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Schiffsmeldungen - Poster
Schiffsmeldungen - Poster
© Concorde

Kritik: Schiffsmeldungen (2001)


"Schiffsmeldungen" galt als eine der "Oscar"-Hoffnungen des Miramax-Studios. Nachdem Regisseur Lasse Hallström in den Vorjahren mit "Gottes Werk und Teufels Beitrag" sowie "Chocolat" für Miramax Films viele Nominierungen und zwei "Oscars" an Land gezogen hatte, ging die Disney-Tochter davon aus, ebenso mit "Schiffsmeldungen" - auch als die "Jährliche Lasse Hallström-Literaturverfilmung" bekannt - Academy Awards-Glanz zu ernten. Doch dann gab es keine einzige Nominierung für das Drama, und an den amerikanischen und britischen Kinokassen ging es unter wie ein Stein. Es ist nicht schwer zu verstehen, warum: "Schiffsmeldungen" ist einfach kein guter Film. Der Grund dafür ist auch schnell gefunden: Das Drehbuch von Robert Nelson Jacobs, der bereits "Chocolat" adaptiert hatte. John Irving hatte für die Adaption seines eigenen Romans "Gottes Werk und Teufels Beitrag" den "Oscar" wohl auch deshalb gewonnen, weil er den Mut hatte, ganze Erzählstränge aus dem Buch für sein Skript rauszuwerfen, aber dessen Essenz zu erhalten. Jacobs fällt dagegen dem "Harry Potter"-Syndrom zum Opfer: Er versucht, das umfangreiche Buch von Annie Proulx möglichst getreu auf die Leinwand zu bringen, so dass im Endeffekt im Schweinsgalopp ein Motiv nach dem anderen abgehakt wird, ohne dass man versteht, was nun eigentlich die Handlung sein soll oder warum eins wichtiger ist als etwas Anderes. "Schiffsmeldungen" verzettelt sich einfach in einem Wust an Ideen. So ist da das Trauma von Kevin Spacey, den Tod seiner Frau und die Erniedrigung durch seinen Vater nicht verwinden zu können, seine Romanze mit Julianne Moore, sein Aufspüren der Ahnen, sein Herantasten an den Reporterjob, seine Rivalität mit Pete Postlethwaite, das unheimliche Haus, der seltsame, um das Haus streichende Alte, Judi Denchs dunkles Geheimnis, Julianne Moores vermeintlich gestorbener Mann, der Fluch auf der Familie von Scott Glenn und eine im Wasser schwimmende, enthauptete Leiche. Alles wird jeweils in wenigen Minuten abgehandelt, bevor dann das nächste Thema abgehakt wird. Dem Zuschauer wird es so unmöglich gemacht, sich in die Figuren einzufühlen, mitzuleiden und überhaupt zu erfassen, was der Film nun eigentlich will. Vor allem stellt sich die vom Regisseur beschworene mystische Stimmung niemals ein. Zum Schluss muss schon Spaceys Monolog das Ganze so abrunden, damit das Publikum kapiert, worum es ging: Die Selbstfindung eines Mannes. Wenn einen der Streifen auch kaltlässt, so ist er doch wenigstens nicht langweilig. Allein das bemerkenswerte Schauspielensemble beeindruckt. Neben Kevin Spacey in der Hauptrolle wirken Julianne Moore, Judi Dench, Cate Blanchett, Pete Postlethwaite, Scott Glenn und Rhys Ifans mit, die allesamt kompetente Leistungen bringen. Regisseur Hallström findet einige prächtige Bilder, und der Beginn des Films mit dem beinahe ertrinkenden Jungen und die Fortführung dieses Motivs sind ihm großartig gelungen. Der im Grunde recht trostlose Film mit der passiven, farblosen Hauptfigur wird durch viel Humor auch ansprechend aufgelockert, ohne dass es aufgesetzt wirken oder albern werden würde. "Schiffsmeldungen" ist ein mittelmäßiger Film - ein phantastisches Schauspielensemble und ein Regisseur mühen sich letztendlich vergeblich, das Flickenteppich-Drehbuch in den Griff zu bekommen. Ralf Schmitt

  • Es ist der nunmehr dritte Bestseller nach "Gottes Werk und Teufels Beitrag" und "Chocolat", mit dessen Adaption Lasse Hallström mit einer ausgesuchten Charakterbesetzung erneut auf Oscarkurs geht, dieses mal aber nicht einmal nominiert wurde. Nach den ambitionierten Vorgängern stehen der Beginn eines neuen Lebensabschnitts und die Meisterung der eigenen Schwächen auf dem Programm. Hallströms gediegenes Interesse an komischen, augenzwinkernden Szenen lenkt von den Kernproblemen der Hauptfigur weitgehend ab, die auf ein dekoratives Maß gestutzt werden. Die (selbst)gefällige Abfolge von leicht ulkigen Episoden, die von einer schmerzhaften Realität wie abgekapselt sind, verkennt die psychologische Tiefe, übertüncht einen andernfalls aber auffallend bleiernen und tranigen Erzählfluss. Das Traumwandlerische, das mild stimmende Spiel mit dem Beschaulichen, durch das sich seelische Wunden und Demütigungen leichter ertragen lassen, ist eine große Stärke Hallströms, dem aber hierbei die Relevanz und Dringlichkeit seines Themas flöten geht. Der Film verstummt und verschwimmt wie unter Wasser, die mühsam aufgeblähte Geschichte entpuppt sich als Luftblase, die an der Oberfläche zerplatzt. Da helfen auch die aufdringliche "Sensibilität" und die symboltriefende Übersinnlichkeit nicht weiter.





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