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Die Kleinen und die Bösen
Die Kleinen und die Bösen
© Movienet

Kritik: Die Kleinen und die Bösen (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Die Komödie von Regisseur Markus Sehr ("Eine Insel namens Udo") zieht alle Register bei der Zeichnung eines prekären Milieus am Rande der Gesellschaft. Ein Bewährungshelfer hat es mit Klienten zu tun, die nicht im Traum daran denken, sich eine bürgerliche Existenz aufzubauen, sondern lieber tricksen und nehmen, was sich ihnen bietet. Daraus spinnt die an Verwicklungen reiche Geschichte einen Gaunercoup, der auch den braven Bewährungshelfer auf die Probe stellt. Die deftige Situationskomik speist sich aus der grellen Betonung der asozialen Eigenschaften vieler Charaktere, besonders aber Hottes, der wie aus einem Lehrbuch für abschreckende Beispiele entsprungen scheint.

Der komödiantische Tonfall ist politisch nicht korrekt und folgt dabei genüsslich dem als musikalisches Leitmotiv dienenden Hit "I fought the law". Hotte ist zu unbeherrscht, um sich nicht immer wieder in die Bredouille zu bringen. Es gibt köstliche Szenen, in denen er es fast schafft, seine Pläne zum Erfolg zu führen, aber dann kommt etwas dazwischen. Seine Kinder kannte er überhaupt nicht, nun aber will er zu ihnen ziehen, weil er nämlich keine eigene Bleibe hat. Hotte aber trauert aufrichtig um seinen Sohn und bemüht sich sehr um Jenny – wobei ihm gerade dabei der Bewährungshelfer in die Quere kommt: Sollte es für Hotte zu spät sein, Verantwortung als Vater zu übernehmen? So abstoßend dieser Charakter gezeichnet ist, so sehr gehören ihm – vor allem wegen Peter Kurths kraft- und gefühlvollem Spiel - auch die Sympathien. Das gilt in gewisser Weise auch für den kühleren, verdrucksten Benno, der es gut meint, aber gegen die eigene Resignation anzukämpfen hat. Christoph Maria Herbst hat eine lange Zeit ungewohnt brave, zurückhaltende Rolle, der er aber Würze gibt, weil er es so gut versteht, ohne Worte auszudrücken, welche moralischen Konflikte, welche Frustrationen in seinem Inneren toben.

Es passiert sehr viel, auch in Sachen Romantik. Die ständige Zufuhr an Verwicklungen ist die besondere Stärke des Drehbuchs von Xaõ Seffcheque und Martin Ritzenhoff. Aber mit der Zeit kristallisiert sich auch heraus, dass der Kurs dieser in ihren Momentaufnahmen so schrill-pointierten Komödie im Großen relativ seicht ist. Irgendwann geht es nur noch darum, das Ganze in trockene Tücher zu bringen, und nicht mehr um die Glaubwürdigkeit. Aber um die ging es ja auch schon vorher nicht wirklich. Alles in allem ein deftiger, ungenierter Spaß mit einer Geschichte, der es aber auch deutlich an Tiefe und Relevanz fehlt.

Fazit: Die Geschichte über einen Bewährungshelfer und seine asozialen Klienten, über Moral und Versuchung bietet deftige, politisch unkorrekte Comedy. Die grelle Figurenzeichnung und die zahlreichen Verwicklungen sorgen für ständige Zufuhr an Situationskomik, aber dennoch fehlt es dem Film an Substanz.





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