VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: The Limehouse Golem (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"The Limehouse Golem" von Regisseur Juan Carlos Medina ("Painless – Die Wahrheit ist schmerzhaft") kommt als atmosphärisch dichte Mixtur aus klassischem Gruselfilm, Whodunit und historischem Drama daher. Auf Basis des 1994 veröffentlichten Romans "Dan Leno and the Limehouse Golem" des Briten Peter Ackroyd wählt Drehbuchautorin Jane Goldman ("Die Insel der besonderen Kinder") eine verschachtelte Erzählstruktur, um zum einen die fieberhafte Jagd eines Inspektors nach einem Serienmörder im viktorianischen London und zum anderen – in Rückblenden – den strapaziösen Weg einer jungen Frau aus dem Elend hinein in die bunt-exzentrische Welt des Varieté-Theaters zu schildern. "Let us beginn, my friends, at the end", heißt es zum Einstieg dramatisch, nachdem sich ein Vorhang geöffnet hat. Bis zum finalen Twist bleibt das Werk höchst unterhaltsam.

"The Limehouse Golem" vermag gewiss keine neuen Genre-Maßstäbe zu setzen, erzeugt aber durchgängig eine angenehme Gänsehaut. Zwar stammt Medinas Arbeit nicht – wie zum Beispiel der ebenfalls von Goldman verfasste Kino-Spuk "Die Frau in Schwarz" (2012) – aus dem Hause Hammer Films, welches etwa einst die "Dracula"-Adaptionen mit Christopher Lee und die "Frankenstein"-Interpretationen mit Peter Cushing hervorbrachte; dennoch weist das Werk in seiner Kombination aus Gothic-Elementen und den grotesk-makabren, blutigen Grand-Guignol-Darstellungstraditionen unzweifelhaft all die Qualitäten der kultigen Hammer-Horrorfilme auf. Die Kostüme und das Produktionsdesign sind exquisit; der düstere Look, den Medina und sein Kameramann Simon Dennis ("The Girl with All the Gifts") schaffen, um das von Nebel eingehüllte, feuchte London des ausklingenden 19. Jahrhunderts mit seinen finsteren Gassen und seinen ominösen Spelunken einzufangen, ist ebenso mitreißend wie der (bewusst plakative) Einblick in den Music-Hall-Kosmos, in welchem derbe Nummern vollführt sowie fiese Intrigen gesponnen und amouröse Konflikte ausgetragen werden.

Bill Nighy ("Tatsächlich… Liebe") versteht es seit jeher, seinen Rollen Charisma sowie Individualität zu verleihen – und auch den Scotland-Yard-Detective John Kildare interpretiert der 1949 geborene, britische Mime auf sehr reizvolle Weise, indem er dessen Zerrissenheit zeigt: Kildare wird mit Gerüchten um seine Person konfrontiert, fühlt sich zudem bei seinen Ermittlungen unter Druck gesetzt und baut eine allzu enge Bindung zur mordverdächtigen Lizzie Cree auf. Diese wird von Nachwuchstalent Olivia Cooke ("Bates Motel", "Ich und Earl und das Mädchen") äußerst einnehmend verkörpert. Cooke kann sowohl in den Bühnen-Performances der aufstrebenden Varieté-Komödiantin als auch in Lizzies verschiedenen, meist schwierigen Lebensstationen und schließlich vor Gericht und in der Gefängniszelle mit ihrem intensiven Spiel überzeugen. Eine positive Überraschung ist obendrein Douglas Booth, der bei seinen bisherigen Leinwand-Auftritten (etwa in "Noah", "The Riot Club" oder "Jupiter Ascending") stets etwas zu glatt und blass wirkte. In "The Limehouse Golem" legt er jedoch als trauriger Clown Dan Leno ganz wunderbare Drag-Vorstellungen hin und gibt seinen Part bis zuletzt mit einer sehr spannenden Ambivalenz.

Fazit: Ein geschickt erzähltes, herrlich ausgestattetes Schauerstück in der Tradition der Hammer-Filme. Das Ensemble – allen voran der verlässlich großartige Bill Nighy – liefert beachtliche Darbietungen.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.