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A United Kingdom
A United Kingdom
© Alamode Film © Die FILMAgentinnen

Kritik: A United Kingdom (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die britische Regisseurin Amma Asante hat sich nach "Dido Elizabeth Belle" erneut einer wahren Geschichte angenommen, die vom Rassismus des Kolonialzeitalters erzählt. Sie beginnt im London der Nachkriegsjahre und endet ein Jahrzehnt später, als bereits die Weichen für die Demokratie im künftigen Botswana gestellt werden. Es ist die Geschichte von Seretse Khama, der zum afrikanischen König des britischen Protektorats bestimmt war, aber wegen seiner Ehe mit einer weißen Frau jahrelang in Verbannung leben musste. Diese Verbindung in herrschender Position wollte in Zeiten der Apartheid weder das Nachbarland Südafrika, noch England dulden. Der bewegende Spielfilm, der auf dem Buch "Colour Bar" von Susan Williams basiert, setzt diesem Liebespaar, das den Lauf der Geschichte veränderte – Seretse Khama wurde 1966 der erste Präsident des unabhängigen Botswana - , ein würdiges Andenken.

Asante nimmt sich die nötige Zeit, um an den beiden Schauplätzen London und Botswana in die Atmosphäre der 1940er und 1950er Jahre einzutauchen. Ruth und Seretse gehen im kühlen London spazieren und zum Boogie-Woogie-Tanz. Aber mit dem Sex wird bis nach der Eheschließung gewartet. David Oyelowo und Rosamund Pike spielen geradezu verhalten, gönnen sich keine Gefühlsausbrüche, lassen das Paar in seiner Unschuld fast naiv wirken. Es wird deutlich, wie viel Asante daran liegt, den historischen Personen gerecht zu werden.

Oyelowos Spiel erreicht seinen Höhepunkt, als sich Seretse in Bechuanaland mit einer flammenden Rede dem Votum seines Volkes stellt: Er spricht seinen Appell gegen die Rassentrennung weniger, als dass er ihn buchstäblich in die Welt hinausruft. Sehr spannend wird die Inszenierung, wenn sie in parallelen Handlungen verfolgt, wie Seretse und Ruth jeweils für sich mit den Widerständen der Menschen und der großen Politik umgehen. Die Vertreter Englands treten sehr arrogant auf und der Film erinnert auch an die unrühmliche Rolle Winston Churchills in diesem Fall.

Die Bilder haben eine ausgesprochen sinnliche Qualität. Die Stimmung im Londoner Nebel, das verschwommene Licht der Straßenlaternen werden ebenso eindrucksvoll eingefangen wie die trockene Landschaft Botswanas im Licht der späten Nachmittage. Asante drehte in Afrika sogar in dem Haus, in dem Ruth und Seretse zuerst wohnten. Das Ergebnis ist ein berührend gespielter, behutsam und sorgfältig inszenierter Film mit Geschichtsbewusstsein.

Fazit: Regisseurin Amma Asante verfilmt die wahre Geschichte des letzten Königs von Bechuanaland, Seretse Khama, und seiner weißen Frau Ruth als berührendes Liebes- und Historiendrama. David Oyelowo und Rosamund Pike überzeugen in der Rolle des Paares, das sich Mitte des vorigen Jahrhunderts dem Geist der Apartheid und der britischen Politik widersetzt und für die Zukunft des heutigen Botswana kämpft. Die behutsame und stilvolle Inszenierung blättert dieses wenig beachtete Kapitel der ausgehenden Kolonialzeit voller Respekt für die historischen Figuren auf.





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