Verfilmung von Yann Martels preisgekröntem Roman "Schiffbruch mit Tiger": Auf dem Weg von Indien nach Kanada erleidet der junge Pi (Suraj Sharma) Schiffbruch und findet sich mit einem Zebra, einer Hyäne, einem Orang-Utan und einem Tiger auf einem Rettungsboot wieder. Dort beginnt sein Überlebenskampf – und eine beinahe göttliche Reise.
Inhalt
Mit seinen Eltern und seinem Bruder verlässt der 17-jährige Pi (Suraj Sharma) die indische Kolonie Pondicherry, um in Kanada ein neues Leben zu beginnen. In ihrer Heimat war ihr Vater ein Zoodirektor, nun hat er viele Tiere verkauft und sie reisen mit ihnen auf einem japanischen Frachtschiff. Eines Nachts kommt ein Sturm auf – und das Schiff sinkt. Pi kann sich retten – und landet mit einem Zebra, einer Hyäne, einem Orang-Utan und dem Tiger Robert Parker auf dem Rettungsboot. Nach wenigen Tagen sind nur noch Pi und Robert Parker am Leben. Der junge Inder erkennt, dass er sich mit dem Tiger arrangieren muss, um zu überleben. Außer dem Tiger warten weitere Herausforderungen auf ihn: Er muss Nahrung und Wasser finden, Stürme überstehen und in der Sonne ausharren. Vor allem aber darf er nicht die Hoffnung verlieren, eines Tages gerettet zu werden.
Sonja Hartl
Credits
Originaltitel: Life of Pi
Weitere Titel: Schiffbruch mit Tiger (auch in 3D); Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger (auch in 3D)
Oscar 2013 Gewinner: Beste Regie (Ang Lee), Beste Kamera (Claudio Miranda), Beste Filmmusik (Mychael Danna), Beste visuelle Effekte - Bill Westenhofer, Guillaume Rocheron, Erik-Jan De Boer, Donald R. Elliott Weitere Nominierungen: Bester Film - Gil Netter, Ang Lee, David Womark, Bestes adaptiertes Drehbuch (David Magee), Bestes Szenenbild - David Gropman, Anna Pinnock, Bester Schnitt (Tim Squyres), Bester Song - Pi’s Lullaby von Mychael Danna, Bombay Jayashri, Bester Ton - Ron Bartlett, D.M. Hemphill, Drew Kunin, Bester Tonschnitt - Eugene Gearty, Philip Stockton
Filmkritik
Ang Lees Bestseller-Verfilmung "Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger" ist ein berauschendes Kino-Erlebnis und ein hervorragender 3D-Film. Er nutzt diese Technik, um die Gefahren und den Zauber von Pis Reise den Zuschauer spüren zu lassen und zieht ihn dadurch in eine zauberhafte Welt.
Die Launen der Natur in all ihrer Zerstörung und Schönheit fasst Ang Lee in fantastische Bilder, die wundervoll und grausam sind. Hier wird der gesamte Zauber, aber auch die Qualen von Pis Überlebenskampf auf dem Rettungsboot deutlich. Beeindruckend ist zudem der Tiger Richard Parker, der größtenteils am Computer unter der Leitung von Bill Westenhofer ("Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia") entstanden ist. Aufbauend auf der Technik von "Planet der Affen: Prevolution" ist ein Wesen entstanden, das ungemein lebensecht erscheint. Seine Bewegungen und seine Mimik ist beeindruckend, dabei bleibt Robert Parker stets ein Tier und nimmt keinerlei menschliche Züge an. Vielmehr wird mit Unterstützung einer subjektiven Kamera sowohl die Schönheit als auch die Gefährlichkeit dieses Tieres deutlich.
Eingefasst ist der Überlebenskampf von Pi in eine Rahmenerzählung, in der sich der erwachsene Pi (Irrfahn Kahn) mit einem Schriftsteller trifft. Mit guten Straffungen gegenüber der Romanvorlage verleiht insbesondere die schauspielerische Leistung von Irrfahn Kahn dem ehemals jungen Abenteurer sehr viel Tiefe, Wärme und Überzeugung, so dass die Geschichte trotz aller Wunder glaubwürdig bleibt. Dabei gelingt es Ang Lee mit den Zweifeln der Zuschauer zu spielen. "Life of Pi" erzählt eine unglaubliche Geschichte, die manche Fragen aufwirft – und am Ende werden diese Zweifel aufgegriffen, ohne sie zu beseitigen. Hier hält sich Ang Lee eng an den Bestseller von Yann Martel.
Ohnehin ist "Life of Pi" eine werkgetreue Verfilmung des Buches, was vor allem der 3D-Technik zu verdanken ist. Durch diese dritte Dimension fasst Ang Lee die Außergewöhnlichkeit der Situation, das Ausgeliefertsein, Pis unbändiges Staunen und seine tiefe Religiosität ins Bild. Wenn das Schiff im Sturm versinkt, wird durch das 3D erst deutlich, welch gigantisches Ereignis es ist. Dabei kann man dem Film sicherlich vorwerfen, dass manches zu glatt und esoterisch ist – zumal sich der tiefere Sinn des Ganzen erst am Ende offenbart. Wer aber von dem Buch "Schiffbruch mit Tiger" hingerissen war, wird es von dem Film ebenfalls sein. Und allen anderen bietet dieser Film ein ästhetisch eindrucksvolles Seh-Erlebnis.
Fazit: Ang Lees Bestseller-Verfilmung "Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger" ist ein visuell berauschendes Kino-Erlebnis und einer der besten 3D-Filme, die bisher zu sehen waren.
8martin vom 09.01.2013 Der deutsche Titel ist Inhaltsangabe, vernachlässigt dabei aber das Anfangs- und das Endkapitel der Geschichte. Der des Originals weist auf den Helden hin (Suraj Sharma). Die englische Aussprache der Abkürzung ?Pi? schwankt zwischen Pizza und pinkeln. Es ist aber die französische Kurzform für Schwimmbad. Dreierlei ist an diesem Film unglaublich im positiven Sinne: Zunächst ist es das, was uns Ang Lee hier optisch bietet. Es sind so noch nie gesehene Bilder ? unter und über Wasser, mit Wasserleuchten, fliegenden Fischschwärmen und einem Sturm, der jedem Kapitän die Hose im Wind zerfetzen würde. Dann ist es eine unglaubliche Geschichte: ein Junge namens Pi und ein Tiger namens Richard Parker in einem Rettungsboot. Wie sich Mensch und Tier durch die gemeinsame Todesnähe näher kommen und wie sie sich zu verstehen beginnen, wird überzeugend geschildert. Dabei behält jeder der beiden seine Eigenständigkeit. Wir sehen spannende, wildumkämpfte Auseinandersetzungen, aber auch ein echt bewegendes Drama auf hoher See. Und schließlich gibt es noch eine märchenhafte Auswahl von zwei möglichen Versionen in Bezug auf das Ende. Hier bekommen die anderen geretteten Tiere (Zebra, Orang-Utan, Hyäne) dann eine symbolische Bedeutung für die umgekommenen Mitglieder der Familie von Pi. Es ist dieser Teil, der die Esoteriker besonders fasziniert hat. Ich verweise den mal ins Märchenland. Außerdem ist der Film in 3D und bietet mit Gérard Depardieu auch noch komische Seiten. Ein außergewöhnliches Meisterwerk.