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Kritik: Der geilste Tag (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Zwei ungleiche Buddys, die ihre letzten Tage nicht im Hospiz verbringen möchten, stehen im Zentrum dieses tragikomischen Roadmovies von Drehbuchautor und Regisseur Florian David Fitz. Dass Fitz auch zusammen mit Matthias Schweighöfer vor der Kamera steht, gibt dem Film seinen besonderen Reiz. Nach einem starken Anfang kommt der Mainstream-Charakter der Geschichte zum Vorschein, woran auch die überraschenden Wendungen im Finale nichts mehr ändern. Unterwegs herrschen die lustigen Töne vor, aber das Ziel, nicht auf die Tränendrüse zu drücken, wird gegen Ende nur halbherzig verfolgt. Generell hat diese Geschichte wenig Neues zum Thema Abschied vom Leben beizutragen, aber ihre humorvolle Herzlichkeit, die sie vor allem auch dem Spiel von Matthias Schweighöfer verdankt, bereitet immer wieder Vergnügen.

Benno und Andi sind jung und sie wissen, dass sie sterben müssen. Wenn der rebellisch-aggressive Benno also meint, dass sie sich ruhig noch etwas gönnen sollten, auch wenn es ihr finanzielles Budget bei weitem übersteigt, dann klingt das irgendwie nur recht und billig. Sie fahren im Sportwagen vor einem Straßencafé vor, aber Anfänger Andi kann das schicke Cabrio nur ruckelnd steuern und Benno darf nicht ans Lenkrad, weil er ja blitzartig in Tiefschlaf fällt. Mit solchen Szenen entwickelt die Komödie ihren ganz eigenen, ansteckenden Humor. Auf der Reise blättert Andi gerne in dem Buch "1000 Places to See Before You Die" - auch das ein neckischer Einfall. Die Fahrt bleibt zwar oft erfreulich nahe an der Realität und schwelgt nicht in lauter Highlights, aber dann kommt diese peinlich-absurde Szene, in der eine Löwin Andi beim Austreten erschreckt und ihm ihren Urin ins Gesicht spritzt. So erweisen sich leider nicht alle Einfälle als glücklich oder vorteilhaft für den Spannungsbogen.

Weil Andi ängstlich ist und Benno nicht, weil Andi den zehnjährigen Jungen, der sich in ihrem Wohnmobil versteckt, mitfahren lassen will, Benno aber nicht, gibt es reichlich Stoff für Reibereien und charakterliche Entwicklung. Weniger spannend ist Bennos Begegnung mit Mona, weil sie sehr schematisch verläuft. Dass Florian David Fitz sein eigener Regisseur ist, tut seinem Spiel übrigens nicht besonders gut, es wirkt etwas steif und zurückhaltend. Insgesamt bleibt also festzustellen, dass der Film sein schelmisch-radikales Potenzial nicht konsequent ausspielt. Eine originelle Handschrift oder eine starke Aussage sind ihm weniger wichtig, als etwas Unterhaltsames aus Humor, Spaß und bittersüßem Gefühl zusammenzustricken.

Fazit: In der Tragikomödie von Florian David Fitz wollen zwei todgeweihte junge Männer ihr Leben mit einer Spaß- und Erlebnisreise nach Südafrika beschließen. Das Roadmovie, das Fitz und Matthias Schweighöfer vor der Kamera vereint, setzt der latenten Traurigkeit konsequent Witz und Ironie entgegen und entwickelt dabei erfrischenden Charme. Allerdings folgt die Geschichte dann doch lieber gefälligen Klischees, als wirklich neue Akzente zu setzen.





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