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Unter deutschen Betten
Unter deutschen Betten
© 20th Century Fox

Kritik: Unter deutschen Betten (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Verschiedener können die beiden Frauen kaum sein, die im Zentrum dieser Komödie von Regisseur Jan Fehse ("In jeder Sekunde") stehen. Sängerin Linda lässt normalerweise für sich putzen, doch dann ist ihre Lage plötzlich viel prekärer als die der polnischen Reinigungskraft Justyna. Denn die hat ein Zimmer in einer WG und einen Job – unter anderem in der Villa des Musikproduzenten Friedrich, die jetzt nicht mehr Lindas Zuhause ist. Auf einmal bleiben Linda nur noch ihr Auto, ein paar Habseligkeiten und, weil sie nicht mehr die Jüngste ist, eine minimale Chance auf ein Comeback im Showbusiness. Dafür aber ist sie, wenn es nicht anders geht, sogar bereit, die verletzte Justyna bei der Arbeit zu vertreten. Der Rollentausch lässt Linda ein ihr völlig unbekanntes Milieu kennenlernen und zugleich die ihr vertraute Welt mit anderen Augen sehen.

Die Komödie ist nur lose an das 2011 erschienene Buch "Unter deutschen Betten: Eine polnische Putzfrau packt aus" von Justyna Polanska angelehnt. Im Zentrum des Films steht der Slapstick, den die zu jedem Spaß bereite Veronica Ferres produziert, um Lindas Untauglichkeit als Putzfrau zu beweisen. Als sexy Vollblutweib ist Veronica Ferres auch diesmal eine Schau und es bereitet durchgehend Vergnügen, ihr zuzuschauen, wie sie die abenteuerlustige Linda spielt, die sich von keinem Missgeschick unterkriegen lässt. Linda ist arrogant, tapsig, hat aber ein großes Herz und will, dass Justyna mehr aus sich macht. Justyna ist als Gegenfigur gut gezeichnet, verfügt über Köpfchen, Schlagfertigkeit und kritischen Biss. Den beiden Charakteren und der Glaubwürdigkeit ihrer holprigen Freundschaft hätte es allerdings gutgetan, wenn Veronica Ferres und Magdalena Boczarska noch freier und spontaner aufgetreten wären.

Von einer großen Komödie ist der Film nämlich doch noch weit entfernt. Der Vergleich der Underdogs mit Herz – als solche werden Justyna und ihre WG-Mitbewohner mit Migrationshintergrund porträtiert - mit den arrivierten Männern im Showgeschäft, die die Puppen tanzen lassen oder in die Ecke werfen, wirkt etwas zu simpel und gewollt. Aber Heiner Lauterbach spielt den schrill gekleideten Showbiz-Menschen, der sich seinen lupenreinen Egoismus erlaubt, weil er ihn sich leisten kann, einfach wunderbar. Er und natürlich die Ferres sind sehenswert in diesem Film, der ansonsten trotz guter Ansätze leider oft unter seinen Möglichkeiten bleibt.

Fazit: Veronica Ferres spielt in dieser slapstickreichen Komödie eine Sängerin, die auf ihr luxuriöses Leben plötzlich verzichten muss. Ihre parodistische, aber auch sympathische Interpretation der unbeholfenen Luxusfrau, die eine verletzte polnische Putzfrau bei der Arbeit vertritt, bereitet durchgehend Vergnügen. Aber die Gegensätzlichkeit der beiden sozialen Milieus wird eher klischeehaft geschildert. Auch gerät die Aussage, dass Leute mit wenig Dünkel die besseren Freunde sind, für eine Komödie reichlich pädagogisch.






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