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Jesus Christus - Der junge Messias
Jesus Christus - Der junge Messias
© Concorde

Kritik: Jesus Christus - Der junge Messias (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Mit dem Leben von Jesus Christus verbindet man für gewöhnlich drei Episoden: seine Geburt in Bethlehem, seine Lehren als junger Erwachsener einschließlich der vollbrachten Wunder, sowie die Passionsgeschichte. Weniger bekannt ist, wie er seine Kindheit verbrachte. In diese Lücke stößt nun der Spielfilm des amerikanischen Regisseurs Cyrus Nowrasteh, der auf dem Roman "Jesus Christus. Rückkehr ins Heilige Land" von Anne Rice basiert. Er imaginiert die spannende Phase, als der siebenjährige Knabe allmählich begreift, dass er besondere Gaben hat, und nach Antworten zu suchen beginnt. Die Kombination aus Fantasie und historischem Kolorit, mit der das Leben in Palästina unter römischer Besatzung ausgemalt wird, überzeugt.

Auf dem Heimweg nach Nazareth sehen Jesus und seine Eltern, wie römische Soldaten jüdische Rebellen töten. An anderer Stelle säumt eine Reihe Gekreuzigter den Weg. Flucht, Vertreibung, Verfolgung gehören zum Alltag der Menschen. Die römischen Soldaten sind hoch zu Ross und tragen rote Umhänge, die Juden ziehen zu Fuß mit Sack und Pack durch die Lande. Der Centurio Severus, der Jesus töten soll, ist dem Knaben schon früher begegnet – und ließ ihn, gebannt von seiner Ausstrahlung, gehen. Jesus wird sich allmählich seiner Besonderheit bewusst und fragt seine Eltern, ob er gefährlich sei. Für Marias und Josefs Begriffe geht die Zeit seiner kindlichen Unwissenheit viel zu schnell zu Ende. Der Film erlaubt sich sogar, was seine Geschichte nur realistischer macht, Maria als ganz normale Mutter darzustellen, die sich fragt, ob es also wahr sei, was ihrem Kind prophezeit wurde. Josef erwidert, ob sie je daran gezweifelt habe. Dieses Paar ist auf das Kommende auch nicht besser vorbereitet als andere, die Ankunft des Messias zu unvorstellbar, um nicht zumindest teilweise für eine Mär gehalten zu werden. Aber die Eltern gehen den Weg der Erkenntnis mit ihrem Sohn mit. Adam Greaves-Neal spielt den jungen Jesus mit kindlicher Offenheit und einem Ausdruck reinen Herzens, der weder gestellt, noch kitschig wirkt. Sean Bean ist in der Rolle des Soldaten, der sich intuitiv bekehren lässt, ebenfalls ein Glücksgriff.

Der ernsthafte Film empfiehlt sich auch einem jungen Publikum. Allerdings bildet er das Böse sehr rustikal ab. Der dekadente, halb wahnsinnige Jungkönig Herodes sorgt für Grusel. Und dann taucht häufig unvermittelt ein blondgelockter Mann mit Kutte auf, dessen stechender, lauernder Blick verrät, dass es sich um Satan (Rory Keenan) handelt. Trotz dieser düsteren Archaik überzeugt jedoch insgesamt die gelungene Mischung des Films aus Gehalt und unprätentiöser Erzählweise.

Fazit: Die Geschichte, wie sich Jesus im Knabenalter seiner besonderen Herkunft und Bestimmung bewusst wird, überzeugt durch ihre Ernsthaftigkeit und den souveränen Umgang mit Kitschfallen. Eingebettet in das historische Kolorit Palästinas unter römischer Besatzung, findet der Film eine ansprechende, aber eher rustikale als kuschelige Linie zwischen Realitätssinn und Verzauberung.





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