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National Bird
National Bird
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Kritik: National Bird (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Auf der Berlinale 2016 wurde die US-amerikanische Dokumentation "National Bird" in der Sektion Berlinale Special gezeigt. Dabei verweist der recht euphemistisch wirkende Titel auf die streng geheimen Einsätze von Kampfdrohnen durch die US-Militärs. Diese werden selbst vom amtierenden Präsidenten Obama als "saubere Waffen" zur gezielten Ausschaltung gefährlicher Staatsgegner bezeichnet. "National Bird" vermittelt jedoch ein ganz anderes Bild: Es wird gezeigt, dass der Tod zahlreicher vollkommen unbeteiligter Zivilpersonen im Sinne von unvermeidbaren Kollateralschäden von den US-Militärs mit einem bloßen zynischen Achselzucken hingenommenen wird.

Besonders eindringlich ist die Nachstellung eines Drohneneinsatzes, bei dem über 40 Zivilisten - darunter kleine Kinder - aber kein einziges offizielles "Target" getötet wurde. Die Szenerie wird aus der Perspektive der am Einsatz beteiligten Militärs gezeigt. Zu sehen sind die von der Kampfdrohne gemachten Luftbilder, auf denen Menschen nur als verschwommene Pünktchen zu erkennen sind, deren Interpretation deshalb große Spielräume offen lässt. Zu den nachgestellten Bildern läuft ein Band mit den originalen Sprachaufzeichnungen des dazugehörigen Funkverkehrs. Dieser lässt dem Zuschauer kalte Schauer den Rücken hinunterlaufen, so willkürlich und menschenverachtend wird da über Leben und Tod möglicher Zivilpersonen verhandelt.

Doch diese Eindringlichkeit fehlt dem Hauptteil von "National Bird", der den Befindlichkeiten der drei Aussteiger aus dem Drohnennprogramm gewidmet ist. Der Informationsgehalt bleibt hier beschränkt: So berichtet eine Aussteigerin nur über "dieses riesige, globale Daten fressende Ding", von dem sie nicht wissen möchte, was passiere, wenn es außer Kontrolle geraten sollte. Aber anstatt dieses "Ding" jetzt genauer zu beschreiben, wird gezeigt, wie die bekehrte Ex-Militaristin jetzt ihre afghanische Nachbarin in deren Heimat begleitet und Saatgut verschenkt, um "wieder etwas gut zu machen".

Fazit: Die US-Doku "National Bird" widmet sich einem brisanten Thema, zu dem sie allerdings nur bedingt tiefere neue Einsichten liefert.





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