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Als Paul über das Meer kam
Als Paul über das Meer kam
© farbfilm verleih

Kritik: Als Paul über das Meer kam - Tagebuch einer Begegnung (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Die Dokumentation "Als Paul über das Meer kam" stammt vom Berliner Doku-Filmer Jakob Preuss, dessen Film zwei Aufgaben erfüllt: zum einen beleuchtet er die große Gefahr, der sich immer noch Jahr für Jahr hunderttausende Flüchtlinge aussetzen, um in Europa ein neues, besseres Leben zu beginnen. Andererseits erzählt der Film aber auch von der freundschaftlichen Bindung eines Regisseurs zu seinem Porträtierten. Die Grenzen zwischen journalistischer Distanziertheit und dem persönlichen Einsatz für den Migranten, sind dabei zunehmend schwerer zu wahren. Seine Premiere erlebte der Film auf dem Filmfest Rotterdam. Später lief er im Wettbewerb um den Max-Ophüls-Preis.

"Als Paul über das Meer kam" ist ein mutiger, wichtiger und ergreifender Film, der zeigt, welchen (u.a. auch bürokratischen) Torturen sich Flüchtlinge wie Paul ausgesetzt sehen. Und welche Odyssee sie bewältigen müssen, um an ihren Zielort zu gelangen. Engagiert und ohne Scheu, dokumentiert Preuss die anstrengende, zermürbende Reise von Paul durch halb Europa. Bevor es aber soweit ist, kommt es zur ersten Begegnung der Beiden in einem marokkanischen Wald nahe der spanischen Exklave Melilla.

Schon dort zeigt sich schnell das offene und reflektierende Gemüt des sympathischen Afrikaners. Und auch sein Humor sowie sein ansteckendes Lachen scheinen immer wieder durch, trotz der misslichen Lage. Denn mit anderen Emigranten wartet er – einzig mit einem kleinen Zelt ausgestattet und in erschreckend ärmlichen Verhältnissen – vor den Toren Melillas darauf, mit einem Boot endlich die Fahrt übers Mittelmeer antreten zu können. Sein Sinn für Humor und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft: diese werden an einigen Stellen der Reise noch dafür sorgen, dass er nicht aufgibt.

Diese ist abgeschirmt von einem berüchtigten, mit Stacheldraht versehenen sieben Meter hohen Zaun. Wer es darüber schafft, hofft darauf, auf spanischem Boden Asyl gewährt zu bekommen. All die anderen die es nicht packen (und das sind die Meisten), werden wieder zurück ins Landesinnere gebracht. So weit weg von der Grenze wie möglich. "Als Paul über das Meer kam" zeigt auch eindringliche, teils schwer zu ertragende Bilder von diesen Aktionen. Darüber hinaus schreckt Preuss nicht davor zurück, die Grenzpolizisten nach ihrer Tätigkeit zu fragen und danach, ob es moralische Bedenken oder Zweifel gibt.

Dann beginnt Pauls Reise nach Spanien, die er gut übersteht. Dort trifft er auch den mittlerweile zu einem Freund gewordenen Regisseur, Preuss, wieder. Fortan begleiten Preuss und seine Kamera alle wesentlichen Stationen von Pauls Reise nach Berlin, dem Zielort. Die Stationen offenbaren, dass nach den seelischen und körperlichen Qualen der Überfahrt (wenn diese überlebt wurde), die bürokratischen Hürden lauern. Und die Unsicherheit. Denn einmal in den Auffanglagern sowie Asyl- und Erstaufnahmestellen – egal ob in Bilbao, Paris oder letztlich in Berlin – angekommen, bedeutet dies noch lange nicht das Ende der Reise. Möglicherweise geht diese nämlich geradewegs wieder zurück nach Afrika. Wenn es zur Abschiebung kommt.

Dieser zu entgehen, darauf hofft Paul. Und auch Preuss – weshalb er gegen Ende des Films eine Idee umsetzt, die Paul letztlich ein neues Leben in Deutschland, ermöglicht. In einer der letzten Szenen des Films, wenn Paul sich mit Preuss' Vater unterhält, bricht es dann wieder aus dem Afrikaner heraus: jenes ansteckende, herzliche Lachen vom Beginn.

Fazit: Mutiges und couragiertes, zu Herzen gehendes Plädoyer für mehr Gerechtigkeit und Mitmenschlichkeit, das in Form eines filmischen Tagebuchs die Flucht eines Afrikaners nach Deutschland, allumfassend und mitreißend dokumentiert.





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