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Kritik: Deportation Class (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Dieser Dokumentarfilm von Carsten Rau und Hauke Wendler bietet einen sehr aufschlussreichen Einblick in einen Bereich, den die Öffentlichkeit normalerweise überhaupt nicht zu sehen bekommt. Wenn der deutsche Staat abgelehnte Asylbewerber zwangsweise abschiebt, ergibt das keine schönen Bilder. Aber zu wissen, wie diese nächtlichen Aktionen konkret ablaufen, gehört auch zu den Informationen über die Wirklichkeit, die Bürger für ihre politische Meinungsbildung brauchen. Insofern betreibt dieser Film notwendige Aufklärung. Er basiert auf dem Drehmaterial des mit dem Grimme-Preis ausgezeichneten TV-Beitrags "Protokoll einer Abschiebung" von 2016, das die beiden Dokumentarfilmer neu zusammenstellten und mit weiteren Aufnahmen anreicherten.

Dass das Filmteam ausnahmsweise bei dieser Sammelabschiebung im Frühjahr 2016 zugegen sein durfte, hat, wie die Autoren vermuten, mit dem besonderen Charakter dieser ganzen Aktion zu tun. Sie fand wenige Monate vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern statt. Der Innenminister und CDU-Politiker Lorenz Caffier suchte vor der Kamera den Schulterschluss mit den Einsatzkräften und begleitete sie bis hinein in die Flüchtlingsunterkunft. So liefert der Film Bilder einer zweigeteilten Realität. Auf der einen Seite stehen diejenigen, die Macht demonstrieren. Auf der Warnweste des Einsatzleiters sind die Worte "Aufenthaltsbeendende Maßnahmen" zu lesen. Auf der anderen Seite stehen die Überrumpelten, die aufgefordert werden, sich anzuziehen, die Fragen beantworten sollen und das kaum können. Die Beamten haben keinen Dolmetscher mitgebracht, da muss wiederholt die Dolmetscherin des Filmteams in die Bresche springen.

Andere Bundesländer wie Rheinland-Pfalz setzen verstärkt auf alternative Methoden der Rückführung abgelehnter Asylbewerber. Dort wird lieber das Gespräch gesucht, Unterstützung angeboten. Elidor, seine Mutter und seine beiden Geschwister aber dürfen nicht einmal mehr ihre Anwältin anrufen, die Polizei nimmt ihnen in der Unterkunft die Handys ab. Ob so ein Vorgehen noch rechtsstaatlich ist, ist nur eine der vielen Fragen, die zur Diskussion einladen. Elidor selbst hilft die Einstufung Albaniens als sicheres Herkunftsland wenig. In Albanien wird er sich wenige Tage später aus Angst vor der Blutrache schutzsuchend an die Polizei wenden, aber keine Hilfe erhalten. Wieder einmal zeigt sich, wie kompliziert Politik wird, wenn es um konkrete Schicksale geht. Umso wichtiger ist es, den Blick trotzdem nicht abzuwenden.

Fazit: Der Dokumentarfilm von Carsten Rau und Hauke Wendler informiert darüber, wie eine Zwangsabschiebung abgelehnter Asylbewerber konkret abläuft. Die Szenen, die sich nachts in den Unterkünften zweier betroffenen Familien in Mecklenburg-Vorpommern abspielen, schildern eine krude Realität, die sich den Blicken der Öffentlichkeit normalerweise entzieht. Die aufwühlenden Bilder stimmen nachdenklich und legen nahe, einen respektvolleren Umgang mit Menschen zu suchen, die in Deutschland kein Bleiberecht haben.





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