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Der Hunderteinjährige, der die Rechnung nicht...hwand
Der Hunderteinjährige, der die Rechnung nicht bezahlte und verschwand
© Concorde

Kritik: Der Hunderteinjährige, der die Rechnung nicht bezahlte und verschwand (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die fidele schwedische Gaunerkomödie "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" entwickelte sich 2014 auch in Deutschland zum Kinohit. Der große Erfolg des Films, der auf dem gleichnamigen Roman von Jonas Jonasson basierte, animierte seinen Regisseur Felix Herngren zu einer Fortsetzung, die er gemeinsam mit seinem Bruder Måns Herngren inszenierte. Für diese gibt es keine literarische Vorlage, aber sie bereitet deswegen nicht weniger Spaß als das Original. Einmal mehr begibt sich der hochbetagte Seniorenheim-Flüchtling Allan Karlsson auf eine abenteuerliche Reise, auf der ihm verbissene Verfolger den anvisierten Reichtum streitig machen. Der offene Schluss lässt auch eine weitere Fortsetzung zu. Und auch das Alter des Titelcharakters stünde ihr keineswegs entgegen: Der Darsteller, der ihn so glaubhaft spielt, ist nämlich selbst nur halb so alt.

Stückweise erinnert sich der Greis unterwegs an seine bewegte Vergangenheit als Spion im Kalten Krieg. Der Film illustriert sie mit ausführlichen Rückblenden, die dem Zuschauer wieder eine kräftig persiflierte globale Geschichtsstunde nach dem Prinzip von "Forrest Gump" bieten. Sie erinnert nicht nur an Breschnews berüchtigte Männerküsse, sondern enthüllt auch augenzwinkernd die ungeahnten Hintergründe des SALT-Abrüstungsvertrags. Es macht natürlich auch Spaß, auf der Gegenwartsebene dem immer etwas weggetretenen Greis auf seinen tapsigen Pfaden zu folgen. Er bekommt nicht viel mit von dem Trubel um ihn herum, was ja nur heißt, dass ihn auch nichts von seinen Zielen ablenkt. Seine Kumpel Julius, Benny und Pike sind zum Teil sehr skurril gezeichnet und ergeben mit den Widersachern, die ihm folgen, ein reizvolles Komödien-Ensemble.

Ein Witz jagt hier den nächsten und dabei kriegen auch moderne Zeitphänomene ihr Fett weg, von der Macht der CIA oder dem ruppigen Auftreten einer Altenheimpflegerin bis zu der Frage, was eigentlich Youtube ist. Wenn Allan in sein früheres Altenheim durch das Fenster einsteigt, wird der erste Film auf hübsche, direkte Weise zitiert. Dass er vorhat, jemals wieder dort zu wohnen, muss jedoch nicht befürchtet werden. Die Entscheidung, sein Leben in die eigene Hand zu nehmen, war und bleibt die beste seiner alten Tage. Auch Hunderteinjährige sollten, wie dieser coole Held beweist, keineswegs aufs gesellschaftliche Abstellgleis geschoben werden.

Fazit: Die Fortsetzung der fidelen schwedischen Komödie "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" schickt den hochbetagten Helden und seine Freunde erneut auf eine spannende Abenteuerreise. Darin geht es nach dem bewährten Rezept um unerwarteten Reichtum, das Ausschalten diverser Widersacher und groteske Uminterpretationen der Zeitgeschichte. Die parodistische Enthüllung ungeahnter Seiten des Kalten Krieges, die hohe Gagdichte und die skurrilen Charaktere bieten ein köstliches Filmvergnügen.








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