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Kritik: Emoji - Der Film (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Der neue Film von Sony Pictures Animation entführt in die bunte Welt der Emojis, die schon bei den jüngsten Handynutzern sehr beliebt sind. Unter der Regie von Tony Leondis ("Igor") ist eine turbulente, ereignisreiche Geschichte über drei kleine Außenseiter entstanden, die sich gegenseitig beistehen. Gene, Jailbreak und Hi-5 verlassen ihre App und treten eine abenteuerliche Reise durch andere Handyprogramme an. Dabei surfen sie auch auf einem musikalischen Strom von Spotify, besuchen Spielwelten, lernen die grimmige Firewall kennen. Die Geschichte ist ständig in Bewegung, erschließt oft neue Schauplätze und die Perspektive wechselt gelegentlich auch zu Alex in die menschliche Welt der Handynutzer.

Wenn die drei Emojis auf ihrem Weg in die Cloud die Welten von "Candy Crush" und "Just Dance" passieren, werden Erinnerungen an den Disney-Animationsfilm "Ralph reichts" von 2012 wach. Dort begab sich eine Videospielfigur auf eine Reise durch andere Computerspiele verschiedener Epochen. An Pixars "Alles steht Kopf" erinnert von ferne das Thema der Gefühle. In Gestalt der stets lächelnden Smiler, sozusagen dem Ur-Emoji, leistet sich der Film einen kritischen Seitenhieb auf die Diktatur der guten Laune und auf das häufig anzutreffende Phänomen sozialer Masken. Textopolis ist keine heile Welt. Die nerdige Jailbreak kann nicht tanzen, weil sie sich nicht traut, sie selbst zu sein, und Gene muss sie erst dazu ermuntern. Allerdings wird gerade diese Szene, die sich im Universum von "Just Dance" ereignet, sehr reizlos abgespult.

Überhaupt fällt es dem Film schwer, den richtigen Ton zu treffen und nicht billig oder belehrend zu wirken. Die Glaubhaftigkeit der Charaktere wird vernachlässigt und die Handlung aufgemotzt mit Bestandteilen, von denen die Filmemacher vermuten, dass sie angesagt sind. Jailbreak ist ein modernes, aktives Mädchen, das die Prinzessinnenrolle verschmäht. Aber es wirkt selbst schon ein wenig gestrig, wenn immer noch behauptet wird, die filmische Emanzipation von Genderrollen, auf die Disney-Klassiker wie "Aschenputtel" oder "Schneewittchen" setzten, sei gerade erst in vollem Gange.

Visuell ist der Film mit seinen lebhaften Farben und den vielen fantasievoll ausgeschmückten Schauplätzen beeindruckend. Aber das schnelle Tempo und die Vielzahl der vorkommenden Figuren machen es schwer, den Überblick zu behalten. Es wäre besser gewesen, mehr auf das Timing der Witze zu achten. So macht der Film insgesamt leider nicht das Beste aus seinen schön ausgemalten Bildwelten.

Fazit: Das bunte und quirlige Animationsabenteuer entführt das Publikum ins Reich der kleinen Emojis, die aus der Handykommunikation nicht mehr wegzudenken sind. Es liegt nicht an der liebevollen Gestaltung der virtuellen Schauplätze, dass die Geschichte insgesamt eher enttäuscht. Vielmehr stört es, dass die Charaktere emotional relativ reizlos bleiben und durch eine Handlung gejagt werden, die viele Themenpunkte nur oberflächlich streift und in der die Witze oft nicht zünden.








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