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Kritik: Plötzlich Papa! (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Viele Komödien-Darsteller müssen sich früher oder später auch in einer Filmrolle bewähren, in der sie einen frischgebackenen Vater spielen. Das geht auch dem französischen Star Omar Sy ("Ziemlich beste Freunde") nicht anders. Natürlich ist der lebenslustige Samuel mit dem Baby, das er überraschend in den Arm gedrückt bekommt, erst einmal aufgeschmissen. Aber er wächst schnell in die väterliche Rolle hinein. Dann macht die Komödie von Regisseur Hugo Gélin, die auf einem mexikanischen Film basiert, einen Zeitsprung von acht Jahren. Nun ergeben Omar Sy und die von der jungen Amerikanerin Gloria Colston gespielte Tochter ein lebhaftes, fröhliches Gespann. Und dann wird es auf einmal dramatisch: Denn die bis dahin abwesende Mutter kehrt zurück und macht Samuel seine Alleinerzieher-Rolle streitig.

Der Film findet, weil er große Zeiträume abdeckt und zwischen Komödie und Drama schwankt, nicht wirklich zu einer einheitlichen Linie. An der Côte d'Azur überwiegen die ziemlich albernen Momente, in denen Samuel den großen Kindskopf, Charmeur und Partyhengst geben muss. Das hätte ganz nett werden können, aber Gélin übertreibt hoffnungslos und ohne Gespür für Timing. Dann, mit dem Baby auf dem Arm, kann Omar Sy sein schauspielerisches Talent besser entfalten, im Wechsel von Tollpatschigkeit und aufkeimender Fürsorge. Und mit der kleinen Gloria Colston schließlich bekommt er eine ebenbürtige Frohnatur an die Seite gestellt. Der Alltag des Vater-Tochter-Gespanns aber wird nur kurz skizziert und sieht dann wie ein unentwegtes Spiel aus, für das auch fleißig die Schule geschwänzt wird. Samuel scheint dafür einen ernsten Grund zu haben, aber der wird nur äußerst vage angedeutet.

Erst im dritten Teil, der mit der Ankunft Kristins beginnt, kristallisiert sich der dramatische Aspekt der Geschichte heraus. Denn nun beginnt ein Sorgerechtsstreit, der mehrere Etappen umfasst. Er demonstriert pointiert, aber glaubhaft, wie getrennt lebende Eltern in die Ego-Falle tappen und sich in einen Machtkampf verstricken können, der ihr Interesse am Kindeswohl konterkariert. In diesem Kapitel findet der Film zu einem höheren Niveau und schafft sogar das Kunststück, Kristin als liebende Mutter zu zeichnen, ohne dass sie ihre langjährige Abwesenheit groß rechtfertigen muss. Insgesamt also wird dem Publikum eine durchaus gehaltvolle und unterhaltsame Geschichte geboten, die allerdings holprig inszeniert ist.

Fazit: Der beliebte französische Schauspieler Omar Sy bewährt sich in der Rolle als alleinerziehender Vater Samuel, aber die unausgegorene Inszenierung von Hugo Gélin mutet ihm auch manche komödiantische Überzeichnung zu. Die anfangs witzigen Töne werden allmählich vom dramatischen Verlauf eines Konflikts der getrennt lebenden Eltern überlagert. Das Ergebnis ist eine mal eher plumpe, mal durchaus anspruchsvolle Geschichte, die nicht wie aus einem Guss wirkt.






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