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Kritik: Kiss the Cook: So schmeckt das Leben (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

In "Kiss the Cook" spielt der Regisseur und Drehbuchautor Jon Favreau auch die Hauptrolle des Gourmetkochs Carl Casper. Das ganze Filmprojekt kündet nicht nur von persönlicher Leidenschaft, sondern erzählt auch davon: Um wieder richtig gut und kreativ zu kochen, muss Carl die im Berufsstress verloren gegangene Lebensfreude wiederfinden. Der fällige Downsizing-Prozess erlaubt es ihm auch, wieder mehr Zeit mit seinem kleinen Sohn Percy zu verbringen.
Vieles an dieser humorvollen, sinnlichen Geschichte ist ungewöhnlich und ein wenig sperrig, wie sich das für einen unabhängig produzierten Stoff gehört. Zum Beispiel begegnet man hochkarätigen Darstellern wie Dustin Hoffman, Scarlett Johansson und Robert Downey Jr. lediglich in Neben- oder Gastrollen. Der Grundgedanke des Films, dass ein Starkoch mit seinem eigenen Imbisswagen der Selbstverwirklichung näher kommt als in einem Lokal, in dem er angestellt ist, wirkt etwas gewagt. Favreau zufolge hat auch die Gourmetküche ihre Wurzeln in den ehrlichen, traditionellen Gerichten des Landes. Der Roadtrip mit dem Imbisswagen von Miami über New Orleans und Austin bis nach Los Angeles gibt Carl die Gelegenheit, seinem Sohn einfache lokale Spezialitäten wie kubanische Grill-Sandwiches und frittierte Beignets zu präsentieren, die er auch auf die eigene Speisekarte setzt. Mit gesundem Essen hat dieser geschmackliche Purismus zwar nicht viel zu tun, aber Favreaus Koch entwickelt am Herd des Imbisswagens das gleiche überzeugende Engagement wie überall, wo er seiner Arbeit nachgehen kann. Wiederholt frönen Montagesequenzen nur der Freude am Kochen, wenn die Zwiebeln in der Pfanne brutzeln und das Hantieren mit dem Gemüsemesser so virtuos wie die Show eines Magiers aussieht. Dazu gibt es viel Musik, von Reggae über Latin bis zu Bluesrock.
Wer das echte Leben spüren will, muss hinaus auf die Straße gehen, sich in den Trubel stürzen, lautet eine Botschaft dieses Films, der viel Wert auf Realitätsnähe legt. Die Beziehung von Vater und Sohn wirkt eher normal durchwachsen, als dass sie einem dramaturgisch ausgefeilten Kurs folgt. Carl ist weder besonders einfühlsam, noch außergewöhnlich geduldig, zugewandt oder gar witzig. Auch die schönsten Momente, die er mit Percy erlebt, bleiben eher unscheinbar. Ein hübsches wiederkehrendes Motiv ist die ambivalente Macht der Social Media, mit denen der Sohn so vertraut ist. Vieles passiert eher im Hintergrund, wie die Sache mit der Liebe zwischen Carl und Inez. Weder der Darsteller Favreau, noch die Inszenierung lassen dem Film jedoch Flügel wachsen, um ihn vor Längen und Durststrecken zu bewahren.

Fazit: Kann ein Gourmetkoch mit einem Imbisswagen glücklich werden? Die sinnliche Komödie von Jon Favreau schickt einen Gastronom und Vater auf die Suche nach den wichtigen Dingen im Leben, aber ihr ausgeprägter Realismus entfaltet nicht immer die optimale Spannung.





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