfilm. Er konnte Singer, mit dem er bereits 1995 bei "The Usual Suspects" zusammen gearbeitet hatte, für die Inszenierung interessieren.

Singer, ebenfalls mit dieser Phase deutscher Geschichte wenig beleckt, kniete sich seinerseits in die Recherche, was man dem Film, der nur wenige historische Ungenauigkeiten aufweist, dafür aber viel Verständnis für die Mechanismen und das Machtgefüge des Dritten Reiches zeigt, ansieht.

Mit einer unbeholfenen Werbekampagne - die schon zu Befürchtungen führten, der Film könne eine "Lachnummer" werden - und mehrmals verschobenen Premierenterminen verbaselten United Artists den Start ihrer Prestige-Produktion, aber als dann zu Weihnachten 2008 endlich die Projektoren surrten, zeigte sich, dass es viel Lärm um nichts gegeben hatte: Weder war den Filmemachern ein Meisterwerk gelungen, noch hatten sie eine Katastrophe produziert. Stattdessen gab es einen unterhaltsamen, wenn auch austauschbaren US-Thriller mit herausragenden Produktionsbedingungen und einer exzellenten Besetzung hauptsächlich britischer Darsteller zu sehen.

Die Kritiker waren "Valkyrie" gewogen, der mit weltweit 200 Millionen Umsatz ein Erfolg, aber von der Filmindustrie in Sachen Preisverleihung komplett ignoriert wurde.

Kritiker Sonny Bunch schrieb in der "Washington Times": "Spannung aufrecht zu erhalten, wenn der Ausgang doch schon feststeht, ist keine Kleinigkeit, und Bryan Singer und Konsorten gelingt das hier so gut, wie man nur hoffen konnte."



"Doctor Sleeps Erwachen", Pro7, 22:55 Uhr
Eine vampirartige Gruppe (angeführt von Rebecca Ferguson) hält sich am Leben, indem sie übersinnlich begabte Kinder tötet. Als sie ein telekinetisches Wunderkind (Kyliegh Curran) als Opfer ins Auge fasst, sucht das Mädchen Beistand bei einem Arzt (Ewan McGregor), der seinerseits über hellsichtige Fähigkeiten verfügt.

Auch wenn es Stephen King nicht passt: Die von ihm gescholtene Adaption seines 1977 erschienenen Romans "The Shining" durch Stanley Kubrick im Jahr 1980 hat solche Maßstäbe gesetzt und sich dermaßen ins kulturelle Gedächtnis eingebrannt - siehe dazu auch Steven Spielberg's "Ready Player One" von 2018 -, dass sich Regisseur, Drehbuchautor und Cutter Mike Flanagan bei der Verfilmung der 2013 erschienen späten Fortsetzung "Doctor Sleep" an Kubrick's Film und weniger an den Romanen orientierte.

Flanagan reinszeniert Szenen aus "The Shining" neu und nutzt die Gelegenheit in seinem US-Horrorfilm, das Finale aus dem ersten Roman, das Kubrick wie so vieles völlig abgeändert hatte, hier nachzuholen. Insofern ist "Doctor Sleep" - so auch der Originaltitel der Verfilmung - ein sich interessant überlappender und gegenseitig aufeinander verweisender Kosmos aus zwei Büchern und einem Film. Was umgekehrt auch bedeutet, dass "The Shining"-Kenner hier klar im Vorteil sind.

Warner Brothers Pictures hatten sich 2016 die Verfilmungsrechte an King's Roman gesichert, warteten aber erstmal das Ergebnis ihrer King-Adaption "It" im darauf folgenden Jahr ab. Als dieser ein Riesenerfolg wurde, gaben sie grünes Licht für den 55 Millionen Dollar teuren "Doctor Sleep", der in und um Atlanta im US-Bundesstaat Georgia entstand.

Flanagan schlägt in seinem Film einen nachdenklicheren Tonfall als Kubrick an, der auf unaufhörlichen Schrecken gesetzt hatte, und balanciert schmerzhafte Themen und Gänsehautmomente geschickt aus.

Dass eine Stephen King-Adaption nicht automatisch die Kassen klingeln lässt, mussten die Filmemacher und Warner Bros. dann allerdings 2019 erfahren. Mit nur 72 Millionen Dollar Umsatz weltweit war "Doctor Sleep", der gemischte Kritiken erhalten hatte, ein nur mäßiger Erfolg und gefühlter Misserfolg.

Kritiker Richard Crouse schrieb: "Der Film wirkt wie eine Hommage an 'The Shining', bringt aber genügend eigene Ideen über die Auswirkungen eines Kindheitstraumas und den andauernde Schmerz wegen einer zerstörten Familie ein, um eine eigene Fülle und Originalität zu erreichen."



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