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BFG - Big friendly Giant
BFG - Big friendly Giant
© Constantin Film

Kritik: BFG - Big friendly Giant (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Fantasievoll, schrullig und auch ein bisschen schräg geht es zu in diesem Kinderfilm, der auf dem Buch "Sophiechen und der Riese" von Roald Dahl basiert. Regisseur Steven Spielberg hat die Geschichte, in der ein Waisenmädchen einen einsamen, sensiblen Riesen kennenlernt, ersichtlich mit großer Hingabe inszeniert. Die Mischung aus Realfilm, Performance-Capture-Technik und virtuellen Welten sorgt für ausgiebigen visuellen Genuss, der die Vorstellungskraft auf Reisen schickt. Die gemütvolle Handlung über Freundschaft, Träume und Grundvertrauen verfügt über den leicht skurrilen Humor der Buchvorlage. Aber auch ein betulicher Ton und das stellenweise detailverliebte Erzähltempo fallen auf.

Ein Riese, der ein Kind entführt, sich aber von Kotzgurken ernährt: Der Charakter BFG biegt die schlimmen Erwartungen Sophies ganz schön um und überrascht mit sympathischen Eigenheiten. Er spricht sehr merkwürdig und unbeholfen, auch sein Denken mutet simpel und bedächtig an. Die Visualisierung dieser Figur mit hagerem Äußerem, beweglichen Flügelohren und einem gutmütig-sensiblen Gesichtsausdruck überzeugt. Den Performance-Capture-Darsteller Mark Rylance erkennt man in BFG praktisch kaum wieder, während die Newcomerin Ruby Barnhill als Sophie sehr authentisch und geerdet wirkt. Das mutige Mädchen stellt BFG unentwegt Fragen und macht es ihm unmöglich, sich der Kraft ihrer Argumente zu verschließen. Die dynamische Freundschaft dieser beiden einsamen Wesen ergibt schöne Momente zum Schmunzeln. Der kindliche Glaube an die Macht des Präsidenten, oder der englischen Königin (Penelope Wilton), die stärker ist als alle Bösewichte, wird jedoch auf etwas antiquiert anmutende Weise in dieser Geschichte betont.

Die Gestaltung der virtuellen Welten mit ihren Landschaften, den neonfarbenen Träumen, die darin als Kugeln herumschwirren, und mit den furchterregenden bösen Riesen zeugt von großer Sorgfalt. Auch in der Höhle von BFG gibt es viel zu entdecken. Das Spiel mit den Größenunterschieden ist reizvoll, aber der immense Aufwand des Drehs und der Bildbearbeitung führt auch zu einigen etwas holprigen Schnitten. Die Ausdrucksmöglichkeiten der Protagonisten wirken eingeschränkt und es fehlt eine gewisse natürliche Lebendigkeit. Das ist besonders schade in Kombination mit den vielen Szenen, in denen die Handlung fast zum Erliegen kommt, wie bei der königlichen Teezeremonie: Wie sich der Riese auf seinen Stuhl setzt, die Tasse zum Mund führt, das kann offenbar nicht ausführlich genug erzählt werden.

Fazit: Steven Spielberg verfilmt die Kinderbuchvorlage von Roald Dahl mit viel emotionaler und handwerklicher Hingabe. Er findet für die fantasievolle, mit Humor und Sinn für Skurriles gewürzte Geschichte über ein Waisenmädchen und einen freundlichen Riesen ansprechende, technisch aufwändige Bilder. Die Schauwerte und der Charme, den die Freundschaft der beiden ungleichen Hauptfiguren entfaltet, werden gelegentlich durch das betuliche Erzähltempo ausgebremst.





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