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Schmidts Katze
Schmidts Katze
© MFA Film © Die FILMAgentinnen

Kritik: Schmidts Katze (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der Debütfilm von Regisseur Marc Schlegel ist eine hübsche, im Schwäbischen angesiedelte Schmunzelkomödie. In der beschaulichen Häusle-Gegend, in der Werner wohnt, entgeht den Nachbarn normalerweise nichts. Aber der unscheinbare, gehemmte Mann, der so großen Wert auf Ordnung legt, hat ein zweites Gesicht. Mit diesem kreuzbraven Bürger, der Autos explodieren lässt, einer Bürgerwehr, die der Polizei Konkurrenz macht, mit Romantik, die krumme Touren einschließt, etabliert die Geschichte starke Kontraste.

In einem spießigen, freudlosen Menschen lauert tendenziell auch etwas Unheimliches, denn bekanntlich können hinter der überangepassten Fassade die unterdrückten Triebe wild brodeln. Bei Werner ist das so, weil die einzige Frau an seiner Seite bis vor kurzem die Mutter war. Jetzt ist er nicht mehr der Jüngste und die Liebe scheint ihm unerreichbar. Also geht er im Keller seinem Hobby nach und bastelt kleine ferngesteuerte Sprengkörper. Ständig kommt er in Verlegenheit, etwas verbergen zu müssen, erst die Katze, die er versehentlich überfährt, dann die Frau, die er aus dem angezündeten Auto rettet. Aber er macht das ganz gut und ist blitzschnell in der Lage, in die Rolle des Diebs und Lügners zu schlüpfen, wenn die Situation es erfordert. Michael Lott verleiht diesem einerseits so verklemmten Mann eine erstaunlich agile Natur, die mühelos hervorbricht. Die Geschichte fügt nicht nur in seiner Person Gegensätze sehr spielerisch und unbekümmert zusammen. Die anderen Charaktere ergeben ein vielseitiges Ensemble von Guten und Bösen, Nervensägen und Wohlmeinenden. Selbst ein Polizistenduo ist vertreten, das immer ein wenig danebenliegt und dessen Auftritte eine Art Running Gag ergeben. Die Figurenzeichnung überzeugt auch deswegen, weil sie in der Regel – leider jedoch nicht immer – geschmeidig bleibt und auf allzu plumpe Karikierung verzichtet.

Manchmal übertreibt es Schlegel mit den Witzen und gleitet dabei in Klamauk ab. So ist zum Beispiel die Szene, in der Sibylle im Kellerfenster steckenbleibt und ihre Rettung den Geburtsvorgang imitiert, eine ziemliche Spaßbremse. Aber dann wieder umgarnt einen der Charme der Handlung, die ihr romantisches Crime-Pärchen Werner und Sibylle mit einem Augenzwinkern so positiv zu zeichnen versteht. Wenn die rothaarige Frau Werner ihre vielen selbst fabrizierten Schneekugeln zeigt und er diese wunderschön findet, wirkt der Kitsch nicht störend, sondern entwaffnend. Der Schwung der pfiffig-gemütvollen Komödie lässt mit der Zeit nach, aber insgesamt hat sie doch das gewisse Etwas.

Fazit: Die romantische Krimikomödie über einen unscheinbaren Spießer aus dem Schwäbischen, in dem ein richtiger Frust-Verbrecher steckt, spielt reizvoll mit Kontrasten, die auf überraschende Weise harmonieren. Der Humor ist von unterschiedlicher Qualität und nicht immer zielführend, aber der originelle Charme der Geschichte setzt sich durch.





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