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Johnny Depp und Orlando Bloom in Fluch der Karibik
Johnny Depp und Orlando Bloom in Fluch der Karibik
© Walt Disney Studios

TV-Tips für den 2. Weihnachtstag (26.12.): Johnny Depp setzt die Segel

Sat1 zeigt Meisterwerk "Fluch der Karibik"

Im Hauptprogramm tauchen erstmals Free TV-Premieren des Zeichentrickfilms "The Croods" (auf RTL) und des Science Fiction-Films "Pacific Rim" (auf Pro7) von 2013 auf, aber in Sachen Qualität segeln sie weit hinter dem Meisterwerk "Fluch der Karibik", den Sat1 ausstrahlt, oder dem Hitchcock-Kriminalfilm "Ich kämpfe um dich", der bei 3sat läuft.

"Fluch der Karibik", Sat1, 20:15 Uhr:
Der Schmied Will Turner (Orlando Bloom) verbündet sich mit dem exzentrischen Piraten Jack Sparrow (Johnny Depp), um seine Geliebte (Keira Knightley) aus den Fängen von Jack's früheren Kumpanen zu befreien, die nun als Untote über die Meere geistern.

Niemand erwartete sich 2003 viel von "Pirates of the Caribbean" (so der Originaltitel), als er in die Kinos kam. Das Piraten-Genre schien sich mit dem Mega-Flop "Die Piratenbraut" mit Geena Davis acht Jahre zuvor endgültig selbst versenkt zu haben, Johnny Depp hatte noch nie einen Sommer-Blockbuster angeführt, aber vor allem: Ein Film, der auf einer Attraktion in einem Disney-Freizeitpark fußte? Da rümpften die Journalisten die Nasen.

Allerdings waren sie nicht die Einzigen, die Bedenken hatten, was das 140 Millionen Dollar teure Unterfangen betraf - bei Walt Disney Pictures war man sich ebenfalls nicht so sicher, ob das Ganze eine so gute Idee war, nachdem der erste auf einer Themenpark-Attraktion beruhende "The Country Bears" gerade gnadenlos gefloppt war. Disney-Chef Michael Eisner wollte "Pirates of the Caribbean" daher schon in der Vorproduktion den Stecker ziehen, doch Produzent Jerry Bruckheimer und Regisseur Gore Verbinski (der ein Unternehmen solcher Größe noch nie verantwortet hatte) konnten Eisner überzeugen, in Produktion zu gehen. Dafür sollte Eisner den Beiden noch heute dankbar sein, denn die "Pirates"-Reihe hat sich zu der profitabelsten Reihe für Disney überhaupt entwickelt.

Gedreht wurde in Kalifornien, aber auch vor Ort in der Karibik auf der Insel St. Vincent. Die Szenen mit den Schiffen entstanden dabei aus einer Mischung mit realen Schiffen, Modellen und Computeranimation. Viele der Computer-Spezialeffekte bestanden indes darin, ins Bild gefahrene moderne Segelschiffe "auszuradieren". Es war der Crew schwer genug gefallen, überhaupt eine noch einsame, nicht vom Tourismus in Beschlag genommene Bucht gefunden zu haben - doch ganz ließ sich die moderne Welt nicht ausschalten.

Als "Pirates of the Caribbean" dann passenderweise seine Uraufführung im Disneyland Resort in Kalifornien feierte, waren es zuallererst die Kritiker, die staunten. Abgesehen von der Tatsache, dass der Abenteuerfilm rund eine halbe Stunde zu lang geraten war, hatten sie nichts zu mäkeln: Verbinski war ein Film gelungen, der einfach Riesenspaß machte! Und viele wussten auch, wer auf der Leinwand für diesen Spaß hauptsächlich verantwortlich war: Johnny Depp. Verbinski hatte dem damals 39-Jährigen lange Leine gelassen, und Depp nutzte das, um eine der unvergesslichen Figuren der Filmgeschichte zu kreieren: Einen Stoner-Slacker-Piraten, für den er sich laut eigenen Angaben Rolling Stones-Gitarristen Keith Richards als Vorbild genommen hatte: "Piraten waren die Rockstars ihrer Zeit."

Wie grandios Johnny's Leistung war, kann man allein daran ermessen, dass er nicht nur für einen Golden Globe, sondern auch für einen "Oscar" als "Bester Hauptdarsteller" nominiert wurde. Komödiantische Darstellungen haben normalerweise äußerst geringe Chancen, von der Academy of Motion Picture Arts and Sciences gewürdigt zu werden. Auch die technische Meisterschaft des Werkes blieb nicht unbeachtet: Vier weitere "Oscar"-Nennungen gab es für die "Beste Maske", die beste "Tonmischung", den "Besten Tonschnitt" und die "Besten Spezialeffekte".

Doch was am Ende zählt, sind die Dublonen - und die flossen reichlich: Weltweit konnte Depp's Schiff "Black Pearl" zu 654 Millionen Dollar segeln - in den USA war die Disney-Produktion der dritterfolgreichste Film des Jahres. Sofort gaben die Studio-Bosse das grüne Licht für nicht eine, sondern sofort zwei Fortsetzungen, die sogar noch erfolgreicher werden sollten.

Ein Zuschauer aus San Francisco ist hin und weg: "Das ist nicht einfach nur eine weitere Zahl im Sommer-Blockbuster-Lotto, sondern ein vorzügliches Werk der Phantasie und des Einfallsreichtums, ein echter Klassiker vom Range eines 'The Wizard of Oz'. Ich hoffe, dass Johnny Depp's Darstellung ihm einen Platz in der Ruhmeshalle des Kinos sichert - etwas, das wir unseren Kindern und Enkeln wie einen entdeckten Schatz wieder und wieder zeigen werden."



"Ich kämpfe um dich", 3sat, 21:50 Uhr:
Eine Psychiaterin (Ingrid Bergman) schützt die Identität eines Amnesie-Patienten (Gregory Peck), der des Mordes angeklagt ist, während sie versucht, sein Gedächtnis wiederherzustellen.

Seitdem er 1939 in Hollywood angekommen war, stand der britische Regisseur Alfred Hitchcock bei Produzent David O. Selznick unter Vertrag. Die Zusammenarbeit war mit dem mit einem "Oscar" als "Bester Film" ausgezeichnetem Thriller "Rebecca" spektakulär gestartet, aber insgesamt blieb die Arbeitsbeziehung eine schwierige: Der sich stets in alle Details einer Produktion einmischende Selznick geriet häufig mit Hitchcock aneinander, der seine Filme im Voraus präzise zu planen pflegte. So kam es bis 1947 überhaupt nur zu drei Projekten, für andere Streifen "verlieh" der Produzent den Regisseur an andere Studios.

"Ich kämpfe um Dich" (im Original "Spellbound", zu Deutsch "Gebannt") wurde 1945 die zweite, äußerst erfolgreiche Kooperation der beiden Dickschädel. Selznick war in psychotherapeutischer Behandlung und regte an, einen Kriminalfilm mit diesem Thema zu machen. Hitchcock fand daraufhin den Roman "The House of Dr. Edwards" von Francis Beeding (Pseudonym von Hilary Saint George Saunders und John Palmer) aus dem Jahr 1927, den Ben Hecht ("Berüchtigt") für die Leinwand adaptierte.

Selznick brachte seine eigene Psychotherapeutin Dr. May Romm als "technische Beraterin" (so steht es im Vorspann) ein. Wie nicht anders zu erwarten, gerieten Hitchcock und die Ärztin mehrmals aneinander, und der Filmemacher musste klarstellen: "Das ist hier nur ein Film." Zwar war "Spellbound" der erste Hollywood-Streifen, der sich mit der von Siegmund Freund geprägten Psychoanalyse beschäftigte, aber dies natürlich nicht unter dem Gesichtspunkt wissenschaftlicher Präzision, sondern im Rahmen eines spannenden, nicht unbedingt realitätsnahen Krimis.

Das Werk hob sich durch zwei weitere Entscheidungen ab: Man engagierte Salvador Dalí, um die eindrucksvolle Traumsequenz zu gestalten. Allerdings überlebte von den rund 20 Minuten, die nach den Entwürfen des spanischen Künstlers gedreht wurden, nur etwa zwei. Der Rest fiel dem Schneidetisch zum Opfer, weil Selznick sie als zu lang empfand.

Zum Anderen erregte die Musik von Miklos Rosza Aufsehen. Als eine der ersten wurde sie kommerziell auf Schallplatten vertrieben, weil sie sich so großer Beliebtheit wegen ihres romantischen Liebesthema ("Die fürchterlichen Geigen", beschwerte sich Hitchcock) erfreute und auch den "Oscar" für die "Beste Filmmusik" gewinnen sollte. Rosza setzte für die Musik das Theremin ein. Dieses 1920 erfundene elektronische Musikinstrument wird berühungslos gespielt und erzeugt Töne, die sich perfekt als unheimliche Untermalung von Spannungsmomenten eigneten. Hier kam es erstmals erfolgreich in einer Hollywood-Produktion zum Einsatz und wurde dann wiederholt über die Jahre für Momente der Spannung und psychischer Instabilität eingesetzt.

Hitchcock gelang trotz aller Widrigkeiten während der Produktion ein kunstvoll gestaltetes, bemerkenswert gespieltes und spannendes Werk, das gut photographiert und geschnitten ist sowie Realität und Wirklichkeit oft effektvoll und beängstigend vermischt. An den Kinokassen wurde der 1,5 Millionen Dollar teure Streifen ein Riesenerfolg und hinter "The Bell's of St. Mary's" der zweiterfolgreichste Film des Jahres.

Die United Artists-Produktion erhielt fünf "Oscar"-Nominierungen: Neben der Musik als "Bester Film", für die "Beste Regie", für Michael Czekhov als "Bester Nebendarsteller", für die "Beste Kamera" und die "Besten Spezialeffekte".

Ein US-Zuschauer aus dem Bundesstaat Connecticut schwärmt: "Zunächst einmal ist die Ansammlung von Talenten mit Ingrid Bergman, Gregory Peck und Alfred Hitchcock, die einen Film drehen, der eine Traumsequenz von Salvador Dali enthält, einfach unglaublich. Die Inszenierung ist absolut spektakulär, der Gebrauch von Hell und Dunkel, besonders in einem Schwarzweiß-Film, der von der Angst des Protagonisten vor der Farbe Weiß handelt, ist phänomenal."



"The Rock", ZDF, 23:50 Uhr:
Ein sanftmütiger Chemiker (Nicolas Cage) und ein ehemaliger Gefangener (Sean Connery) müssen einen Gegenangriff starten, nachdem eine Gruppe rebellierender Militärs, die von einem abtrünnigen General (Ed Harris) angeführt werden, drohen, ein tödliches Nervengas vom Gefängnis auf der Felseninsel Alcatraz aus auf San Francisco abzufeuern.

Es mag wie ein vergiftetes Lob klingen, aber "The Rock" ist Michael Bay's bester Film. Mit Sicherheit ist der Regisseur einer der erfolgreichsten aller Zeiten, denn alleine seine "Transformers"-Filme sind gigantische Gelddruckmaschinerien, die scheinbar nicht zu stoppen sind. Doch wenige seiner Werke finden die Gnade der Kritiker oder werden von den Zuschauern wirklich geschätzt. Dieser Thriller ist die Ausnahme.

Für "The Rock" erhielt Bay, dessen zweiter Film nach "Bad Boys" dies war, die mit Abstand besten Besprechungen seiner Karriere. Dabei waren die Dreharbeiten nicht einfach. Der damals 30-Jährige geriet wiederholt mit den Walt Disney-Managern aneinander, die sich in die Produktion einmischten. Sean Connery, der das 75 Millionen Dollar teure Werk mitproduzierte, stellte sich hinter Bay und sorgte so dafür, dass dieser schließlich in Ruhe weiterarbeiten konnte.

Der Filmemacher setzte die Geschichte mit seiner Markenzeichen gewordenen Videoclip-Ästhetik um: Gehirn aus und durchschütteln lassen! Aber in Sachen Spannung und perfekter technischer Umsetzung machte Bay niemand etwas vor, und er profitierte überdies von der reizvollen Paarung von Connery und Cage als Helden wider Willen. "The Rock" wurde so ein gigantischer Kassenerfolg: Als weltweit vierterfolgreichster Film des Jahres 1996 setzte er 335 Millionen Dollar um und erhielt sogar eine "Oscar"-Nominierung für den "Besten Ton".

Ein US-Zuschauer aus dem US-Bundesstaat New York meint: "Dieser Film kombiniert Action, Abenteuer, Komödie, Romantik, Spezialeffekte und eine großartige Handlung. Dazu noch Sean Connery, Nicolas Cage, Ed Harris und tolle Nebendarsteller wie John Spencer, William Forsythe und David Morse. Dieser Streifen wendet viel Zeit und Anstrengung auf, um die Figuren weiterzuentwickeln, was Action-Filme sonst vernachlässigen."



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