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Geheimsache Alain Delon

Skandalbuch kam in die Buchhandlungen

Das Buch war ein Skandal, obwohl noch kein einziger Satz an die Öffentlichkeit gedrungen war. "Les Mystères Delon", die Biographie des französischen Stars Alain Delon, war das erste Buch in der französischen Rechtsgeschichte, das mit einem Veröffentlichungsverbot belegt wurde, bevor es überhaupt geschrieben war. Nachdem der ursprüngliche Verlag Grasset eine 18seitige Zusammenfassung an die Anwälte Delons schickte, auf welcher der in Frankreich geschätzte Journalist Bernard Violet seine Biographie basieren lassen wollte, war Delon alarmiert, befürchtete eine Schmutzwäsche in Druckform und erwirkte ein Verbot des Buches. In einem Revisionsverfahren hob ein Pariser Gericht vergangenes Jahr diesen Beschluß wieder auf. Dennoch hatte der jetzige Verlag Flammarion vor weiteren rechtlichen Schritten des Schauspielers so große Sorge, daß sie die Biographie am Wochenende nur unter größter Geheimhaltung an die Buchläden auslieferten. Die Veröffentlichung war so geheim, daß nicht mal die Buchhändler informiert worden waren. Nicole Saillot, eine Verkäuferin in einem Pariser Buchladen meint, sie habe "so was noch nicht erlebt. Wir waren informiert worden, daß ein Buch über Präsident Chirac desselben Autors eintreffen würde; uns wurden sogar all das Werbematerial und die Poster geschickt. Aber als wir die Kartons öffneten, war da Delon."
Tatsächlich eignet sich das Leben der 65jährigen Ikone für die ein oder andere Skandalgeschichte. Der Darsteller hat im Laufe seiner Karriere oft mit der Polizei zu tun gehabt, war ein enger Freund des korsischen Gangsters François Marcantoni und kannte auch andere Größen der französischen Unterwelt. 1968 war Alain in einen handfesten Skandal verwickelt, als die Leiche seines ehemaligen Leibwächters Stefan Markovic auf einer Müllhalde in einem Pariser Vorort gefunden wurde. Die anschließenden Untersuchungen deckten ein Netz von Drogenhandel, Erpressung und pornographischen Photos auf, die zahlreiche Prominente und Politiker kompromitierten, und erschütterten die Republik. Delon wurde mehrfach von der Polizei verhört, aber der Mord blieb ungeklärt. Für viele enttäuschend bleibt er dies auch in Violets Buch, das auch ansonsten keine Überraschungen zu bieten hat, obwohl der Autor 170 kg an Material zusammengetragen und über 100 Stunden Gespräche mit Freunden, Verwandten und anderen Quellen geführt haben will. Alain Delon, der letztes Jahr seinen Rückzug aus dem Filmgeschäft bekanntgegeben hatte, nachdem seine Komödie "Une Chance Sur Deux" mit Jean-Paul Belmondo übel verrissen worden war, äußerte sich dann auch zuletzt für seine Verhältnisse gelassen über das vermeintliche Skandalbuch, das ihm zunächst schwer aufgestoßen war: "Monsieur Violet interessiert mich einen Scheiß."


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