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Kritik: Safari (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der neue Dokumentarfilm des österreichischen Regisseurs Ulrich Seidl ("Paradies"-Trilogie, "Im Keller") nimmt Jagdtouristen in Afrika ins Visier. Nicht die Reichen und Prominenten unter den weißen Großwildjägern interessieren Seidl, sondern die österreichischen und deutschen Durchschnittsmenschen. Ein Urlaub auf einer Jagdlodge, zum Beispiel in Namibia, ist für viele erschwinglich. Im Mittelpunkt dieses Films steht der besondere Reiz dieses Hobbys, die Aufregung und das Glück, ein Gnu, ein Zebra, eine Giraffe zu erlegen. Die Beobachtungen und die Statements gestatten, wie auch schon in Seidls vorigem Dokumentarfilm "Im Keller", lustig-peinliche Einblicke in Mentalitäten, die allesamt befremdlich wirken.

Mit dem heldenhaften Jagderlebnis eines Ernest Hemingway hat dieses unbeholfene Herumlaufen im ausgedörrten Gelände nicht mehr viel zu tun. Die Beobachteten wirken wie große Kinder auf einer albernen Mottoparty. Aber wer weiß, wie Hemingway selbst ausgesehen hätte bei der Großwildjagd, gefilmt von einem Ulrich Seidl. Wieder einmal zeigt dieser Regisseur, wie sehr es auf den Blick hinter der Kamera ankommt. Ist der Schuss dann gefallen, beginnt der Jäger schwer zu atmen, wohl unter dem Einfluss eines ungeheuren Adrenalinstoßes, der dem Betrachter nicht unbedingt verständlich erscheint. Als wäre ein Wettkampf gewonnen, fallen sich der Schütze und der Angehörige oder Freund, der ihn begleitet, in die Arme. Von größter Bedeutung ist das Foto des Jägers mit dem toten Wild.

Auf ähnliche Weise drapiert Seidl die Jäger für die Statements in der Lodge vor einen rustikalen Hintergrund mit Trophäen und Wildlife-Mustern. Wenn sie dann vom "Stück" reden und das Jagdwild meinen, wirkt das schon verstörend kalt. Jedoch sind die Statements oft auch moderat oder abwägend, zum Beispiel betonen zwei Frauen, dass sie seltene Tiere wie einen Leopard nicht jagen würden. Unweigerlich fällt dann auch, zum Beispiel in den Aussagen der weißen Lodgebetreiber, die eine oder andere rassistisch gefärbte Bemerkung. Das afrikanische Dienstpersonal kommt nicht zu Wort, posiert aber ebenfalls, zum Beispiel vor den armseligen Wohnhütten. Seidls Begründung für diese Regieentscheidung lautet, die Afrikaner hätten auf der Jagdfarm eben keine Stimme. Natürlich bildet die Kolonialzeit im gesamten Film sozusagen die Hintergrundmusik. Doch ob diese Beobachtungen eines anachronistischen Hobbys aussagekräftig und relevant sind, müssen die Zuschauer selbst beurteilen.

Fazit: Ulrich Seidls Dokumentarfilm über österreichische und deutsche Jagdtouristen in Afrika fällt erwartungsgemäß demaskierend aus. Die stolzen Großwildjäger sind so vernarrt in ihr Hobby, dass sie weder ihr Verhalten, noch ihre Einstellung merkwürdig oder komisch finden, im Gegensatz zur Wirkung vor der Kamera. Ständig drängen sich dem Betrachter Bezüge zum kolonialen Erbe auf, wobei der stilistisch sorgsam arrangierte Film jedoch eher einer halbwegs neutralen Momentaufnahme gleicht.





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