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Das Ende ist erst der Anfang
Das Ende ist erst der Anfang
© NFP marketing & distribution © Filmwelt / Kris Dewitte

Kritik: Das Ende ist erst der Anfang (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Das Roadmovie, das der Belgier Bouli Lanners nach eigenem Drehbuch inszeniert hat, kommt grimmig wie ein Spätwestern daher. Auch der flache französische Landstrich mit den aufgelassenen Lagerhallen, dem Müll und den hässlichen Dörfern strahlt etwas Endzeitliches aus. Und selbst das gedimmte Licht unter dem grauen Wolkenhimmel stimmt in diese Atmosphäre mit ein. Das Pärchen Esther und Willy glaubt, dass das Ende der Welt naht, weil das in einer Fernsehsendung gesagt wurde. Aber die beiden sind ja auch nicht die Hellsten, sondern wirken wie verirrte Kinder, die sich aneinander festhalten.

Gilou und Cochise hingegen sehen aus wie hartgesottene Trucker oder Biker, die wissen, wo es langgeht. Aber Lanners, der auch die Rolle Gilous spielt, schickt diese scheinbar unerschütterlichen Kerle augenzwinkernd auf Umwege. Eine Komödie im engeren Sinn gibt diese skurrile Geschichte über das, was am Ende wirklich zählt, nicht her, aber sie führt doch sehr vergnüglich vor, dass Trübsalblasen so gut wie nie die einzige Option ist.

Warum denn der alte Mann nicht aufhört, wenn er so lange braucht, um seinen zwei Hotelgästen ihr Frühstücksei zu bringen, meckert Gilou. Aber mit diesem langsamen Hotelbesitzer gönnt das Drehbuch dem todgeweihten Gilou eine psychisch taffe Vaterfigur, die seinen Horizont erweitern wird. Michael Lonsdale spielt den Alten herrlich entspannt und souverän, mit einem verschmitzten Schalk, an dem man sich kaum sattsehen mag. Und im Duett mit Max von Sydow, der einen nicht minder betagten Priester spielt, entstehen die eindrucksvollsten Momente dieses schrägen und doch so klaren Films.

Ob die Endzeit nun lediglich individuell ist oder alle betrifft – zu ihr gehört die Beschäftigung mit dem Glauben und das Ablegen von Rechenschaft. Der Film-Jesus ist nicht der Mann am Kreuz, denn zu dem spricht er selbst. Aber seine hellseherischen Fähigkeiten würzen die Handlung mit einer guten Prise Rätselhaftigkeit. Den Reisenden begegnet viel Böses, zum Beispiel in Gestalt einer Bürgerwehr mit zynischem Wortschatz. Zuweilen sieht es so aus, als würde Cochise, wie sein Indianername vermuten lässt, diesen Typen persönlich eine Lektion im Kämpfen erteilen. Aber Lanners steuert einen anderen Kurs, der nur auf den ersten Blick gedämpfter wirkt. Parallel dazu wechselt die Musik sehr stimmig zwischen rockigen Klängen und tröstlich vorgetragenem Weltschmerz.

Fazit: Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller Bouli Lanners schickt ein paar Außenseiter und Beladene auf einen schrägen Trip, der Endzeitstimmung aufkommen lässt. Die skurrile Geschichte mit surrealem Einschlag macht sich Gedanken über den Sinn des Lebens und das Altwerden und unterzieht die Figuren gut gelaunt einer Art Jüngstem Gericht. Der originelle, atmosphärisch dichte Film überzeugt mit seiner klaren Botschaft und bietet den beiden Schauspielveteranen Michael Lonsdale und Max von Sydow einen starken Auftritt.





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