VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
10 Milliarden - Wie werden wir alle satt?
10 Milliarden - Wie werden wir alle satt?
© Prokino © 24 Bilder

Kritik: 10 Milliarden - Wie werden wir alle satt? (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der neue Dokumentarfilm des Bestseller-Autors und Food-Fighters Valentin Thurn ("Taste the Waste") geht von der Prämisse aus, dass die Agrarwirtschaft in ihrer heutigen Form nicht in der Lage sein wird, zehn Milliarden Menschen zu ernähren. Er lässt von Amerika bis Fernost Unternehmer, Wissenschaftler, Bauern und Verbraucher zu Wort kommen, die nach Zukunftsmodellen suchen. Das Fazit des Regisseurs, der das Gesehene und Gehörte selbst kommentiert, lautet: Massenproduktion und industrielle Landwirtschaft müssen einer regionalen Vielfalt aus Öko- oder traditionellem Anbau weichen. Diese Ansicht liegt im Trend, denn immer mehr Menschen machen sich Gedanken über die Qualität ihrer Nahrungsmittel, eine nachhaltige Produktion und Alternativen zum profitorientierten Handel.


Thurn lässt 23 Protagonisten zu Wort kommen, von der afrikanischen Kleinbäuerin bis zum Produzenten gentechnisch veränderten Saatguts. Die Vielfalt der Haltungen und Lösungsmodelle ist sehr informativ. Obwohl Thurn den Aussagen, mit denen er nicht übereinstimmt, nachträglich Gegenargumente und Relativierungen hinzufügt, lässt er konträre Positionen zumindest nicht von vornherein unter den Tisch fallen. Die Gefahr einer solchen subjektiven Kommentierung ist, dass der Filmemacher in eine allwissende Position gerät. Man sollte seine Stellungnahmen, auch wenn sie sehr differenziert wirken, also nicht als Expertise, sondern nur als Zwischenruf betrachten. Thurn hat selbst immer wieder den Anspruch, zum Beispiel im Bereich des ökologisch und sozial orientierten Anbaus und Handels, nicht den Königsweg, sondern vielmehr die Verästelungen aufzuzeigen.

Nahrungsmittelproduktion ist, weil es um Lebewesen und natürliche Ressourcen geht, ein sehr emotional besetztes Thema. Die Fischzucht in Containern, und sei sie noch so ökologisch, halten sicher nicht alle für nachahmenswert. Aus Stammzellen im Reagenzglas gewachsenes Rindfleisch klingt als Zukunftsmusik noch dissonanter. Auf weniger Vorbehalte dürfte die Feststellung stoßen, dass sich die asiatischen und afrikanischen Kleinbauern aus dem Würgegriff globaler Preisschwankungen befreien müssen. Auch aus diesem Grund ist es, wie der Film aufzeigt, wahrscheinlich sinnvoll, in Europa mehr regionale Produkte zu kaufen. Oder dem Beispiel des Briten Rob Hopkins zu folgen und eine kommunale Währung einzuführen, damit das Geld der Verbraucher den örtlichen Betrieben zugute kommt. Dieser anregende Überblick über alte und neue Wege in der Nahrungsmittelproduktion gleicht der Zwischenbilanz auf einer Expedition, die in vollem Gang ist.

Fazit: Der Dokumentarfilm von Valentin Thurn stellt verschiedene Modelle zur Steigerung oder Verbesserung der Lebensmittelproduktion vor. Die subjektiven Stellungnahmen des Regisseurs schmälern den Wert dieses um Differenzierung bemühten, informativen Films nicht, wenn man sie als Diskussionsbeitrag und nicht als der Weisheit letzter Schluss betrachtet.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.