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Die Fälscher mit Karl Markovics
Die Fälscher mit Karl Markovics
© Universum Film

TV-Tips für Samstag (29.8.): Nazis treiben Blüten

3sat zeigt "Die Fälscher"

Samt und sonders aus den nuller Jahren stammen die sehenswerten Streifen des Abends. Darunter der österreichische "Oscar"-Gewinner "Die Fälscher" mit Karl Markovics und August Diehl, den 3sat im Hauptprogramm ausstrahlt.

"Ice Age 2 - Jetzt taut's", RTL, 20:15 Uhr:
Manny (Stimme von Arne Elsholtz), Sid (Otto Waalkes) und Diego (Thomas Fritsch) entdecken, dass die Eiszeit zu Ende geht und machen sich auf die Reise zu höher gelegenen Orten.

Vorhang auf für den erfolgreichsten Film in Deutschland des Jahres 2006! Im Trend mit dem Rest der Welt war der zweite Teil der vier Jahre zuvor begonnenen "Ice Age"-Saga hier zu Lande ein phänomenaler Erfolg: 8,7 Millionen Zuschauer sahen sich die Animationsfiguren an, bei denen das Eichhörnchen Scrat - das auch im Teaser-Trailer effektiv die Werbekampagne eröffnet hatte - der heimliche Star war. Weltweit kam der 20th Century Fox-Zeichentrickfilm auf 660 Millionen Dollar und war damit der dritterfolgreichste Streifen des Jahres. Ein Quantensprung gegenüber dem ersten Teil, der 383 Millionen Dollar eingespielt hatte.

Der Erfolg von "Ice Age" hatte Regisseur Carlos Saldanha und seinem Team 2002 carte blanche für eine Fortsetzung gegeben, für die sich diese Zeit ließen. Offenbar waren alle Beteiligten von dem großen Erfolg ihres Werkes überrascht und hatten noch keine Pläne für einen Nachfolger in der Schublade. Ein Jahr darauf schlossen Blue Sky Studios mit Fox einen Vertrag über mehrere Jahre, der auch eine "Ice Age"-Fortsetzung vorsah. Ein neues Autorentrio machte sich daran, eine weitere Geschichte für das Eiszeittrio zu ersinnen - und tat sich sichtbar schwer damit, wie das Ergebnis auf der Leinwand demonstriert. Die Animationen sind beeindruckend und Scrat's Missgeschicke witzig, aber handlungsmäßig fällt der Nachfolger deutlich unter die Messlatte des Originals. Was aber nur die Zuschauer in den USA, wo weniger Karten verkauft wurden als vier Jahre zuvor, zu stören schien.

Kritiker Matthew Turner befand für "ViewLondon": "Beeindruckend animierte, familienfreundliche Komödie mit liebenswerten Figuren und einigen großartig komischen Szenen."



"Die Fälscher", 3sat, 20:15 Uhr:
Wenn eine österreichische Produktion den "Oscar" als "Bester nicht-englischsprachiger" Film gewinnt - und das zum ersten Mal überhaupt - dann sollte das schon einen Blick wert sein. Regisseur und Drehbuchautor Stephan Ruzowitzky ("Cold Blood") erklärte zu seiner Motivation, 2007 eine Geschichte aus dem Dritten Reich auf die Leinwand zu bringen: "Wenn man in einem Land lebt, wo die rechtspopulistischen Parteien FPÖ und BZÖ mit ihrer unerträglichen ideologischen Nähe zu nationalsozialistischem Denken konstant um die 20 Prozent der Wähler gewinnen und genauso unerträglicherweise sogar an der Regierung beteiligt wurden, hat man schon mal das dringende Bedürfnis, sich mit so einem Thema auseinanderzusetzen."

Das Drama erzählt von der "Aktion Bernhard", dem größten Geldfälschungsprogramm des Dritten Reichs: Blüten im Wert von 130 Millionen britischen Pfund wurden gedruckt. Die Nazis beauftragten damit professionelle Drucker, Bankbeamte, Handwerker und Kleinkriminelle. Sie alle kasernierte man im Konzentrationslager Sachsenhausen und behandelte sie als Gefangene erster Klasse mit Zuckerbrot und Peitsche. Ständig vom Tod bedroht, musste die ungleich zusammengesetzte Gruppe immer wieder für Nachschub sorgen.

Alle Figuren im Film basieren auf realen Personen. Schauspieler August Diehl konnte sich sogar durch Gespräche mit dem echten Adolf Burger auf seine Rolle vorbereiten. Der Großteil der Dreharbeiten fand in den Studios Babelsberg statt. Der kammerspielartig inszenierte, darstellerisch hervorragende Film - Devid Striesow gewann beim Deutschen Filmpreis die Auszeichnung als "Bester Nebendarsteller" - rückt den Gewissenskonflikt seiner Protagonisten ins Zentrum der Handlung. Der rund vier Millionen Euro teure Streifen spielte weltweit etwa 17 Millionen Dollar ein - in Deutschland war das Interesse mit gerade mal 85 000 Zuschauern bedauerlicherweise sehr gering.

Susanne Schmetkamp lobte in "Die Zeit": "Eine sehr direkte Erzählweise und eine durch die agile Handkamera von Benedict Neuenfels erzeugte Ästhetik der Gegenwärtigkeit ziehen den Zuschauer in das Geschehen, ohne dass je die Grenze zum Betroffenheitskino überschritten würde. Und dass sich die Konflikte in den Gesichtern und an der Körpersprache ablesen lassen, ist nicht nur dem Schauspiel, sondern eben auch dieser hochaufmerksamen Kamera zu verdanken. Sie fängt die kleinsten Details ein."


"Drag Me to Hell", RTL, 00:00 Uhr:
Eine Bankmitarbeiterin (Alison Lohman) lässt eine alte Frau (Lorna Raver) aus deren Haus schmeißen - die sie im Gegenzug mit einem Fluch belegt. Daraufhin treiben sie dunkle Kräfte an den Rande des Wahnsinns...

Als Sam Raimi ankündigte, 16 Jahre nach seinem letzten Horrorfilm "Armee der Finsternis" von 1992 wieder einen Schreckensstreifen zu inszenieren, war die Begeisterung bei Fans des Filmemachers groß und die Erwartungen waren hoch. Ein gutes Jahrzehnt lang hatte der Regisseur mit der "Spider-Man"-Trilogie zugebracht, nun war ihm nach einer kleinen, mit 30 Millionen Dollar mäßig budgetierter Arbeit zumute.

Dafür holte er ein zehn Jahre zuvor gemeinsam mit seinem Bruder Ivan verfasstes Drehbuch aus der Schublade, das er mit seiner alten Produktionsfirma Ghost House Pictures realisierte, die schon "The Evil Dead" ("Tanz der Teufel") produziert hatten. Es hieß also: Back to the roots. Dazu passte auch, dass Sam seine langjährigen Mitarbeiter Kameramann Peter Deming und Cutter Bob Murawski - beide ebenfalls schon in den Achtzigern bei den "Evil Dead"-Streifen dabei - engagierte.

Für die Hauptrolle war ursprünglich Ellen Page vorgesehen, die aus Termingründen absagen musste und durch Alison Lohman ersetzt wurde. Umgeben wurde diese mit vielen Schauspielern, die ebenfalls bereits mit Raimi zusammen gearbeitet hatten. Für die vielen Spezialeffekte bediente man sich einer Mischung aus Reproduktionen, Puppen, Masken und Make-up sowie computergenerierten Effekten, an denen sieben verschiedene Firmen arbeiteten.

Sam's Horror-Comeback glückte - der Regisseur hatte nichts von seinen Fähigkeiten eingebüßt: Sein Werk ist eine spannende, furchterregende, vergnügliche und herrlich überkanditelte Achterbahnfahrt. Die Kritiker waren begeistert über den Horror-Maestro in Hochform, die Zuschauer indes wurden mit "Drag Me to Hell" weniger warm und machten den Streifen 2009 nur zu einem mäßigen Erfolg.

Kritiker Clint O'Connor schrieb: "Der Film hat genügend Schreckensmomente, dass man sich im Kinosessel windet, und genügend Lacher, dass man wieder aus dem Sessel auftaucht."



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