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Zeit für Legenden
Zeit für Legenden
© Universal Pictures International Germany © SquareOne

Kritik: Zeit für Legenden (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Hitler nutzte 1936 die Olympischen Sommerspiele in Berlin, um Nazideutschland vor der ganzen Welt im besten Licht darzustellen. Aber er konnte nicht verhindern, dass ausgerechnet ein Afroamerikaner mit vier Goldmedaillen zum Star der Spiele avancierte. 80 Jahre nach dem Berliner Triumph des Jesse Owens erinnert nun ein Spielfilm an diesen Jahrhundertsportler und seine Erfolge im Weitsprung und in verschiedenen Laufdisziplinen. Unter der Regie von Stephen Hopkins beschränkt sich das um Realitätsnähe bemühte Drama auf den Zeitraum 1934 bis 1936 und stellt die Beziehung Owens' zu seinem Trainer in den Mittelpunkt. Es leuchtet aber auch differenziert den historischen Hintergrund aus, zum Beispiel den Streit im amerikanischen Olympischen Komitee über die Frage des Umgangs mit Hitlerdeutschland.

"Ein Mann muss immer zeigen, wofür er steht", sagt die stolze Mutter ihrem Sohn, dem sie trotz großer Armut ein Sakko für die Universität schenkt. In den 1930er Jahren werden Schwarze jedoch überall im Land diskriminiert. Wenn Owens' Trainer deswegen mal der Kragen platzt, beschwichtigt ihn ausgerechnet sein Schützling, der hart im Nehmen ist. Der Film erinnert in vielen Facetten an den steinigen Weg, den Owens im eigenen Land zurücklegte und auch an die Tatsache, dass das Weiße Haus den siegreichen Olympia-Heimkehrer erst Jahrzehnte später würdigte.

Ebenso eindringlich schildert das Drama die zwiespältigen Eindrücke, die Owens und seine Mannschaftskameraden in Berlin erwarten und an die Beklemmung, die sie zuweilen beschleicht. Ein wunderbar inszenierter Moment zeigt Owens, nur als dunkle Gestalt wahrnehmbar, als ihn vor dem Schritt aus dem Tunnel ins riesige Stadion beinahe der Mut verlässt. Gedreht wurde übrigens am historischen Schauplatz selbst. Auch die Freundschaft Owens' mit dem deutschen Weitsprungrivalen Luz Long (David Kross) wird knapp, aber emotional überzeugend gestreift. Weil er die damalige Wirklichkeit differenziert aufblättert, befasst sich der Film jedoch mit keinem Aspekt intensiver, sondern absolviert seine vielen Stationen diszipliniert und pflichtbewusst. Leider bleibt Owens dabei vor lauter Ereignissen als Persönlichkeit relativ blass. Dennoch profitiert der Film natürlich auch selbst von dieser einmaligen Geschichte, die ausdrucksstark genug ist, um gar keiner raffinierten Dramaturgie oder Stilmittel zu bedürfen.

Fazit: Das solide Sportlerdrama erzählt die unglaubliche Geschichte des afroamerikanischen Leichtathleten Jesse Owens, der 1936 mit vier Goldmedaillen zum Star der Olympischen Sommerspiele in Berlin wurde. Mit viel Gespür für die Atmosphäre der Epoche schildert der Film sowohl die Rassendiskriminierung in den USA, als auch die Debatte über einen eventuellen amerikanischen Boykott der Nazi-Olympiade, bevor er in den Wettkämpfen im Berliner Stadion kulminiert. Auch wenn der Hauptcharakter relativ blass bleibt, verdient der eher sorgfältige, als glamouröse Film schon wegen seines spannenden Inhalts das Etikett sehenswert.





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