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The Founder
The Founder
© Splendid Film © Tobis Film

Kritik: The Founder (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Dass Mcdonald's in den 1950er Jahren kein einzelnes Fast-Food-Restaurant blieb, sondern bald darauf zur größten Schnellimbisskette Amerikas expandierte, ist einem Mann namens Ray Kroc zu verdanken. Der lange nur mäßig erfolgreiche Vertreter für Restaurantbedarf erkannte sofort seine große Chance, als er auf das völlig neue Fastfood-Konzept der Brüder Mac und Dick McDonald stieß. Er brachte es mit viel Fleiß auf landesweiten Erfolgskurs und mit einer großen Portion Rücksichtslosigkeit auch in seinen Besitz. Am Schluss zückte Kroc McDonald's-Visitenkarten, auf denen er sich als "Gründer" bezeichnete, während Mac und Dick McDonald in die Röhre schauten. Wie das alles kam, erzählen Regisseur John Lee Hancock und sein Drehbuchautor Robert D. Siegel als spannendes und gewitztes kapitalistisches Lehrstück.

Ray Krocs Frau Ethel (Laura Dern) wünscht sich am Anfang der Geschichte, dass ihr Mann allmählich kürzer tritt und den bescheidenen Wohlstand zuhause im Mittleren Westen genießt. Aber Ray ist ein Macher, der auf die große Chance wartet. Sie fliegt ihm mit der Erfindung der Brüder McDonald zu. Wie die Kirche und das Gerichtsgebäude wird künftig ein McDonald's-Restaurant zu jeder amerikanischen Kleinstadt gehören, ist sich Ray sicher. Unermüdlich widmet er sich dem neuen Ziel und lässt Zweifler und Bremser links liegen. Das alte Umfeld verliert seinen Reiz für ihn und er entdeckt, dass ihm das neue Leben auch eine interessantere Frau als Ethel zu bieten hat.

Die episch erzählte Geschichte, die überzeugend in die 1950er Jahre eintaucht, geht mit Ray durch Höhen und Tiefen und stellt ihn in einen spannenden Gegensatz zu den vorsichtigen Brüdern McDonald, denen er stets suspekt erscheint. Lange ist Ray der Visionär, der sich unermüdlich in die Arbeit reinhängt – ein vorbildlicher amerikanischer Aufsteiger. Besondere Würze aber erhält die Geschichte, als der Zufall diesem Weg erst die entscheidende Wendung gibt. Ab da verläuft die Handlung nicht viel anders als beim Monopoly-Spiel, und der Kapitalist Ray erkennt, dass ihn sein Geld von menschlichen Skrupeln befreit.

Michael Keaton verleiht Ray drahtige Kraft und stellt ihn gekonnt als moralisch zwiespältige Figur dar. Pophits vergangener Tage und flotte Schnittsequenzen spiegeln die Aufbruchstimmung, die allgemein zur Epoche gehört und speziell zu diesem geschäftlichen Siegeszug. Die Inszenierung versteht es, Authentizität unterhaltsam und stylisch mit Biss und frechem Humor zu verbinden.

Fazit: Unter der Regie von John Lee Hancock gerät die Geschichte der Gründung der McDonald's-Fastfoodkette zu einem witzig-bissigen kapitalistischen Lehrstück. Michael Keaton verleiht dem Unternehmer Ray Kroc, der mit dem Restaurantkonzept der Brüder McDonald nach den Sternen greift und so zum Inbegriff des amerikanischen Traums wird, kraftvollen Schwung und Ehrgeiz. Mit diesem zwiespältig gezeichneten Charakter führt der Film zugleich den unterhaltsamen Beweis, dass auch hart erarbeiteter Erfolg moralisch korrumpieren kann.





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