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Kritik: Hey Bunny (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Diese beschwingte und gewitzte Independentkomödie stellt das Kinoregiedebüt der beiden Schauspieler Lavinia Wilson und Barnaby Metschurat dar. Das Paar, das in Berlin eine Produktionsfirma betreibt, finanzierte den Film komplett selbst. Den Fesseln des niedrigen Budgets steht somit eine größere kreative Freiheit gegenüber, die der originell mäandernden Geschichte stets anzumerken ist.

Lauter Gegensatzpaare prägen die Handlung, in der es praktisch-philosophisch um das Glück im Allgemeinen und auf individueller Ebene geht. Adam ist reichlich desillusioniert und lustlos, ihm fehlen Ideale und Ambition. Dem Familiensinn seines Bruders Alen (Harald Schrott), der sich daheim um den dementen Vater Heinrich (Patrice-Luc Doumeyrou) kümmert, kann er wenig abgewinnen. Und doch wird die Handlung vor allem innerhalb dieser Männer-Familie, zu der auch Bruder Toni (Sabin Tambrea) gehört, Fahrt aufnehmen und Adams Sichtweise verändern. Dass die Versuchskaninchen ausgerechnet in dieses Haus gehoppelt sind, hat etwas mit dem Vater zu tun, der als Professor einst den Grundstein für die Forschung legte, die von Helen und ihrer Mutter betrieben wird. Heute ist sie mit dem Leid, das den Tieren zugefügt wird, nicht mehr zeitgemäß und so liegt es nun an der nächsten Generation, die Suche nach der Glücksformel auf anderen Pfaden fortzuführen.

Die Kaninchen tauchen überall im Film als Glücksboten auf, ihr unschuldiger Anblick hellt augenblicklich die Atmosphäre auf und gibt ihr etwas Verspieltes. Auch sonst prägen skurrile Dinge den leicht dahinplätschernden Verlauf der Geschichte. So lädt Bruder Alen gerne wechselnde Frauen aus anderen Ländern zu sich ein. Dann entwickelt sich das familiäre Zusammensein schon mal zur spontanen Party, auf der der demente Vater wie ein junger Gott tanzt. Oder es stellt sich eine Freundin Alens für Adams Bekennervideo zur Verfügung und will prompt ihre Brüste entblößen, wie sie das bei den Femen-Aktivistinnen gesehen hat.

In dieser oft etwas rätselhaften Geschichte ist alles im Fluss, die Standpunkte geraten ins Wanken, die Ideen mischen sich, als würden die dicken Kaninchen eine geheime Magie ausüben. Insgesamt bietet der Film unbeschwerte Unterhaltung, deren Kurs nicht stromlinienförmig verläuft, sondern sich eher am unvorhersehbaren Flug von Seifenblasen zu orientieren scheint.

Fazit: Die Independentkomödie von Lavinia Wilson und Barnaby Metschurat verläuft nicht stromlinienförmig, sondern begibt sich an der Seite ihrer Charaktere spielerisch mäandernd auf die Suche nach einer Formel für das Glück. Dabei scheinen entlaufene Versuchskaninchen auf subversiv-rätselhafte Art die Führung zu übernehmen. Die gewitzt beschwingte Atmosphäre und der Unernst, mit dem der Film den Zeitgeist, den Generationenkonflikt und die Sehnsucht der Individualisten nach Gemeinschaft inspiziert, sorgen für entspannte Unterhaltung abseits des Mainstreams.






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