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Mein Blind Date mit dem Leben
Mein Blind Date mit dem Leben
© Studiocanal

Kritik: Mein Blind Date mit dem Leben (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Regisseur Marc Rothemund ("Mann tut was Mann kann") hat die unglaubliche, aber wahre Geschichte von Saliya Kahawatte verfilmt. Der Deutsch-Singhalese, der seine Autobiografie "Mein Blind Date mit dem Leben" nannte, absolvierte mit einem nur fünfprozentigen Sehvermögen die Ausbildung zum Hotelfachmann. Der Spielfilm schildert mit dem hervorragenden Schauspieler Kostja Ullmann in der Hauptrolle sehr anschaulich, welche ungeheure Kraftanstrengung und eiserne Disziplin es Sali abverlangt, die Stationen seiner Ausbildung zu durchlaufen. Nur wenige sind in sein Geheimnis eingeweiht und er hat einen guten Freund, der ihm zur Seite steht. Oft hat er auch einfach Glück, aber dann trifft Sali an der Bar in Ausbilder Kleinschmidt (Johann von Bülow) einen unerbittlichen Widersacher, der ihn schikaniert und abmahnt.

Der schwungvoll inszenierte, unterhaltsame und humorvolle Film beweist, wie verblüffend weit es ein Mensch mit dem Versuch bringen kann, seine fehlende Sehkraft zu kompensieren. Sali schärft seine anderen Sinne, lernt vieles auswendig, übt abends mit Max, Drinks zu mixen und Getränke an der Form der Flaschen zu erkennen. Seine Abenteuer im Hotel Bayerischer Hof sind nicht nur hochspannend, sie führen auch eindrücklich vor, dass Menschen mit Behinderungen viel mehr Chancen verdienen.

Schon auf das Bewerbungsgespräch muss sich Sali minutiös vorbereiten. Jedes Stolpern, jedes Hindernis, jeder Blick am Gesprächspartner vorbei könnte ihn auffliegen lassen. Man fiebert enorm mit dem sympathischen Charakter mit. Rothemund erweist sich einmal mehr als sehr talentierter Regisseur, der seine Charaktere und ihre Dramen authentisch schildern kann, ohne dass das angestrengt wirkt. Der unbeschwerte, lebenslustige Max sorgt als Sidekick dafür, dass der Humor nicht zu kurz kommt. Und die romantische Geschichte mit Laura gerät berührend und dank Anna Maria Mühes Spiel auch sehr natürlich.

Als Schauplatz dient dem Film das traditionsreiche Münchner Hotel Bayerischer Hof. Man kann sich kaum sattsehen an diesem edlen Ambiente und wenn von den Auszubildenden im Film überall, beim Bettenmachen, Tischdecken, Bedienen Perfektion verlangt wird, erscheint das an einem solchen Ort selbstverständlich. Die Wohlfühlatmosphäre nimmt der Geschichte nichts von ihrem Nervenkitzel. Ein wirklich gelungener Film, der die außergewöhnliche Leistung dieses fast blinden Menschen angemessen würdigt und dabei auch noch blendend unterhält.

Fazit: Marc Rothemund erzählt die unglaubliche, aber wahre Geschichte eines fast blinden Hotel-Azubis, der seine Behinderung geheim hält und mit enormem Fleiß und Lerneifer kompensiert. Spannung, Elan, Humor und das Wohlfühlambiente eines Münchner Nobelhotels ergeben eine sehr unterhaltsame Mischung. Der authentischen und sympathischen Figurenzeichnung und dem überzeugenden Spiel von Kostja Ullmann gelingt der Brückenschlag zwischen dramatischem Ernst und vergnüglich-naivem Charme.





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