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Erschütternde Wahrheit
Erschütternde Wahrheit
© Sony Pictures

Kritik: Erschütternde Wahrheit (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

1999 kam Michael Manns siebenfach oscarnominiertes Thrillerdrama "Insider" in die Kinos. In den auf wahren Begebenheiten beruhendem Film verkörpert Russell Crowe einen Chemiker, der sich der gesamten US-Tabakindustrie entgegenstellt und der deshalb entsprechend massiv unter Druck gesetzt wird. "Erschütternde Wahrheit" erzählt eine ganz ähnliche, ebenfalls auf wahren Ereignissen basierende Geschichte. Bei dieser kommt dem von Will Smith auf brillante Weise gespielten Dr. Bennet Omalu die Rolle des guten David zu, während der böse Goliath der mächtige amerikanische Football-Verbund NFL ist. Der Autor und Regisseur Peter Landsman betont hierbei den inneren Konflikt, der Omalu quält: Der äußerst ehrgeizige siebenfach diplomierte Mediziner aus Nigeria hat sein ganzes Leben davon geträumt ein ordentlicher Staatsbürger im Land seiner Träume zu werden. Jetzt kommt seine bisher wichtigste berufliche Entdeckung einem Frontalangriff auf eines der größten US-Heiligtümer gleich. Dies verleiht dem kauzigen Charismatiker zusätzliche Tiefe. Will Smith dabei zuzusehen, wie er per Kopfhörer Musik hörend eine Leiche obduziert und dabei mit dem Toten spricht ("Wir müssen das zusammen machen, ich kann das nicht alleine tun") macht "Erschütternde Wahrheit" bereits zu einem sehenswerten Film. Ebenfalls sehr spannend ist Omalus anfängliche medizinische Detektivarbeit.

Leider können weder die weiteren Charaktere, noch der Rest der Story damit mithalten. Dies liegt dies nicht an den Darstellern. Insbesondere Albert Brooks (der fiese Oberganove Bernie Rose in "Drive") als Dr. Cyril Wecht und Alec Baldwin (der feiste Oberbulle Ellerby in "Departed") als Dr. Julian Bailes verleihen ihren Charakteren ebenfalls ordentlich Fleisch. Der große Spielverderber ist dahingegen Landsman Drehbuch, das extrem schematisch aufgebaut ist und das sämtlichen Figuren ständig absolut künstliche Hollywood-Sätze in den Mund legt. Beispielsweise wird Dr. Omalu als ein extremer Streber und Nerd eingeführt, der "lieber mit Toten, als mit Menschen redet". Deshalb kommt von seinem väterlichen Vorgesetzten Dr. Wecht sehr schnell der originelle Rat, dass sich Omalu mal eine Freundin zulegen sollte. Kaum wurde dies ausgesprochen, zieht die bildschöne Prema bei Omalu ein - einfach, weil sie gerade keine eigene Wohnung hat. Als der Mediziner später seine große Entdeckung dem ehemaligen Mannschaftsarzt der Steelers mitteilt, versucht jener dem nerdigen Pathologen zu vermitteln, wie sehr die Menschen das Spiel lieben, das der Arzt so nüchtern analysiert: "Es ist unglaublich gewalttätig und brutal - und zugleich ist es Shakespeare!" - Dies ist sicherlich nicht die Art von Sprache, die ein Arzt spricht, der nach eigenen Angaben stets nur damit beschäftigt war, angeschlagene Spieler wieder notdürftig zusammenzuflicken, um sie auf Teufel komm raus für die nächste Spielrunde fit zu machen...

Fazit: "Erschütternde Wahrheit" glänzt mit einem überragenden Will Smith in der Titelrolle und gut besetzten Nebenrollen. Leider dämpfen die schematischen Dialoge und das Drehbuch nach Hollywood-Baukastenprinzip (Anfängerset-A) den ansonsten guten Gesamteindruck.





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