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Kritik: 40 Tage in der Wüste (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Dieses auf einem biblischen Motiv basierende Drama des Regisseurs Rodrigo García ("In Treatment – Der Therapeut") ist in dreifacher Hinsicht eine Geschichte über Väter und Söhne. Erstens imaginiert García, wie sich Jesus, der hier wie im Hebräischen Jeshua genannt wird, während seiner biblisch nur kurz erwähnten Fastenzeit in der Wüste auf seine Rolle als Messias vorbereitet hat. Zweitens lässt ihn der Regisseur und Drehbuchautor eine Familie kennenlernen, in der er einen Vater-Sohn-Konflikt schlichten muss. Und drittens verweist die Thematik von Söhnen, die ihre übermächtigen Väter lieben und dennoch einen eigenen Weg gehen müssen, auch zurück auf Garcías Eigenschaft als Sohn eines berühmten Vaters, nämlich des Literaturnobelpreisträgers Gabriel García Márquez.

Jeshua unterscheidet sich als Wanderer durch die Wüste nicht von anderen Eremiten, die Erleuchtung suchen. Er vollbringt keine Wunder, er will Versuchungen widerstehen und wird doch von Albträumen und Zweifeln geplagt. Für besondere Spannung sorgt die Konstruktion mit dem teuflischen Doppelgänger, der oft an Jeshuas Seite steht und schlecht über Gott redet. Ewan McGregor gibt seinen beiden Rollen eine unaufdringliche, aber sehr glaubhafte Prägung, wobei ihm auch das spöttische Lächeln der Versuchung gut steht. Der Wüstenfamilie gegenüber wird Jeshua auf seine stille Art zum Psychologen, der den Jungen und seinen Vater dezent mit ihren Rollen und Pflichten zu versöhnen versucht. Was bedeutet es, ein guter Sohn zu sein, und wie schafft es ein Vater, sich mit dem Wandel der Zeit und der Werte zu versöhnen?

Kameramann Emmanuel Lubezki ("The Revenant", "Gravity") findet in der Wüste – gedreht wurde nicht am Schauplatz der Geschichte nahe Jerusalem, sondern in Südkalifornien – spektakuläre Panoramen. Die weißen Felsformationen, das Licht zu wechselnden Tageszeiten, der Blick von Anhöhen auf die endlose Weite lässt die Aufnahmen wie Gemälde wirken. In diesen Kompositionen aus wenigen, matten Farben ist Jeshua in seiner zerlumpten Kleidung oft der dunkelste Punkt. In vielen Einstellungen passiert kaum etwas, außer dass Jeshua seinen Blick in die Ferne schweifen lässt und ihn dabei auch nach innen richtet. Die Atmosphäre bleibt stets im Zwiespalt zwischen Ruhe und Verlorenheit. So wirkt dieses kontemplative Drama auch rätselhaft und unbestimmt, wie ein Traum, der sich dem Bewusstsein zum Teil entzieht.

Fazit: Regisseur Rodrigo García stellt sich in diesem Drama vor, wie der in der Bibel erwähnte Fasten-Aufenthalt von Jesus in der Wüste verlaufen sein könnte. Er lässt ihn nicht nur über seine eigene Rolle als Sohn nachdenken, sondern auch im Vater-Sohn-Konflikt einer Familie, die in der Wüste lebt, vermitteln. Ewan McGregor überzeugt in der Doppelrolle als liebender Sohn Jesus und als Teufel, der den Schöpfer und seine Motive herabsetzt. Die majestätischen Landschaftspanoramen verstärken den kontemplativen Charakter dieser subjektiv und rätselhaft erzählten Geschichte.





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