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Bella e perduta - Eine Reise durch Italien
Bella e perduta - Eine Reise durch Italien
© Grandfilm

Kritik: Bella e perduta - Eine Reise durch Italien (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der italienische Regisseur Pietro Marcello verknüpft Poesie, märchenhafte Fantasie und Dokumentarisches zu einer ausdrucksstarken Geschichte. Teilweise aus der Perspektive eines Wasserbüffels erzählt, der als Voice-Over-Kommentator fungiert, appelliert der Film für mehr Respekt den Tieren gegenüber. Zugleich ruft er zur Achtung und Bewahrung der Natur und des kulturellen Erbes speziell in der süditalienischen Region Kampanien auf. Ursprünglich wollte Marcello den Hirten Tommaso Cestrone im Rahmen eines Episodenfilms porträtieren: Der Mann kümmerte sich ehrenamtlich und aus freiem Antrieb um Carditello, das dem Verfall preisgegebene Königsschloss der Bourbonen aus dem 18. Jahrhundert. Doch dann erlag Tommaso während der Dreharbeiten einem Herzinfarkt. Marcello entschloss sich, den Film in abgewandelter Form, als ein Märchen, das zwischen Tradition und Moderne vermittelt, weiterzudrehen.

Tommaso, der einfache Hirte, wird im Film zur Vorbildfigur. Denn in Kampanien, wo die Camorra regiert und der Staat zu wenig Verantwortung übernimmt, herrscht Resignation. In der Nähe des verfallenden Schlosses, auf dem fruchtbaren Boden der Region, gibt es mehrere Mülldeponien, die großflächig Gifte freisetzen. Der Film prangert diese Missstände mit kurzen Szenen, zum Beispiel von einer Demonstration, an, aber auch indirekt, indem er Pulcinella auf die Erde schickt. Die mystische Figur aus der Commedia dell' Arte, die schon die Etrusker kannten, soll im Sinne Tommasos wirken – zumindest zugunsten des Büffelkalbs. Die Bauern gestehen den Wasserbüffeln nämlich längst keine Autonomie, keinen Daseinszweck außerhalb der Milchproduktion mehr zu. Mit den Worten des Büffels und Bildern, die seine Artgenossen frei durch das hohe Gras streifen und im Meer baden lassen, erinnert der Film daran, dass diese Tiere seit Urzeiten in der Region beheimatet sind.

Marcello drehte analog und ließ auch einige Laiendarsteller mitwirken, die sich mehr oder weniger selbst spielen. Es entsteht ein lebhafter Mix aus realen und mystisch-fiktiven Charakteren, aus Szenen, die der Gegenwart entnommen sind und solchen, die Legenden, Literatur zitieren und traumwandlerisch weiterspinnen. Wenn die Aufnahmen die Perspektive des Büffels wiedergeben, erscheinen sie merkwürdig verfremdet. Aber Sarchiapones Worte - "wann werden die Menschen uns unserem eigenen Schicksal überlassen?" - suggerieren mit großer Kraft, dass diese Tiere ein empfindsames Gemüt und die Fähigkeit zur Kontemplation besitzen.

Fazit: Der italienische Regisseur Pietro Marcello lädt zu einer filmischen Traumreise durch den Süden seiner Heimat ein. Die eigenwillige Mischung aus Dokumentarszenen und märchenhafter Fantasie gerät zur poetischen Hommage an den während der Dreharbeiten verstorbenen Hirten Tommaso Cestrone. Dieser Mann, der sich unentgeltlich um ein aufgelassenes Bourbonenschloss kümmerte, personifiziert die doppelte Filmbotschaft, die Schätze des Landes zu achten und die Wasserbüffel nicht für die Käseproduktion zu versklaven.





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